Politik

Grünen-Geschäftsführer Kellner "FDP hat schlechtes Theaterstück aufgeführt"

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Grünen-Geschäftsführer Kellner kann nicht verstehen, warum die FDP die Verhandlungen verlassen hat.

(Foto: REUTERS)

Jamaika ist nicht mehr möglich. Damit hat die FDP die anderen Verhandlungspartner am Tisch überrascht. Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner wirft den Liberalen im Interview mit n-tv eine Flucht aus der Verhandlung vor.

n-tv: Was sagen Sie zu den geplatzten Gesprächen. Sie haben den Ausstieg der FDP miterlebt. Haben Sie damit gerechnet?

Michael Kellner: "Die FDP hat gestern ein schlecht inszeniertes Theaterstück aufgeführt und hat dann fluchtartig die Landesvertretung Baden-Württemberg verlassen - und zwar kurz bevor es möglicherweise zu einer Einigung gekommen wäre."

Was war denn am Ende ausschlaggebend? An welchem Punkt kam denn die FDP mit den anderen drei Parteien nicht überein?

"Ich glaube, die FDP hat einfach einen Ausstieg gesucht. Denn auch nach den Statements ist keine klare, politische Erklärung von Seiten der FDP zu hören, sondern ein Ausflüchten in Phrasen."

Man hatte den Eindruck, CSU und Grüne passten auch nicht besonders gut zusammen - und Sie hatten ja auch noch das Problem, Ihren Parteitag von einem möglichen Jamaika-Ergebnis überzeugen zu müssen. Das bleibt Ihnen nun erspart. Glauben Sie nicht, dass Ihre Basis auch froh darüber sein wird, dass es nicht klappt mit Union und FDP?

"Na klar, die Unterschiede zwischen den Parteien sind groß. Das hat man bei den Gesprächen auch gemerkt. Wer zum Beispiel meint, dass Umweltschutz von anderen Parteien vertreten wurde, der wurde in den Gesprächen eines besseren belehrt. Ich glaube, es ist niemand froh darüber. Denn die Situation, die entsteht, ist gravierend. Deswegen gibt es da kein Gefühl der Freude, sondern ich muss sagen, es ist wahnsinnig viel Arbeit in die Gespräche reingesteckt worden. Es war ein wahnsinniger Kraftakt, den wir alle abgeliefert haben. Es ist schade, dass ein Partner die Nerven verloren hat."

Es gibt jetzt noch drei Variationen, die zur Verfügung stehen. Möglicherweise Neuwahlen oder doch die Fortsetzung der Großen Koalition, falls sich die SPD nochmal anders besinnt. Und auch eine Minderheitsregierung zwischen Union und Grünen. Stünden Sie dafür zur Verfügung?

"Wissen Sie, der Ball liegt jetzt nicht bei uns. Wir haben jetzt viereinhalb Wochen sehr ernsthaft versucht zu einer Regierungsbildung zu kommen. Von grüner Seite haben wir sehr ernsthaft sondiert. Wir sind weit über unsere Schmerzpunkte hinausgegangen auf der Suche nach Kompromissen. Jetzt liegt der Ball beim Bundespräsidenten, er muss gemeinsam mit der stärksten Partei, der Union, entscheiden, wie es weitergeht."

Mit Michael Kellner sprach Christian Wilp.

Quelle: n-tv.de, sgu

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