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Presse bewertet Mays Gipfelbeute "EU übernimmt Kontrolle über Zeitplan"

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Britische Medien sehen die Premierministerin May im Ringen mit der EU um den Brexit als geschwächt an.

(Foto: REUTERS)

Auf ihrem Gipfel in Brüssel entscheiden sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, der britischen Premierministerin Theresa May eine Fristverlängerung für den EU-Austritt Großbritanniens zu gewähren. Die dort ansässigen Zeitungen werten diesen Schritt mehrheitlich als letzte Chance im Ringen um einen geregelten Brexit - Mays Position in diesem Finale sehen sie indes als geschwächt an.

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"Der Premierministerin gelingt es nicht, ihre Amtskollegen zu beeindrucken", resümiert der "Independent". Auf die Frage, ob May sich die Kontrolle zurückerobere, schreibt die Zeitung weiter: "Theresa May wurde warten gelassen, während die europäischen Staats- und Regierungschefs die Zukunft des Brexit hinter verschlossenen Türen entschieden." Statt der von May erhofften Verlängerung bis 30. Juni hätten die 27 Staats- und Regierungschefs "einen komplizierten Plan mit Bedingungen" entworfen.

Der "Daily Telegraph" schreibt der EU ebenfalls einen deutlichen Machtgewinn in den Verhandlungen zu: "Die EU übernimmt die Kontrolle über den Brexit-Zeitplan, May wird an die Seitenlinie verbannt." Demnach habe die Staatengemeinschaft mit der Ablehnung von Mays ursprünglichem Verlängerungsgesuch "die Schrauben angezogen".

Auch laut dem "Guardian" hat Theresa May eine starke Verhandlungsposition eingebüßt. "Mays Gesuch fällt durch, die EU übernimmt die Kontrolle über das Brexit-Datum", titelt die Zeitung. Bezüglich Mays Ansprache im britischen Fernsehen heißt es weiter: "May hat bisweilen gesagt, dass sie die Nation einen möchte. Doch mit ihrer Fernsehansprache hat sie diesem Traum den Todesstoß versetzt. Sie ist nur an einer Hälfte des Landes interessiert. Für die andere hat sie nichts übrig. Sie behandelt Millionen von Menschen, die mit dem Brexit und ihrem Umgang damit nicht einverstanden sind, als würden sie nicht existieren." Die Spaltung aufgrund des Brexits verlaufe "tief durch die gesamte Nation, aber nicht zwischen Parlament und Volk".

Die "Times" schreibt von "einer letzten Chance", die die 27 Staats- und Regierungschefs "nach fast siebenstündigem Gezerre" gewährt hätten. May habe nun "eine dreiwöchige Rettungslinie". Der EU-Chefunterhändler Michel Barnier sagte der Zeitung: "Es ist kein Deal. Es ist ein Schritt im Prozess." Die Staatengemeinschaft sei demnach weiter "konstruktiv und geduldig".

Die Autoren der "Financial Times" wähnen May derweil vor einem "nationalen Notstand". Mit der gewährten Verlängerung habe die EU der britischen Premierministerin "ein enges Zeitfenster" vorgegeben. "Die EU ordnet einen neuen Brexit-Zeitplan an" titelt die Zeitung deshalb und schreibt wie andere Medien von "einer letzten Chance" für May, doch noch den Deal im britischen Parlament durchzubekommen.

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Quelle: n-tv.de, cri

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