Politik

"Wir haben ihn satt" Festnahmen bei Anti-Putin-Protesten

d9816dda43f1e57635fcb3cb7fd67fae.jpg

In St. Petersburg wurden bei den Protesten Dutzende Menschen festgenommen.

(Foto: REUTERS)

In mehreren russischen Städten protestieren Menschen gegen eine weitere Amtszeit von Präsident Putin. Während die Lage in Moskau ruhig bleibt, werden in St. Petersburg Dutzende Menschen festgenommen.

Hunderte Demonstranten haben in mehreren russischen Städten gegen Präsident Wladimir Putin protestiert. Unter dem Motto "Wir haben ihn satt" wandten sie sich gegen eine erneute Kandidatur des Staatschefs bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr.

f62aba1ea2af8fe496903d1964f09cff.jpg

In Moskau griff die Polizei dagegen nicht ein.

(Foto: AP)

Während die Proteste in der Hauptstadt Moskau ohne Zwischenfälle verliefen, wurden in St. Petersburg nach Angaben von Aktivisten Dutzende Demonstranten festgenommen. Einige der rund 200 Teilnehmer der Kundgebung wurden von der Bereitschaftspolizei auseinander getrieben, berichtete ein AFP-Reporter.

Zu den Protesten aufgerufen hatte die Bewegung Open Russia (Offenes Russland) des im Exil lebenden Kreml-Kritikers Michail Chodorkowski. Nach ihren Angaben wurden etwa 50 Demonstranten in St. Petersburg festgenommen. Die Polizei erklärte, sie habe die "Aktionen" von "100 Personen beendet, die die öffentliche Ordnung störten". Die Menschenrechtsgruppe OVD-Info sprach zunächst von rund 125 Festnahmen in St. Petersburg, später von mehr als 110 Festnahmen. In Tula, 200 Kilometer südlich von Moskau, wurden nach Angaben von OVD-Info zudem fast 20 Menschen festgenommen. 16 Menschen seien im sibirischen Keremowo festgenommen worden.

"Putin ist ein Usurpator", sagte ein Demonstrant. "Wir haben genug von ihm." In Russland sei alles schlecht, "die Bildung, das Gesundheitssystem - alles wurde zerstört", klagte eine Mitstreiterin. "Ich will Veränderungen."

"Unser Land entwickelt sich nicht weiter"

In Moskau versammelten sich etwa 200 Demonstranten vor der Präsidialverwaltung, um dort Petitionen gegen eine erneute Kandidatur Putins abzugeben. Der Präsident sei schon zu lange an der Macht, sagte der Organisator der Proteste, Jakow Jermakow. "Unser Land entwickelt sich nicht weiter." Die Polizei warnte die Demonstranten über Lautsprecher, dass die Protestaktion nicht genehmigt worden sei, griff aber nicht ein.

Putin hat sich noch nicht offiziell für die Wahl 2018 beworben, es wird aber damit gerechnet, dass er für eine weitere Amtszeit kandidieren wird.

Der ehemalige Oligarch Chodorkowski gilt als Erzfeind des russischen Präsidenten. Etwa zehn Jahre lang saß er wegen Betrugs im Gefängnis. Nach seiner Begnadigung und Entlassung aus der Haft 2013 ging er ins Ausland. Heute lebt Chodorkowski in mehreren westeuropäischen Staaten.

Quelle: ntv.de, mli/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.