Politik

"In den kommenden Tagen" Erdogan kündigt Belagerung von Afrin an

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Türkische Truppen marschieren in Syrien ein - und wollen nun Afrin belagern.

(Foto: imago/Depo Photos)

Schon seit Wochen greift die Türkei wieder direkt in den Krieg in Syrien ein. Nun kündigt Präsident Erdogan den nächsten Schritt an: Die Belagerung der kurdischen Enklave Afrin. Ob Syriens Regime den dortigen Kurden zu Hilfe kommt, ist aber unklar.

Die Türkei hat sich entschlossen gezeigt, ihre Offensive in Nordsyrien gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bis in die Stadt Afrin zu tragen. Die türkische Armee werde "in den kommenden Tagen" mit der Belagerung des Stadtzentrums von Afrin beginnen, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara. "Auf diese Weise wird die Hilfe von außen blockiert und die Terrororganisation wird nicht mehr die Möglichkeit haben, mit jemandem einen Handel einzugehen."

Die türkische Armee geht seit Januar gegen die YPG in der Region Afrin vor, stößt dabei aber auf erbitterten Widerstand. Einen Monat nach Beginn der "Operation Olivenzweig" haben die türkische Armee und verbündete syrische Milizen laut Erdogan "300 Quadratkilometer" der Region Afrin erobert. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich auf ein Netz von Ärzten und Aktivisten vor Ort stützt, brachten die Streitkräfte jedoch erst 35 grenznahe Dörfer unter ihre Kontrolle.

Erdogan rechtfertigte das langsame Voranschreiten der Offensive damit, dass die Armee ihre Truppen nicht in Gefahr bringen wolle und große "Rücksicht auf Zivilisten" nehme. Es sei nicht das Ziel, "alles vor uns liegende zu verbrennen und zu zerstören", sagte der Präsident. "Wir sind dort, um ein sicheres Umfeld zu schaffen" für die Rückkehr von Flüchtlingen aus der Türkei.

Experten vermuten erhebliche militärische Schwierigkeiten der Türkei. Die Politologin Jana Jabbour sagte, es müsse auf beiden Seiten zwischen politischer Rhetorik und Propaganda und der Realität vor Ort unterschieden werden: Die Türken hätte Mühe, vorwärts zu kommen wegen der Kampfkraft und der Organisation der YPG, sagte die Professorin der Hochschule Sciences Po in Paris.

Nach Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle wurden bisher 240 protürkische Rebellen, knapp 200 kurdische Milizionäre und 94 Zivilisten getötet. Für Medien sind diese Angaben kaum zu überprüfen. Ankara weist Berichte über tote Zivilisten vehement zurück. Nach offiziellen Angaben sind bei den Gefechten bisher 32 türkische Soldaten zu Tode gekommen.

Kommen Regierungstruppen zu Hilfe?

Das Gebiet um Afrin wird von der Kurdenmiliz YPG kontrolliert. Die Türkei sieht in der Miliz den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie. Allerdings ist die YPG ein Verbündeter der USA im Kampf gegen Islamisten wie die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat. Die Offensive hat deshalb Spannungen zwischen Ankara und Washington ausgelöst.

Zuletzt hatten die Kurden das syrische Regime in Damaskus um Hilfe gegen die türkischen Truppen gebeten. Die Regierung von Baschar al-Assad soll bereits Einheiten in die Region verlegt haben - die YPG dementierte dies allerdings. Die Türkei warnte Syriens Regierung am Montag vor einer Hilfe für die Kurden.

Syriens Kurden werfen nun Russland vor, das Abkommen mit der syrischen Regierung über die Entsendung von Truppen zu verhindern. Die Verhandlungen mit der syrischen Regierung liefen seit einer Woche, sagte Sulaiman Dschafar, Mitglied im Lokalrat der Region Afrin. Die Russen hätten ihnen jedoch Steine in den Weg gelegt. "Wir haben die zuverlässige Information, dass Russland der Türkei grünes Licht gegeben hat, um alles in Afrin zu zerstören", erklärte Dschafar.

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Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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