Politik

Flugabwehr besonders im FokusBericht: Iran-Krieg könnte US-Militär länger schwächen

19.03.2026, 21:51 Uhr
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Mit diesem Gerät werden sogenannte THAAD-Abfangraketen abgefeuert. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Mittlerweile greifen die USA den Iran aus kürzerer Distanz an als noch zu Beginn des Krieges. Um die Lufthoheit zu erlangen, wurde jedoch eine ganze Menge teures Kriegsgerät verfeuert. Einem Bericht zufolge könnte sich das über Jahre hinweg bemerkbar machen.

Durch die Gewinnung der Lufthoheit im Iran-Krieg könnten die USA ihre militärischen Kapazitäten bis auf Weiteres merklich geschwächt haben. Die Zeitschrift "Economist" berichtet über Analysen, wonach das US-Militär in den ersten vier Kriegstagen gegen den Iran wahrscheinlich etwas mehr als 5000 Sprengkörper verschiedener Art einsetzte, in den ersten 16 Tagen seien es etwa 11.000 gewesen. Laut Payne Institute of Public Policy wäre "Epic Fury" damit die "intensivste Luftkampagne zu Kriegsbeginn in der modernen Geschichte" und würde die ersten drei Tage der Nato-Bombardements in Libyen im Jahr 2011 in den Schatten stellen.

Sobald amerikanische und israelische Flugzeuge durch die Zerstörung der iranischen Luftabwehr die Kontrolle über den iranischen Luftraum erlangt hatten, konnten sie dem Bericht zufolge dicht an ihre Ziele heranfliegen und Kurzstreckenwaffen einsetzen, die kostengünstig und reichlich vorhanden sind. Das Problem liege aber darin, was das US-Militär vor Erlangung der Lufthoheit verbrauchte.

In den ersten sechs Tagen des Krieges, als amerikanische Flugzeuge Abstand halten mussten, wurden nach Schätzungen des CSIS, eines Thinktanks in Washington, über 1000 knappe und teure Distanzwaffen abgefeuert. Hunderte weitere Mittelstreckenraketen sowie Antiradarraketen sollen ebenfalls zum Einsatz gekommen sein. Die Bestände all dieser Waffen sind dem Bericht zufolge weitaus geringer als die der Kurzstreckenwaffen, auch wenn die genauen Zahlen geheim seien.

Ein noch größeres Problem betrifft laut "Economist" die Flugabwehr. Die ersten Salven ballistischer Raketen und Drohnen aus dem Iran hätten einen erheblichen Teil der amerikanischen und verbündeten Abfangraketen aufgebraucht. Schätzungen zufolge haben die USA in der ersten Kriegswoche rund 140 Patriot PAC-3 MSE-Abfangraketen und mehr als 150 THAAD-Abfangraketen abgefeuert. Die Vorräte waren bereits knapp. Berichten zufolge hatten die USA im vergangenen Jahr ein Viertel ihres THAAD-Bestands abgefeuert, um Israel gegen iranische Angriffe zu verteidigen. "Wir haben genug Patriot-Raketen, um weiterzumachen", zitiert die Zeitschrift Mark Cancian vom CSIS. "Aber jede, die wir abfeuern, ist eine weniger, die wir für die Ukraine oder den westlichen Pazifik einsetzen können."

Laut Experten wird es Jahre dauern, all diese Bestände wieder aufzufüllen. Die Kosten für den Ersatz der Munition der ersten vier Kriegstage belaufen sich Schätzungen zufolge auf 20 Milliarden bis 26 Milliarden Dollar. Das Problem liege jedoch eher in der Knappheit als in den Kosten. Die Analysten gehen davon aus, dass die USA in den ersten Kriegstagen mehr als 300 Tomahawk-Marschflugkörper eingesetzt haben, das Pentagon habe für das laufende Haushaltsjahr jedoch lediglich den Kauf von 57 neuen Exemplaren geplant. Seit 2023 gab es demnach keine Lieferungen von THAAD-Abfangraketen mehr und das Pentagon habe in diesem Jahr keine neuen Bestellungen aufgegeben. Für 2027 sei die Lieferung von "nur" 39 Abfangraketen vorgesehen.

Das Pentagon hat dem Bericht zufolge Pläne, die Beschaffung durch große, mehrjährige Verträge zu beschleunigen. Es wolle beispielsweise die Produktion von Tomahawks von 60 auf 1000 pro Jahr und die von PAC-3-MSEs von 600 auf 2000 steigern. Doch der US-Kongress habe einer Finanzierung hierfür noch nicht zugestimmt und die Lieferketten für Munition seien undurchsichtig und verstopft. Als Beispiel werden in Raketen verwendete Antriebe genannt: Einige Materialien, wie beispielsweise Treibstoff, sind nur bei einem oder zwei Unternehmen erhältlich, oft erst nach langer Wartezeit. Andere Komponenten enthielten kritische Mineralien, die von China kontrolliert werden. "Der Kongress kann über Nacht 26 Milliarden Dollar bewilligen", zitiert die Zeitschrift die Analysten des Payne Institute of Public Policy. Er könne aber "Gallium, Neodym oder Ammoniumperchlorat nicht einfach aus dem Nichts bewilligen".

Quelle: ntv.de, dsc

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