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RTL/n-tv Trendbarometer Fast ein Drittel könnte FDP wählen

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Parteitag der Liberalen in Berlin: FDP-Chef Christian Lindner muss sich auch für den Rückzug aus der Regierungsverantwortung rechtfertigen.

dpa

Hat der Rückzug aus den Jamaika-Verhandlungen den Liberalen genutzt oder geschadet? Zum FDP-Parteitag liefert eine Forsa-Umfrage eine Momentaufnahme aus der Bevölkerung. Die Liberalen könnten demnach erhebliche Wählerpotenziale wecken.

Der Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen hat die öffentliche Wahrnehmung der FDP nachhaltig geprägt, wie das aktuelle RTL/n-tv-Trendbarometer bestätigt. Auch im Rückblick ein gutes halbes Jahr nach der von FDP-Chef Christian Lindner verkündeten Entscheidung zum Rückzug aus der möglichen Regierungsverantwortung bedauern demnach noch 43 Prozent der Bundesbürger, dass die FDP die Verhandlungen zur Bildung einer Jamaika-Koalition abbrach und dadurch eine Regierung aus CDU, CSU, Grünen und FDP verhinderte.

Das Bedauern ist dabei unter FDP-Anhängern genau so groß wie im Lager der Union-Wähler: Jeweils 59 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Forsa befragten Wählerinnen und Wähler sprechen in diesem Zusammenhang von einer Fehlentscheidung der FDP. Bei den Anhängern der Grünen halten sogar 63 Prozent die Weigerung der FDP für bedauerlich.

Rund die Hälfte der Befragten geht der Forsa-Erhebung zufolge zudem davon aus, dass die Entscheidung der FDP, sich nicht an einer Regierung auf Bundesebene zu beteiligen, der Partei bei zukünftigen Wahlen schaden dürfte. Diese Einschätzung unterscheide sich in den einzelnen Bevölkerungs- und Wählergruppen nur in Nuancen, fassen die Meinungsforscher die Datenlage zusammen. Ihre Auswertung stützt sich auf die Ergebnisse einer Befragung unter rund 1000 Bundesbürgern im wahlberechtigten Alter im Zeitraum vom 9. bis 11. Mai.

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Erkennbare Folgen hatte der Jamaika-Ausstieg der FDP demnach vor allem für die Umfragewerte der Liberalen selbst: Bei der sogenannten Sonntagsfrage (s.o.) geben derzeit nur noch etwa 8 Prozent der Befragten an, ihre Stimme der FDP geben zu wollen, falls am kommenden Sonntag erneut Bundestagswahl wäre. Im September 2017 lagen die Liberalen hier noch bei knapp 11 Prozent.

Die übrigen Parteien schneiden bei der Sonntagsfrage ähnlich ab wie in der Vorwoche. Lediglich die Grünen können nach ihrem auch bundesweit beachteten guten Abschneiden bei der Kommunalwahl in Schleswig-Holstein ihren Präferenzwert um zwei Prozentpunkte auf 13 Prozent verbessern. Der Wert für die SPD geht um einen Prozentpunkt auf 17 Prozent zurück.

Die Union liegt unverändert bei 34 Prozent, die AfD bei 13 Prozent. Die Linke kommt ebenfalls ohne Zugewinne oder Abstriche auf 10 Prozent. Der Anteil der Nichtwähler beziehungsweise Unentschlossenen beträgt 23 Prozent und entspricht damit in etwa dem Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl im September letzten Jahres.

Mit Blick auf die Liberalen verzeichnen die Meinungsforscher allerdings erhebliche Bewegungen im Hintergrund: Trotz des allgemeinen Bedauerns über die Weigerung der FDP, zusammen mit der Union und den Grünen eine neue Bundesregierung zu bilden, sei das liberale Wählerpotenzial, heißt es, im Vergleich zu 2005 und vor allem zu 1996 nicht geschrumpft, sondern im Gegenteil sogar noch gewachsen.

Mehr als 30 Prozent für die FDP?

"Rund ein Drittel der wahlberechtigten Bundesbürger (32 Prozent) kann sich 2018 vorstellen, die FDP bei einer kommenden Wahl zu wählen", heißt es in der aktuellen Auswertung des RTL/n-tv-Trendbarometers. Vor zwei Jahrzehnten lag der Anteil der potenziellen FDP-Wähler mit rund 18 Prozent noch deutlich niedriger. Zum Vergleich: Bei der zurückliegenden Bundestagswahl kam die FDP auf ein Ergebnis von 10,7 Prozent - was immerhin den Wiedereinzug in den Bundestag ermöglichte.

Großes Potenzial für künftige Wahlerfolge könnte die FDP demnach vor allem im Lager der Unionsanhänger haben. Unter SPD- und Grünen-Anhängern liegt der Anteil der Befragten, die sich vorstellen könnten, ihre Stimme der FDP zu geben, dagegen nur jeweils knapp über der 20-Prozent-Marke.

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Quelle: n-tv.de, mmo

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