Politik

"Ich lebe im Untergrund"Stefan Thumann auf der Flucht vor dem russischen Geheimdienst

18.08.2026, 16:00 Uhr
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Stefan Thumann, Gründer des Waffenherstellers Donaustahl, spricht erstmals über sein Leben seit dem mutmaßlichen Mordkomplott des russischen Geheimdienstes. (Foto: RTL/stern)

Weil er die Ukraine mit Kampfdrohnen ausstattet, gerät Donaustahl-Gründer Stefan Thumann ins Visier des russischen Geheimdienstes. Nach einem mutmaßlichen Mordkomplott gegen ihn taucht er ab - und liefert sich seitdem ein "Duell um sein Leben".

Der Gründer des Waffenherstellers Donaustahl, Stefan Thumann, hat sich in einem Interview erstmals zu einem mutmaßlichen Mordkomplott Russlands gegen ihn geäußert. "Ich liefere mir mit dem russischen Militärgeheimdienst ein Duell um mein Leben", sagt Thumann im Interview mit RTL. Der 39-Jährige habe sein Testament gemacht, eine Organspendeerklärung und eine Patientenverfügung. "Dinge, die man eigentlich in meinem Alter noch nicht so auf dem Schirm hat." Die Reporter von RTL und "Stern" trafen Thumann an einem geheimen Ort unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen. 

Kurz vor Weihnachten 2025 habe er von deutschen Sicherheitsbehörden Hinweise auf eine russische Geheimdienstoperation gegen ihn bekommen. Russland plane demnach, ihn umzubringen. "Ich war geschockt." Seither lebe er de facto im Untergrund, bekomme rund um die Uhr Personenschutz und habe kein Privatleben mehr.

Der Generalbundesanwalt ließ im März zwei sogenannte Wegwerfagenten festnehmen. Sie hätten Thumann ausgespäht, mutmaßlich zur "Vorbereitung weiterer geheimdienstlicher Operationen gegen die Zielperson". Doch nach der Festnahme ist die Gefahr nicht vorbei - laut dem Bundestagsabgeordneten Bastian Ernst waren die Pläne gegen Thumann weit fortgeschritten.

Thumann sollte offenbar mit Nervengift getötet werden

"Die Informationen, die uns vorliegen, zeigen klar, dass es mit Novichok passieren sollte", sagt er im Interview mit RTL. Nur wenige Milligramm des Nervengifts sind bereits tödlich. Ein kurzer Hautkontakt reicht aus. Und es sei ein Zeichen, erklärt Ernst. "Niemand sonst macht das. Es ist nachvollziehbar, wer es war, ohne dass man es wirklich beweisen kann."

Thumann lebe darum seit Monaten an ständig wechselnden Orten. Er schlafe neben seinem Computer. Und sobald er aufwache, beginne er zu arbeiten. Damit er möglichst wenig über seine Lage nachdenken müsse. Der Krieg in der Ukraine sei nun auch sein "ganz persönlicher Krieg". Die gesamte Dokumentation "Putins Wegwerfagenten - Die billigen Vollstrecker" für das Format "stern Investigativ" ist ab Mittwoch, den 19. August, ab 18.45 Uhr auf RTL+ abrufbar.

"Wie zu Hochzeiten des Kalten Krieges"

Die deutschen Sicherheitsbehörden sehen in Thumanns Fall ein krasses Beispiel für die Eskalation eines hybriden russischen Kriegs. Auch Armin Papperger, Chef des Rüstungskonzerns Rheinmetall, soll Ziel eines geplanten Attentats gewesen sein. Jürgen Kayser, Verfassungsschutzchef von Nordrhein-Westfalen, vergleicht Russlands Geheimdienstattacken auf Deutschland mit den "Hochzeiten des Kalten Krieges". Spätestens seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine "sehen wir einen deutlichen Anstieg von Spionageaktivitäten hierzulande", so Kayser im Interview mit RTL und "Stern". Russland schüchtere gezielt Chefs deutscher Rüstungsunternehmen ein. "Es geht darum, Unternehmen und Verantwortliche Personen durch eine Bedrohungskulisse davon abzubringen, zum Beispiel die Ukraine mit Waffentechnologie zu unterstützen."

Auch Wegwerfagenten wie in Thumanns Fall spielen meist eine Rolle: Es sind Amateure oder Kleinkriminelle, "die oft einfache Aufträge bekommen, die früher ein ausgebildeter Spion ausgeführt hätte". Diese spähten beispielweise Rüstungsunternehmen aus, fotografierten Bundeswehrstandorte mit Drohnen oder filmten Logistikstrecken der Bahn. "Das dient Russland zur Vorbereitung von Sabotageakten", erklärt Kayser.

Mit Blick auf die Fähigkeit deutscher Sicherheitsbehörden, solche Angriffe frühzeitig zu erkennen und möglichst zu verhindern, fordert Kayser: "Wir können und müssen noch besser werden". Vor gut zwei Wochen verhinderte am Leipziger Flughafen wohl nur der Zufall einen folgenreichen Anschlag mit einer sprengstoffbeladenen Drohne.   

Quelle: ntv.de

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