Politik
Die SPD will im Bund nicht länger Juniorpartner der Unionsparteien sein.
Die SPD will im Bund nicht länger Juniorpartner der Unionsparteien sein.(Foto: AP)
Montag, 26. Juni 2017

Juso-Chefin Uekermann: "Es darf nicht wieder zur GroKo kommen"

13 Wochen vor der Bundestagswahl beschließt die SPD auf dem Sonderparteitag in Dortmund ihr Parteiprogramm. "Wir wollen viel verändern", kündigt die Juso-Vorsitzende Uekermann im Interview mit n-tv.de an. Sie zeigt sich von Kanzlerkandidat Schulz überzeugt - und vom Wahlsieg.

n-tv.de: Martin Schulzes Rede beim SPD-Bundesparteitag ging 80 Minuten. War das zu lang?

Johanna Uekermann: Nein, denn es gab keine Längen. Wir haben ein volles Programm und dementsprechend musste Schulz in seiner Rede weit ausholen. Das gilt nicht nur für das Thema Gerechtigkeit, sondern auch für die Europapolitik. Wir wollen viel verändern.

Welchen Eindruck haben Schulzes Worte bei Ihnen hinterlassen?

Ich habe die Rede als sehr gut und kämpferisch empfunden. Er hat klar herausgestellt, wofür die SPD steht und was uns von der Union abgrenzt. Wir sind die Partei, die auf Gerechtigkeit und Investitionen setzt. Wir wissen, wohin wir mit dieser Gesellschaft wollen.

Wohin soll es gehen?

Wir wollen, dass es gerechter zugeht. Wir wollen endlich auch Politik für junge Leute und Frauen machen. Es gibt noch immer zu viele befristete Arbeitsverträge. Bildungschancen hängen zu sehr vom Geldbeutel der Eltern ab. Vermögen ist ungerecht in der Gesellschaft verteilt. Das werden wir anpacken.

Reicht Schulzes Frauenpolitik aus?

Es ist wichtig, dass wir eine gleiche Bezahlung von Männern und Frauen durchsetzen. Das gilt auch für das Rückkehrrecht von Frauen in Vollzeitarbeit, das die Union blockiert hat. Das ist ein wichtiger Schritt zu echter Gleichstellung.

Auch Uekermann sprach in Dortmund zu den Delegierten.
Auch Uekermann sprach in Dortmund zu den Delegierten.(Foto: picture alliance / Kay Nietfeld/)

Steht das nicht im Gegensatz zur männlich dominierten SPD-Spitze?

Wir haben viele starke Frauen als Ministerinnen und Ministerpräsidentinnen. Ich fände es trotzdem schön, wenn wir an der Parteispitze demnächst wieder mehr Frauen hätten.

Können Sie sich einen Wechsel von den Jusos in die Bundes-SPD vorstellen?

(lacht) Momentan bin ich zufrieden als Juso-Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende in Bayern.

Schulz hat von einem "Anschlag auf die Demokratie" gesprochen. Waren das zu heftige Worte?

Nein, damit trifft er absolut den Ton. Wir haben eine Situation, in der die Wahl richtungsweisend ist. Viele Menschen merken, dass es nicht selbstverständlich ist, dass unsere Gesellschaft offener, besser und gerechter wird. Man muss darum kämpfen und die Demokratie gegen Angriffe von rechts und jene, die nur auf sich schauen, verteidigen. Und in dieser ernsten Situation versucht die Union ihre Macht durch die Demobilisierung von Wählern zu erhalten. Das kann man schon als Anschlag auf die Demokratie bezeichnen.

Hat Ihnen ein Thema in Schulzes Rede gefehlt?

Eigentlich nicht. Er kennt die Probleme junger Menschen. Dort hören wir als Jusos natürlich ganz besonders hin. Er will eine Kraftanstrengung vollbringen, um deren Lebenssituation zu verbessern.

Woher kennt Schulz die Probleme junger Menschen?

Er hat bei den Forderungen der Jusos genau zugehört. Und er ist sehr empathisch, das haben wir in vielen Gesprächen gemerkt , die er mit uns und anderen Jugendverbänden führt. Ich bin mir sicher, dass er für junge Leute die richtige Wahl ist.

In Wahlumfragen liegt die SPD derzeit bei 23 Prozent, CDU/CSU bei 39 Prozent. Warum sind Sie optimistisch, stärkste Kraft bei der Bundestagswahl zu werden?

Erstens bleibt genügend Zeit, um die Leute zu überzeugen. Zweitens haben wir das richtige Programm. Drittens haben wir unglaublich motivierte Mitglieder. 6000 Menschen sind nach Dortmund gekommen und die wollen kämpfen. Es wird die Wähler überzeugen, dass die SPD konkret ist und Verbesserungen anstrebt. Von der Union kommt einfach nix.

Die SPD steht geschlossen hinter ihren Kanzlerkandidaten. Warum sind die Umfragewerte trotzdem so niedrig?

Ich gebe nichts mehr auf Umfragewerte. Bei den letzten Wahlen haben wir gesehen, dass sie Schall und Rauch sind. Ich gehe davon aus, dass wir die Menschen mit unserem guten Programm überzeugen. Wenn die Werte dann nicht steigen, stimmt das Wahlergebnis hoffentlich trotzdem.

Was muss sich bis zur Wahl ändern?

Der Parteitag ist der Startschuss. Wir haben das Programm verabschiedet und können die Leute damit überzeugen. Es braucht jetzt alle Sozialdemokraten im ganzen Land, die an Türen klopfen und Infostände betreuen. Die Jusos werden eine Festivaltour machen und online sehr präsent sein.

Welche Regierungskoalitionen können Sie sich vorstellen?

Das schauen wir dann, wenn wir den Wahlsieg geholt haben. Für mich steht fest, dass es mit der Union keine Politik für junge Leute und keine sozialgerechte Politik geben wird. Daher darf es nicht wieder zu einer Großen Koalition kommen.

Mit welchem Gefühl verlassen Sie den Parteitag?

Mit einem sehr guten Gefühl. Wir haben als Jusos sehr viel durchgesetzt bei unserem Parteiprogramm und großen Zuspruch für unsere Forderungen erhalten. Auch heute konnten wir auf dem Parteitag Nachbesserungen beim Thema Bafög erreichen.

Was wäre der erste Schritt der SPD als regierende Partei?

Das kann nur Martin Schulz beantworten (lacht).

Mit Johanna Uekermann sprach Lisa Schwesig