Politik

Kalifat erlebt schwere Verluste Ein schlechter Tag für den IS

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Ein Kämpfer einer schiitischen Miliz, die an der Seite der irakischen Armee gegen den IS kämpft, feuert im Süden Mossuls eine Artilleriegranate auf eine Stellung des IS ab.

REUTERS

Innerhalb nur eines Tages muss der IS gleich mehrere heftige Verluste hinnehmen: Die einstige Hochburg Al-Bab fällt, der Flughafen von Mossul wird von der irakischen Armee eingenommen und auch der Druck auf die "Hauptstadt" Rakka steigt.

Die Tage, in denen sich IS-Terroristen nahezu ungebremst in den machtleeren Räumen Syriens und dem Irak ausbreiten konnten und eine Ortschaft nach der anderen einnahmen, sind endgültig vorüber. In Mossul nimmt die irakische Armee den strategisch wichtigen Flughafen innerhalb von Stunden ein - Gegenwehr war offenbar kaum vorhanden. Al-Bab, neben Rakka die letzte Hochburg der Islamisten in Syrien, wird nach wochenlangen Kämpfen von türkisch-geführten Truppen eingenommen. Und die Schlacht um die "Hauptstadt" des Kalifats - Rakka - dürfte kurz bevorstehen. Ein Überblick über die Fronten im Kampf gegen den IS:

Al-Bab

Drei Monate lang dauerte die Schlacht um die Stadt im Nordwesten Syriens. Nachdem die von der Türkei geführte Offensive Schutzschild Euphrat hinter der Grenze zu Syrien rasch Erfolge feiern konnte und die IS-Hochburgen weite Landstriche und die IS-Hochburg Dabiq mehr oder weniger überrannt wurden, geriet die Operation vor Al-Bab spürbar ins Stocken. Das lag zum einen an dem erbitterten Widerstand des IS, zum anderen an dem durch den Putschversuch geschwächten türkischen Militär.

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Die Karte zeigt den ungefähren Frontverlauf rund um Al-Bab. Grüne Flächen zeigen Gebiete der Operation Schutzschild Euphrat, rote die der Assad-Truppen, graue Gebiete die des IS und gelbe die der kurdischen Truppen.

(Foto: isis.liveuamap.com)

Nun jedoch ist es den Truppen gelungen, die Stadt mit einst über 60.000 Einwohnern komplett zu erobern. Zwar verkündete die Freie Syrische Armee (FSA) vor rund zwei Wochen schon einmal, Al-Bab sei gefallen - was sich im Nachhinein als falsche Nachricht herausstellte, doch nun berichten die türkische Nachrichtenagentur Anadolu, die Freie Syrische Armee und unabhängige Al-Jazeera-Reporter unabhängig voneinander, dass Al-Bab eingenommen worden sei. Bilder aus der Stadt zeigen Soldaten der Offensive Schutzschild Euphrat, die sich im Zentrum bewegen und Flaggen hissen. Einzig die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die der syrischen Opposition nahesteht, meldet, die Stadt sei erst zu 40 Prozent eingenommen.

Das Nachrichtenportal "Aleppo24" meldet, dass bei den Kämpfen etwa 40 IS-Kämpfer getötet wurden. Die verbliebenen Dschihadisten des IS sollen sich in die umliegenden Ortschaften Qabasin und Bzaa geflüchtet haben. Auch um diese beiden Orte, beide deutlich kleiner als Al-Bab, gab es in den vergangenen Wochen heftige Kämpfe. Am Abend dann meldete die FSA, dass auch Qabasin und Bzaa eingenommen worden seien.

Weiter südlich dringen Assads Truppen immer weiter Richtung Osten vor und nehmen Dorf für Dorf ein. Die in der Gegend um Al-Bab stationierten Truppen des IS drohen, vom Rest des Landes abgeschnitten zu werden. Damit wäre auch die Durchfahrt nach Rakka, der Quasi-Hauptstadt des IS versperrt, wo der Druck auf den sogenannten Islamischen Staat auch immer weiter wächst.

Rakka

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Diese Karte zeigt die drei Phasen der Offensive der kurdischen Truppen auf Rakka.

