Politik

BND soll es zurückhalten Droh-Video zeigt Amri offenbar vor Attentat

105095154.jpg

Anis Amri wurde wenige Tage nach dem Anschlag in Italien von der Polizei erschossen.

(Foto: dpa)

Der Bundesnachrichtendienst ist laut einem Bericht in Besitz eines bisher unbekannten Videos von Anis Amri, das nur wenige Wochen vor dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt aufgenommen wurde. Demnach droht Amri darin mit Attentaten. Ermittler dürfen es aber anscheinend bis heute nicht sehen.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) ist Medienberichten zufolge im Besitz eines bislang unbekannten Videos des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri. Wie "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR berichteten, soll die rund elf Sekunden lange Aufnahme im November 2016 entstanden sein, also nur wenige Wochen vor dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 mit zwölf Toten.

In dem Video, das wohl mit einem Mobiltelefon aufgenommen wurde, droht Amri den Berichten zufolge mit Attentaten. "Oh Allah! Diese Schweine, kommen wir zu ihnen, um sie zu enthaupten!", sagt er demnach auf Arabisch. Er hält dabei eine Pistole in der Hand, bei der es sich nach Einschätzung des BND um jene Waffe handele, mit der Amri später den polnischen Lkw-Fahrer Lukasz U. erschoss, bevor er dessen Sattelschlepper übernahm.

Wie "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR weiter berichteten, soll der Auslandsgeheimdienst die Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) zwar im März 2017 über die Existenz der Aufnahme informiert, sich aber zugleich geweigert haben, das wohl mit einem Handy aufgenommene Video zu den Ermittlungsakten zu geben. Auch die Untersuchungsausschüsse des Bundestags und verschiedener Landesparlamente, die an der Aufklärung des Falls arbeiten, hätten es offenbar nicht gezeigt bekommen, hieß es.

Dem Bericht zufolge gibt es keine Hinweise, dass dem BND oder anderen deutschen Behörden das Amri-Video schon vor dessen Tat im Jahr 2016 bekannt war. Zum Zeitpunkt der Aufnahme galt der zeitweise beobachtete Amri den Sicherheitsbehörden nicht mehr als akut gefährlich. Er verkehrte da zunehmend im Drogenmilieu und besuchte nur noch unregelmäßig die Moschee.

Kam Video von ausländischem Geheimdienst?

Der Auslandsgeheimdienst wollte sich nicht näher äußern. "Zu etwaigen Erkenntnissen und zu operativen Aspekten seiner Arbeit berichtet der BND grundsätzlich nur der Bundesregierung und den zuständigen, geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages", teilte ein Sprecher mit.

Der BND soll das Video dem Bericht zufolge von einem ausländischen Geheimdienst erhalten haben. Seine Weigerung, es weiterzugeben, wurde demnach mit der Vertraulichkeit begründet, zu der er gegenüber dem ausländischen Dienst verpflichtet sei.

"Kein Interesse an Verfolgung der Täter"

Der FDP-Obmann im Untersuchungsausschuss des Bundestags, Benjamin Strasser, forderte Aufklärung. "Der BND muss erklären, wann er dieses Video erhalten hat. Aber auch dann bleibt die Frage im Raum, warum die Sicherheitsbehörden und die Bundesregierung die Aufklärungsarbeit des Untersuchungsausschusses ständig blockieren und torpedieren."

Die Linke-Innenpolitikerin Martina Renner sagte: "Geheimdienste, ob hiesige oder Partner im Ausland, haben offenbar selbst bei einem schweren Terroranschlag kein Interesse an der Verfolgung der Täter" oder daran, dschihadistische Netzwerke auszuheben. Dabei habe die Aufarbeitung der Fehler beim rechtsterroristischen NSU gezeigt, dass aus "Ignoranz gegenüber den Strafverfolgungsbehörden" schnell eine Sabotage der Ermittlungsarbeit werden könne.

Gab es ein drittes Handy von Amri?

Bislang war bekannt, dass Amri vor der Tat in Berlin ein Bekennervideo aufgenommen hatte, in dem er der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Treue schwor und ein Attentat ankündigte. Dieses Video hatte der IS nach der Tat im Internet veröffentlicht. Nach der Tat hatte die Polizei zwei Handys von Amri beschlagnahmt und ausgewertet - das nun bekanntgewordene Video soll nicht darauf gewesen sein.

Einige Mitglieder des Untersuchungsausschusses des Bundestages fragen sich aber bereits länger, ob womöglich bei Amri nach seinem Tod in Italien ein weiteres Mobiltelefon gefunden wurde. Er war wenige Tage nach der Tat auf der Flucht durch Italien von Polizisten erschossen worden. Die "Zeit" hatte bereits im Februar über ein Geheimpapier des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) berichtet, dem zufolge Amri nach Erkenntnissen von US-Geheimdiensten bereits am 23. Oktober 2016 ein bislang unbekanntes Video an einen IS-Terroristen in Libyen verschickt hat.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP

Mehr zum Thema