Politik

Schwerste Luftangriffe seit 2011 Fassbomben zerstören Aleppos größte Klinik

Mindestens zwei Fassbomben treffen laut Hilfsorganisationen eine der größten und letzten funktionstüchtigen Kliniken im Ostteil von Aleppo. Die medizinische Versorgung von Zivilisten droht nach tagelangem Bombenhagel nun vollends zusammenzubrechen.

Bei Luftangriffen im Norden Syriens ist nach Angaben von Aktivisten und Ärzten eines der letzten Krankenhäuser in den Rebellengebieten der umkämpften Großstadt Aleppo bombardiert worden. Mindestens zwei Fassbomben hätten die größte Klinik im Nordosten der Stadt getroffen, berichtete ein Mediziner. Die Rettungshelfer der Weißhelme meldeten, das Krankenhaus sei nun völlig außer Betrieb.

Der Hilfsorganisation Syrisch-Amerikanische Medizinische Gesellschaft (Sams) zufolge handelt es sich um die größte von insgesamt acht Kliniken in Aleppos Rebellengebieten. Das Gebäude und ein anderes Krankenhaus im Osten der Stadt waren bereits am vergangenen Mittwoch bombardiert worden.

Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurde auch ein kleineres Feldlazarett im Stadtviertel Sachur bombardiert. Dabei sei mindestens ein Mensch getötet worden, erklärte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Auch dieses Lazarett musste seinen Betrieb einstellen. Zudem sollen in der Nacht 30 Menschen von regierungsnahen Truppen getötet worden sein, schreibt "The Independant" und beruft sich auf einen "Al Jazeera"-Bericht. Die Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle, die sich auf Informanten vor Ort beruft, sind von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Die Angriffe hatten für große Empörung gesorgt, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon stufte sie als Kriegsverbrechen ein. Kritiker werfen Syrien und Russland vor, absichtlich Krankenhäuser ins Visier zu nehmen. Beide Länder weisen den Vorwurf zurück und erklärten, sie kämpften in Syrien gegen Terroristen. Seit vergangenem Sonntag starben in Aleppo fast 340 Menschen, darunter 106 Kinder, wie das UN-Nothilfebüro OCHA mitteilte.

Assad treibt Aleppo-Offensive voran

Aleppo hatte in den vergangenen Tagen die heftigsten Bombardierungen der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 erlebt. Die strategisch und symbolisch wichtige Großstadt gehört zu den umkämpftesten Gebieten im syrischen Bürgerkrieg. Regimekräfte kontrollieren den Westen Aleppos, Rebellen den Osten. Dort sind bis zu 300.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Es mangelt in den Rebellengebieten akut an Nahrung, Wasser und medizinischem Material. Nach einem Angriff auf ein Wasserkraftwerk ist die Wasserversorgung größtenteils zusammengebrochen. OCHA zufolge sind im Osten Aleppos nur noch fünf Kliniken in Betrieb. Kinder mit geringen Überlebenschancen würden dem Tod überlassen, weil es an medizinischer Versorgung fehle, erklärte die Hilfsorganisation.

Die Stadt steht unter Dauerbeschuss, seitdem eine von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe nach nur einer Woche wieder zerbrochen war. Die syrischen Regierungstruppen starteten mit Unterstützung Russlands eine Offensive auf Aleppo, um die seit vier Jahren zwischen Regierung und Rebellen geteilte Großstadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Auch in der Nacht zum Samstag stand die Stadt wieder stundenlang unter heftigem Artilleriebeschuss. Im Stadtviertel Suleiman al-Halabi, das zwischen Regierung und Rebellen geteilt ist, und im Viertel Bustan al-Bascha sei die ganze Nacht über Gefechtslärm zu hören gewesen.

Quelle: ntv.de, lsc/AFP/dpa

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