Politik

Ermittlungen nach StromsabotageEine Million Euro für Hinweise zur Vulkangruppe?

23.01.2026, 21:43 Uhr
00:00 / 04:21
Einsatzkraefte-der-Polizei-stehen-an-der-Brandstelle-einer-Kabelbruecke-vor-dem-Kraftwerk-Lichterfelde-am-Teltowkanal-Nach-dem-Brand-einer-Kabelbruecke-ist-im-Suedwesten-Berlins-fuer-50-000-Haushalte-und-2-000-Gewerbebetriebe-der-Strom-ausgefallen
Einsatzkräfte der Polizei stehen an der Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal. (Foto: picture alliance/dpa)

Und dann war es dunkel ... Zehntausenden Haushalten ging es so nach dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz vor wenigen Wochen. Große Ermittlungserfolge sind bisher nicht bekannt geworden. Nun könnte Schwung in die Sache kommen - durch viel Geld.

Der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang Januar liegt bereits ein paar Wochen zurück - Berichte über Ermittlungsfortschritte blieben bisher aber rar. Nun berichtet die "Bild"-Zeitung, dass die Generalbundesanwaltschaft mit dem Gedanken spielt, eine Belohnung auszuloben - und dabei die Summe von einer Million Euro im Raum steht. Laut "Bild" eine "Rekordsumme".

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von der CSU hatte bereits vor wenigen Tagen für die Auslobung einer Prämie plädiert. Er befürworte eine "hohe finanzielle Belohnung für Hinweise" zur Ermittlung der Täter, hatte ein Sprecher des BMI gegenüber der "Bild am Sonntag" gesagt. Wie schon damals berichtet wurde, erhofften sich Sicherheitskreise durch eine Belohnung im sechs- oder siebenstelligen Bereich neue Impulse für die Fahndung, hieß es.

Da der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen hat - wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe - obliegt ihm somit die Auslobung einer Belohnung. Berichte über die vermeintlich geplante Höhe gibt es bisher nur von Medien aus dem Springer-Konzern.

Durch den Brandanschlag auf eine Kabelbrücke waren in Berlin vorübergehend 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbeeinheiten ohne Strom. Die linksextremistische Vulkangruppe bekannte sich dazu.

Mehrere Kleinstgruppen?

Das Landes- und das Bundeskriminalamt sowie der Verfassungsschutz stuften das Bekennerschreiben als glaubwürdig ein. Darin hieß es, Stromausfälle seien "nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft".

Nach Informationen des Verfassungsschutzes bestehen sogenannte Vulkangruppen seit dem Jahr 2011 und verüben seitdem Brandanschläge in Berlin und Brandenburg. Ziele sind zumeist Kabelschächte an Bahntrassen, aber auch Funkmasten oder Datenleitungen, teilweise auch Firmenfahrzeuge. Im Jahresbericht 2024 des Berliner Verfassungsschutzes spricht man von der Gruppe im Zusammenhang mit "Militanz gegen kritische Infrastruktur und neue Technologien". Laut Bericht handelt es sich bei ihr um eine oder mehrere Kleinstgruppen, die als Reaktion auf die "selbst konstatierte Stagnation" der Szene mit zunehmender Radikalisierung reagieren.

Vulkangruppen bekannten sich in der Vergangenheit unter anderem zu zwei Anschlägen auf die Tesla-Fabrik im brandenburgischen Grünheide, die sie als "grünen Kapitalismus" brandmarkten. Nachdem im Mai 2021 Unbekannte einen Brandanschlag auf die Stromversorgung des Autobauers verübten, wurde im März 2024 in unmittelbarer Nähe des Automobilwerks ein Hochspannungsmast durch Brandstiftung zerstört. In der Folge waren sowohl das Werk als auch die umliegenden Ortschaften tagelang von der Stromversorgung abgeschnitten.

2020 bekannte sich eine Vulkangruppe auch zu einem Brandanschlag auf das Heinrich-Hertz-Institut in Berlin, weil dieses an der Entwicklung der Corona-App beteiligt war.

Ob die Auslobung einer Belohnung von einer Million Euro wirklich die Rekordsumme wäre, bliebe zu recherchieren. Im Zusammenhang mit dem Mord an Alfred Herrhausen am 30. November 1989 durch die RAF wurden nach dem Anschlag hohe Belohnungen ausgesetzt. Für Hinweise auf die Attentäter waren laut "Spiegel" insgesamt vier Millionen Mark Belohnung ausgesetzt. Aber wohl in einer addierten Summe.

Quelle: ntv.de, mpe/AFP

StromversorgungBerlinGeneralbundesanwaltAlexander DobrindtTerrorismus