Politik

"Frage von Stunden oder Tagen" Ex-General: Militärisch ist die Sache bald gelaufen

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Die ukrainischen Streitkräfte seien keine "Hightech"-Armee, sagt Lothar Domröse, General außer Dienst.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Es ist ein ungleicher Konflikt: Zahlenmäßig ist das ukrainische Militär Russland weit unterlegen. Auch die Waffen halten dem Vergleich nicht stand. Experten sehen dies als Grund für ein baldiges Kriegsende. Sie geben den Streitkräften der Ukraine nicht mehr als ein paar Tage.

Der Ex-General und Ex-Berater von Angela Merkel, Erich Vad, geht davon aus, dass die militärische Operation in der Ukraine nicht mehr lange anhält. Seiner Meinung sei es "nur noch eine Frage von ein paar Tagen oder Stunden, bis die Sache militärisch erledigt ist", sagte er im Interview mit ntv.

Erich Vad ist ehemaliger General und Ex-Berater der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Erich Vad ist ehemaliger General und Ex-Berater der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

(Foto: ntv)

Davon geht auch Politikwissenschaftler Markus Kaim von der Stiftung für Wissenschaft und Politik im Gespräch mit ntv aus. "Es könnte jetzt zügig gehen, vor allem, wenn es gelingt, die politische Entscheidungsstruktur der Ukraine zu enthaupten, den Präsidenten zu verhaften und die Ukraine eine Art Kapitulation unterschreibt." Er rechnet damit, dass "das Ganze innerhalb von ein paar Tagen über die Bühne" gehe. Wenn die Bevölkerung sich allerdings wehren und es zu einer Art Guerillakrieg kommen würde, "dann würde das den Blutzoll der russischen Seite erhöhen", mahnte Kaim.

Als Grund für das zügig erwartete Ende der militärischen Auseinandersetzung sieht Ex-General Vad vor allem die militärische Unterlegenheit der Ukraine. "Die Situation der ukrainischen Streitkräfte ist besorgniserregend schlecht." Sie seien der russischen Armee nicht nur zahlenmäßig unterlegen, sondern haben auch weniger Hauptwaffensysteme. Vad betonte, dass die militärstrategische Ausgangslage des ganzen Konfliktes von Anfang an nicht so war, dass die Ukraine hätte verteidigt werden können.

"Europa findet in diesem Konflikt gar nicht statt"

Auch Lothar Domröse, General außer Dienst, betonte gegenüber ntv, dass die Ausrüstung der ukrainischen Armee sehr veraltet sei. Gewissermaßen "haben wir es mit einer Hightech-Force auf der russischen Seite und auf der ukrainischen Seite mit einer Gewehrarmee mit ein paar Panzern und Artilleriegeschützen zu tun." Das sei nicht zu gewinnen.

Ex-General Vad hält es für "militärisch unsinnig", zum jetzigen Zeitpunkt Waffen zu liefern. "Das hätte man eher machen müssen", so der Ex-General. Zum jetzigen Zeitpunkt würde es militärisch nichts mehr ändern. Allerdings seien die Möglichkeiten der Bundeswehr ohnehin beschränkt gewesen, da sie "selbst nur unzureichend ausgerüstet" sei. "Die Depots sind leer", sagte Vad. "Die Bundeswehr hat selber nicht genug Schutzwesten." Vor jedem Auslandseinsatz müsste sie Soldaten und militärisches Personal "zusammen klauben".

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Vad glaubt darüber hinaus nicht, dass die russische Regierung auch NATO-Gebiet angreifen wird. "Ich denke nicht, dass Putin das wagt." Trotzdem müsse der Westen Grenzen aufzeigen, damit "Putin durch das Beispiel mit der Ukraine nicht Appetit auf mehr bekommt". Deutschland könne sehr froh sein, Mitglied der NATO zu sein, sagte Vad. "Wir können auch froh sein, die Amerikaner im Bündnis zu haben." Die Europäer sollten ihre militärischen Fähigkeiten laut dem Ex-General allerdings weiter entwickeln. Er betonte: "Europa findet in diesem Konflikt gar nicht statt." Es gehe nur um die USA, Russland und China.

Eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine hält Vad in naher Zukunft nicht für möglich, vor allem, "weil die Russen mit der Besetzung des Donbass vollendete Tatsachen geschaffen haben". Die NATO werde keinen Staat mit innerstaatlichen Konflikten aufnehmen. "Das weiß Putin natürlich, das kalkuliert er ein."

Quelle: ntv.de, spl

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