Politik

U-Boot-Streit eskaliert Frankreich ruft Botschafter aus USA und Australien zurück

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Der entgangene U-Boot-Deal bedeutet für die Franzosen den Verlust eines 56-Milliarden-Euro-Geschäfts.

(Foto: picture alliance/dpa/Navy Office of Information/AP | Petty Officer 1st Class Michael)

Die USA und Großbritannien wollen Australien beim Bau von U-Booten mit Nuklearantrieb unterstützen. Frankreich entgeht dadurch ein milliardenschwerer U-Boot-Deal. Das Land ist brüskiert und ruft seine Botschafter aus den USA und Australien zurück.

Frankreich hat im Streit um ein neues Indopazifik-Sicherheitsbündnis seine Botschafter aus den USA und Australien zu Konsultationen zurückgerufen. Außenminister Jean-Yves Le Drian begründete die "außergewöhnliche Entscheidung" in einer Mitteilung damit, dass die Ankündigungen Washingtons und Canberras "außerordentlich ernst" seien. Der Schritt geschehe auf Wunsch von Präsident Emmanuel Macron, teilte er mit. Wegen des neuen Sicherheitsbündnisses hatte Australien überraschend den seit Jahren verhandelten Kauf französischer U-Boote aufgekündigt.

Mit ihrem neuen Sicherheitspakt im Indopazifik hatten die USA, Großbritannien und Australien erst vor wenigen Tagen ein deutliches Signal an China gesendet, aber auch Verbündete vor den Kopf gestoßen. Der Plan sieht unter anderem vor, Australien beim Bau von U-Booten mit Nuklearantrieb zu unterstützen. China, das wegen seines zunehmenden Machtanspruchs in der Region selbst in der internationalen Kritik steht, sieht sich durch das Dreierbündnis provoziert.

Frankreich schäumte vor Wut, denn ein eigener milliardenschwerer U-Boot-Deal mit Australien ist dadurch wohl geplatzt. Der neue Pakt bedeutet für die Franzosen den Verlust einer 56-Milliarden-Euro-Vereinbarung. Australien hatte 2016 einen milliardenschweren Vertrag mit Frankreich zum Bau von zwölf neuen U-Booten unterschrieben. "Ich bin wütend. So etwas macht man nicht unter Verbündeten", polterte Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian nach der Verkündung des Sicherheitspakts mit seinen Implikationen. Er sprach von einer "einseitigen, brutalen und unvorhersehbaren Entscheidung". Sie erinnere stark an das Auftreten des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Die Vertrauensbeziehung mit Australien sei betrogen worden.

Nach dem Zurückbeordern der Botschafter haben die USA inzwischen reagiert. Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der US-Regierung, Emily Horne, erklärte, man habe mit den französischen Partnern in engem Austausch gestanden über den Entschluss, den Botschafter zu Konsultationen nach Paris zurückzurufen. "Wir verstehen ihre Position und werden uns in den kommenden Tagen weiter dafür einsetzen, unsere Differenzen beizulegen - so wie wir es zu anderen Zeiten im Laufe unserer langen Allianz getan haben." Frankreich sei der älteste Verbündete der Vereinigten Staaten und einer ihrer stärksten Partner.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa/AFP

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