Politik

Versorgung auch so gesichert Energieexpertin Kemfert rät von AKW-Reserve ab

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Eigentlich sollten bis zum Jahresende alle deutschen Atomkraftwerke vom Netz gehen.

(Foto: picture alliance / SVEN SIMON)

Zwei Atomkraftwerke will Wirtschaftsminister Habeck bis zum Frühjahr weiter einsatzbereit halten. Laut Energieökonomin Kemfert ist die deutsche Energieversorgung aber auch ohne AKWs gesichert. "Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis", kritisiert sie. Investitionen seien an anderer Stelle nötig.

Die Energieökonomin Claudia Kemfert hält das Vorhalten von zwei deutschen AKW in einer sogenannten Notreserve für unnötig. "Die Energieversorgung in Deutschland ist gesichert, auch ohne Atomkraft", sagte die Leiterin der Energieabteilung beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der "Rheinischen Post". Mögliche Versorgungsengpässe würden nicht durch das deutsche Netz, sondern vor allem durch marode Atomkraftwerke in Frankreich verursacht.

"Atomkraftwerke sind für die Netzreserve ungeeignet, da sie nicht mal eben an- und ausgeschaltet werden können", so Kemfert. Sie müssten sicherheitstechnisch überprüft werden, es müssten Personal und Brennelemente vorgehalten werden. "Dies ist aufwändig und teuer. Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis." Zur Sicherung der Versorgung seien laut Kemfert der Ausbau der erneuerbaren Energien, ein effektives Energie- und Lastmanagement, der Ausbau von Speicheroptionen und vor allem eine Ausweitung der Kapazitäten in Frankreich und anderen europäischen Ländern elementar.

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Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte am Montag auf der Grundlage einer Untersuchung zur Stabilität der Stromversorgung (Stresstest) vorgeschlagen, die zwei süddeutschen Kraftwerke für den Fall von Engpässen noch bis Mitte April einsatzbereit zu halten: Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim in Baden-Württemberg. Nach dem unter der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel beschlossenen Atomausstieg sollten eigentlich alle deutschen Atomkraftwerke zum Jahresende endgültig vom Netz gehen.

Habecks Nein zu einer generellen Laufzeitverlängerung für die drei verbliebenen Atomkraftwerke löste einen Koalitionskrach aus. Die FDP fordert einen längerfristigen Weiterbetrieb aller Kraftwerke, um die Strompreise zu drücken. Der Präsident des IFO-Instituts, Clemens Fuest, warnte vor einem deutschen Alleingang. Er sprach in der "Augsburger Allgemeinen" von einem problematischen Signal an die europäischen Partner. "Wir haben einen gemeinsamen Strommarkt und es gibt nicht nur ein nationales, sondern auch ein dringendes gesamteuropäisches Interesse daran, alle verfügbaren Kapazitäten zu nutzen."

Quelle: ntv.de, mbu/dpa

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