Politik

Keine Entwarnung für NATO Estlands Verteidigungsminister sieht Russen kaum geschwächt

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"Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass die Gefahr durch Russland irgendwie geringer oder die Bedrohung für die NATO reduziert ist", sagte Pevkur.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Estland will seinen Wehretat in den kommenden Jahren kräftig aufstocken. Verteidigungsminister Pevkur rechnet damit, dass auch der Kreml weiter in seine militärischen Fähigkeiten investieren wird. Er warnt davor, das russische Militär nach den Niederlagen in der Ukraine zu unterschätzen.

Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur sieht Russland nach neun Monaten Krieg in der Ukraine nicht entscheidend geschwächt. "Wir müssen ehrlich und klar sein: Die russische Marine und die russische Luftwaffe sind mehr oder weniger so groß wie vor dem Krieg", sagte Pevkur bei einem Besuch in Berlin. Zwar hätten die russischen Landstreitkräfte deutlich an Kraft verloren, würden aber "eher früher als später" den Umfang von vor dem 24. Februar haben oder sogar größer sein.

Er erwarte zudem, dass Russland aus dem Kriegsverlauf lernen werde. "Das bedeutet, sie werden in den kommenden Jahren mehr in die Fähigkeiten investieren, die aus ihrer Perspektive in der Ukraine erfolgreich waren", sagte Pevkur. "Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass die Gefahr durch Russland irgendwie geringer oder die Bedrohung für die NATO reduziert ist."

Estland, ein eher kleines NATO-Land, will nach den Worten des Ministers im kommenden Jahr 2,84 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung ausgeben. Im Jahr 2024 soll der Betrag auf 3,2 Prozent steigen. Etwa 1 Prozent des eigenen Bruttoinlandsproduktes sei schon für die militärische Unterstützung der Ukraine gegen den russischen Angriff gegeben worden. "Wir müssen alle mehr tun", sagte Pevkur.

Pevkur: Russland will zunächst "Pause"

Die Ukraine teile dem Minister zufolge die Werte der Freiheit, einer regelbasierten Welt und der Menschenrechte. Besonders brauche sie derzeit Systeme der Flugabwehr sowie schwere Artillerie und Munition. Pevkur warnte vor "Kriegsmüdigkeit" westlicher Staaten. "Genau das will Russland erreichen, und darum sagen wir, dass sie es nicht eilig haben. Definitiv ist Russland bereit, länger zu leiden." Er gehe davon aus, dass Russland "von der Mentalität her zu einem langen Krieg bereit ist".

Allerdings wolle die Führung in Moskau angesichts schwerer Verluste bei den Landstreitkräften - womöglich inzwischen 50 Prozent - "eine Art Pause", um Kräfte neu zu sammeln. Erst im Frühling kommenden Jahres werde erkennbarer, wie lange der Krieg dauern könne. Pevkur: "Werden es Jahre? Schwer zu sagen."

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 27. November 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, lve/dpa

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