Politik

Stärker betroffen als gedacht Fipronil-Eier in zwölf Bundesländern

In zwölf Bundesländern wurden mit einem Insektizid verseuchte Eier nachgewiesen. Deutschland sei stärker betroffen als angenommen, sagt Minister Schmidt. Eine akute Gefahr für die Gesundheit schließt er aus. Dafür stehen die Behörden in der Kritik.

Deutschland ist vom Skandal um Fipronil-belastete Eier nach den Worten von Bundesernährungsminister Christian Schmidt stärker betroffen als zunächst angenommen. Man gehe derzeit von zwölf betroffenen Bundesländern aus, sagte der CSU-Politiker in Berlin.

Eine "Schlüsselrolle" nehmen laut Schmidt Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ein, wo die in Deutschland mit dem Insektizid belasteten Eier ihren Ursprung hätten oder in Verkehr gebracht worden seien. Die Warenströme würden "mit Hochdruck" untersucht, auch für Produkte mit verarbeiteten Eiern. Man gehe derzeit davon aus, dass eine akute gesundheitliche Gefährdung praktisch ausgeschlossen sei, sagte der Minister. Die Lage sei "unter Kontrolle", es gebe aber "noch keine Entwarnung".

Die EU-Kommission beschwichtigte die Verbraucher. "Die Höfe sind identifiziert, die Eier geblockt, verseuchte Eier sind vom Markt genommen und die Situation ist unter Kontrolle", sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde. "Wir stehen im permanenten Kontakt mit unseren Kollegen in den Mitgliedstaaten, die mit der Sache befasst sind", so die Sprecherin. Eine weitere Sprecherin sicherte zu: "Sie können also unbeschadet Eier essen, hoffentlich."

Laut Bundeslandwirtschaftsministerium wurden mindestens drei Millionen kontaminierte Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert. Die zuständigen Behörden hätten die betroffenen Chargen zurückgerufen. Als betroffene Bundesländer listet das Portal www.lebensmittelwarnung.de Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein auf. Vorerst nicht betroffen waren laut Bundesministerium die vier Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und das Saarland.

Seinen Ursprung hat der Skandal laut Minister Schmidt in Belgien. Dort sei offenbar das für die Nutztierhaltung zugelassene rein pflanzliche Desinfektionsmittel Dega-16 mit dem für die Nutztierhaltung verbotenen Insektizid Fipronil "gepanscht" worden. Über eine niederländische Firma wurde das Mittel weiter verbreitet. Belastete Eier aus den Niederlanden gelangten dann in Deutschland in den Handel, wo die betroffenen Chargen bereits entfernt wurden. Aber auch fünf niedersächsische Halter von Legehennen stehen unter Verdacht, Ställe mit dem gepanschtem Dega-16 desinfiziert zu haben. Dort sind nach Angaben des Landesagrarministeriums nunmehr vier Betriebe gesperrt, in denen sich ein Verdacht bestätigt habe.

Kritik an Behörden

Derweil nimmt die Kritik an den Behörden zu. Verbraucherschützer klagten über ein Versagen der Kriseninformation. Niederländische Züchter sprachen von "Panikmache". Unklar ist, ob auch Lebensmittel belastet sein können, in denen Eiern verarbeitet wurden. Die niederländischen Behörden kontrollieren bereits Produkte wie Pasta oder Kuchen.

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer von den Grünen betonte: "Bei diesem toxischen Stoff gilt die Nulltoleranz. Er hat in Lebensmitteln nichts zu suchen." Eine rückhaltlose Aufklärung forderte Martin Rücker von der Verbraucherorganisation Foodwatch. "Behörden und Unternehmen müssen jetzt nachverfolgen und unverzüglich öffentlich machen, welche Eier betroffen sind und vor allem auch, in welchen Lebensmitteln belastete Eier verarbeitet wurden."

Verbraucherschützer beklagten, dass Kunden in dieser Krise nicht gut informiert würden. "Neben einer zentralen Risikobewertung durch das Bundesinstitut für Risikobewertung brauchen wir zukünftig konkrete Verhaltensempfehlungen im Sinne einer Krisenkommunikation - und zwar bundesweit einheitlich", sagte Jutta Jaksche vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung besteht für Erwachsene keine Gesundheitsgefahr. Für Kinder sei ein eingeschränktes Gesundheitsrisiko nicht auszuschließen.

Händler nehmen Produkte aus den Regalen

Aldi Nord, Aldi Süd und Lidl nahmen die Eier von Höfen unter Fipronil-Verdacht aus den Regalen. Edeka sieht dazu keine Veranlassung, bislang würden keine Nachweise von Fipronil bei Edeka vorliegen, sagte ein Sprecher. Einen Verkaufsstopp für alle niederländischen Eier verhängten Rewe und Penny.

Der Verband der niederländischen Geflügelzüchter kritisierte den radikalen Schritt. "Alle niederländischen Eier, die nun in den Handel kommen, sind garantiert frei von Fipronil", sagte der Vorsitzende des Verbandes, Eric Hubers. Zu den Warnungen der Behörden im eigenen Land sagte er. "Das ist Panikmache, denn man weiß, dass es keine Risiken gibt."

In den Niederlanden bleiben noch 138 Geflügelbetriebe gesperrt. Bei Kontrollen seien Spuren von Fipronil in den Eiern festgestellt worden, teilte die Kontrollbehörde NVWA in Utrecht mit. Die übrigen der zuvor insgesamt 180 betroffenen Betriebe seien frei gegeben worden. Inzwischen seien alle belasteten Eier aus den Supermärkten entfernt worden, sagte Behörden-Sprecher Benno Bruggink. "Es sind keine niederländischen Eier mit Fipronil mehr im Handel."

Die Züchter erwarten trotzdem große Einkommensverluste durch die Affäre. In den Niederlanden werden jährlich zehn Milliarden Eier produziert. 60 bis 70 Prozent davon sind für den Export bestimmt. Zu den Ermittlungen gegen das flämische Unternehmen, das als Verursacher verdächtigt wird, machte die Staatsanwaltschaft in Antwerpen keinerlei Angaben.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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