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Bei einer Demonstration in Sydney verlangen die Menschen die sofortige Schließung des "Todeslagers".
Bei einer Demonstration in Sydney verlangen die Menschen die sofortige Schließung des "Todeslagers".(Foto: picture alliance/dpa)
Donnerstag, 11. Oktober 2018

Camp ist schlimmer als Gefängnis: Flüchtlinge auf Nauru wollen lieber sterben

Das australische Flüchtlingslager auf Nauru steht schon lange wegen seiner schlechten Zustände in der Kritik. Eine Hilfsorganisation warnt nun vor der verheerenden Lage der Kinder: In ihrer tiefen Verzweiflung haben offenbar viele ihren Lebenswillen verloren.

Asylsuchende, die zwangsweise auf der Pazifikinsel Nauru untergebracht wurden, sind nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen selbstmordgefährdet und "am Boden zerstört". Es habe nichts "Menschliches, Leute vom Meer zu retten, nur um sie in ein Freiluftgefängnis zu stecken", sagten Vertreter der Hilfsorganisation über das von Australien betriebene Migrantencamp in Sydney. Die Lage sei "verheerend".

Asylsuchende, die in Australien per Boot ankommen, werden seit 2013 auf die Inselrepublik Nauru sowie die zu Papua Neuguinea gehörende Insel Manus geschickt. Nauru liegt im Pazifischen Ozean rund 3000 Kilometer nordöstlich Australiens und hat etwa 13.000 Einwohner. Dort leben derzeit etwa 900 Flüchtende, darunter 120 Kinder. Die USA hatten die Aufnahme von 1200 Flüchtlingen von beiden Inseln versprochen, bisher konnten aber lediglich 450 Menschen übersiedeln.

In der vergangenen Woche hatte die Regierung auf Nauru Ärzte ohne Grenzen (MSF) überraschend aufgefordert, die Insel innerhalb weniger Tage zu verlassen. Die Organisation hatte Flüchtlinge und die Bevölkerung seit November 2017 medizinisch versorgt. Der Entscheidung der Inselregierung waren Berichte vorausgegangen, wonach laut Helfern gerade Flüchtlingskinder unter lebensbedrohlichen psychischen Problemen litten.

"Fünf Jahre in einer unbestimmten Vorhölle haben zu einer radikalen Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit und ihres Wohlbefindens geführt", sagte der Direktor von Ärzte ohne Grenzen Australien, Paul McPhun, über die Lage der Asylsuchenden. Die Politik der australischen Regierung "zerstört ihre Widerstandsfähigkeit, nimmt ihnen alle Hoffnung und beeinträchtigt ihre psychische Gesundheit".

"Viele haben Lebenswillen verloren"

"Familien zu trennen und Männer, Frauen und Kinder auf einer abgelegenen Insel ohne Hoffnung oder Schutz, außer in medizinischen Notfällen, festzuhalten, ist grausam, unmenschlich und erniedrigend." Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen seien insbesondere über die vielen Kinder in schlechtem Zustand schockiert gewesen, die "nicht mehr essen, trinken oder auf die Toilette gehen konnten", sagte Beth O'Connor, eine Psychiaterin.

"Sie sprechen nicht mal mehr mit ihren Familien. Die Eltern müssen die Kinder manchmal ins Krankenhaus bringen, damit sie über Nadeln künstlich ernährt werden", sagte Natalia Hverta Perez, ebenfalls Psychiaterin. "Unsere Patienten beschreiben die Situation oft als weitaus schlimmer als im Gefängnis zu sein, denn im Gefängnis weiß man zumindest, wann man rauskommt", berichtete O'Connor.

Ärzte ohne Grenzen hätten 78 Flüchtlinge behandelt, die versucht hatten, sich selbst zu töten, über Selbstmord nachdächten oder sich selbst verletzten. Sie sprachen von einer "tiefen Verzweiflung", in der die Patienten lebten, in dem "viele ihren Lebenswillen verloren" hätten. "Neunjährige Kinder haben Vertretern von MSF gesagt, sie würden lieber sterben, als in der Hoffnungslosigkeit auf Nauru zu leben."

MSF erklärte, alle Helfer hätten Nauru bereits verlassen und die Menschen in einem verzweifelten Zustand zurücklassen müssen. Die australische Regierung hatte am Montag mitgeteilt, sie werde nicht einspringen, um die bisher von MSF geleistete Arbeit weiterzuführen. Stattdessen arbeite sie weiterhin mit der Organisation International Health and Medical Services (IHMS), sagte Gesundheitsminister Greg Hunt dem Radiosender ABC. Aktivisten kritisieren allerdings, dass diese von der Regierung finanziell unterstützte Organisation nicht in der Lage sei, die Probleme der Asylbewerber anzugehen.

Quelle: n-tv.de