Rakka ist die Hochburg des IS. Zwar wurde das "Kalifat" in Mossul aufgerufen, doch in der Stadt am Euphrat hatten sich die Islamisten schon viel früher festgesetzt und begonnen, staatliche Strukturen aufzubauen. Rakka gilt als die inoffizielle Hauptstadt des IS und war lange zu weit von den Fronten entfernt, um Gefahr zu laufen, zu fallen.

Das hat sich geändert. In der Stadt, in der einst über 200.000 Menschen lebten, bahnt sich möglicherweise der Showdown im Kampf gegen den IS an. Erdogan hatte bereits beim Beginn der Offensive angekündigt, bis nach Rakka vorzurücken. Auch die kurdischen Truppen und Assads Armee verfolgen dasselbe Ziel.

Nun haben sich die kurdischen Truppen der Syrian Democratic Forces (SDF) von drei Fronten bis auf wenige Kilometer der Stadt genähert. In einer ersten Angriffswelle hatte sich die SDF bis auf etwa 25 Kilometer vor die Tore der Stadt gekämpft. Ein zweite Angriffswelle brachte rasche Erfolge im Nordosten der Stadt. Dort steht die SDF knapp fünf Kilometer vor der Stadtgrenze. Und auch an der dritten Front nähern sich die SDF-Kämpfer Rakka schnell. Erst vor drei Tagen konnte ein umzingeltes Gebiet von schätzungsweise mehr als 400 Quadratkilometern eingenommen werden. Die Zahl der Luftangriffe auf die Stadt wurde von der US-geführten Anti-IS-Koalition in den vergangenen Tagen deutlich erhöht.

Mossul

Auch in Mossul, der letzten Hochburg des IS, stehen die Zeichen auf Sturm für die Islamisten. Nachdem die irakische Armee im Januar den Osten der Millionenstadt am Tigris komplett einnehmen konnte, hat am Wochenende die Offensive gegen den Westteil der Stadt begonnen.

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Nun ist es der irakischen Armee mit Hilfe ihrer Verbündeten, vor allem der USA, gelungen, den stillgelegten Flughafen der Stadt einzunehmen. Die Offensive auf die 2,6 Kilometer lange Start- und Landebahn und die angrenzenden Gebäude hatte erst am Morgen begonnen, bereits am Mittag verkündete das irakische Staatsfernsehen die Eroberung des Airports. Die Gegenwehr des IS sei gering gewesen, so die irakische Armee. Der Flughafen hat strategisch eine hohe Bedeutung: Das Nachrichtenportal Kurdistan24 hat bereits gemeldet, die US-Armee wolle zügig damit beginnen, per Flugzeug Spezialeinheiten nach Mossul zu bringen.

Am Abend gab es zudem erste Berichte, wonach Spezialeinheiten der irakischen Armee im Begriff waren, den an den Flughafen angrenzenden Militärstutzpunkt Camp Ghazlani zurückzuerobern.

Der härteste Teil der Eroberung Mossuls steht jedoch noch bevor: die dicht bebaute Altstadt im Zentrum. Durch die engen Gassen passen keine schwer gepanzerten Fahrzeuge. Zugleich haben sich die IS-Kämpfer Berichten von Anwohnern zufolge ein Netzwerk von Durchgängen und Tunneln geschaffen, um schnell untertauchen zu können. Der Befehlshaber der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition, General Stephen Townsend, warnte vor einem Kampf, "der für jede Armee der Welt hart wäre". In West-Mossul liegen die Altstadt, der alte Markt sowie die meisten Regierungsgebäude. UN-Schätzungen zufolge halten sich noch mehr als 750.000 Zivilisten im Westteil der Stadt auf.

Auch in anderen Gegenden im Irak und Syrien gerät der IS weiter unter Druck. So droht die Offensive etwa die Nachschubroute der Dschihadisten nach Deir-Essor abzuschneiden. In der Stadt im Südosten Syriens belagert der IS Assad-Truppen in einem komplett umschlossenen Gebiet. Und auch im Westen des Irak rückt die irakische Armee auf den Ort Tel Afar vor, nach Mossul die einzige größere Ortschaft in der Provinz Nineveh, die noch in der Hand der Islamisten ist.

Quelle: n-tv.de

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