Politik

Lehrer auf Straße enthauptet Frankreich steht unter Schock

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Am Ort des Attentats halten Teilnehmer einer Kundgebung Schilder mit der Aufschrift "Ich bin Lehrer" in den Händen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Beim Attentat auf einen Lehrer auf offener Straße geht die Pariser Polizei von islamistischem Terror aus. Sie hat mittlerweile neun Tatverdächtige festgenommen. Seit Jahren wird Frankreich von derartigen Anschlägen erschüttert. Dieser trifft das Herz der Republik: die Bildung.

Nach der mutmaßlich terroristisch motivierten Ermordung eines Lehrers in einem Pariser Vorort herrscht in Frankreich riesiges Entsetzen. Er ist ersten Erkenntnissen nach enthauptet worden. Die Polizei nahm aus dem Umkreis des mutmaßlichen Täters mehrere Menschen fest, wie die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft bestätigte. Insgesamt befinden sich neun Menschen in Polizeigewahrsam. Berichten nach soll es sich um Angehörige des mutmaßlichen Täters sowie andere Personen handeln.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde der mutmaßliche Täter 2002 in Moskau geboren und ist russischer und tschetschenischer Herkunft. Er habe seit dem Frühjahr einen Flüchtlingsstatus in Frankreich und sei bisher geheimdienstlich nicht aufgefallen, sagte Staatsanwalt Jean-François Ricard. Demnach wurde er von der Polizei kurz nach der Tat erschossen. Der Mann war mit einem Messer und einer Softair-Pistole bewaffnet - in der Nähe des Tatorts fand die Polizei außerdem ein rund 30 Zentimeter langes blutverschmiertes Messer. Das Opfer, ein 47-jähriger Geschichtslehrer, hatte zahlreiche Wunden am Oberkörper und Kopf und wurde enthauptet aufgefunden, wie Ricard sagte. Er sei gerade auf dem Weg nach Hause von der Schule gewesen. Der Täter habe ihm aufgelauert.

Lehrer wurde bedroht

Der Staatsanwalt führte aus, dass dem Angriff bereits Drohungen gegen den Lehrer und die Schule vorausgegangen waren. Der Lehrer hatte Anfang Oktober im Rahmen der Debatte über Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen der Satirezeitung "Charlie Hebdo" im Unterricht entsprechende Zeichnungen gezeigt. Daraufhin veröffentlichte ein Vater Posts in sozialen Netzwerken, beschwerte sich bei der Schulleitung und machte gegen den Lehrer mobil.

Der mutmaßliche Täter postete nach der Tat ein Foto des gestorbenen Opfers im Netz. "Ich habe einen Ihrer Höllenhunde hingerichtet, der es gewagt hat, Mohammed herabzusetzen", zitierte der Staatsanwalt aus dem Tweet. Die Ermittler gehen von einem terroristisch motiviertem Angriff aus. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte von einem islamistischen Terrorakt gesprochen.

Die grausame Tat hatte sich am Freitagnachmittag im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine ereignet. Dort soll der Geschichtslehrer auf offener Straße von dem Angreifer attackiert worden sein. Präsident Emmanuel Macron hatte sich noch am Abend zum Tatort aufgemacht sich sehr deutlich hinter die Lehrkräfte gestellt. Es sei kein Zufall, dass ein Terrorist ausgerechnet einen Lehrer ermordet habe, weil er das Land in seinen Werten habe angreifen wollen, sagte der Staatschef. Aus Élysée-Kreisen hieß es, dass eine nationale Gedenkfeier geplant sei. Das Datum stehe allerdings noch nicht fest.

Bildung im Kampf gegen Islamismus

"Mein erstes Gefühl ist zunächst einmal Angst, aber ich glaube, es ist genau das, wonach diese Terroristen suchen", sagte die Beigeordnete Ministerin im Innenministerium, Marlène Schiappa, dem Sender Franceinfo. "Die Schule bildet den freien Geist, aufgeklärte Bürger - und genau das ist es, was die Islamisten, die von Dummheit, Unwissenheit, Indoktrination und Hass leben, nicht tolerieren können."

Im Kampf gegen radikalen Islamismus hatte der Staatschef zuletzt vor allem auf die Bildung als zentrales Element gesetzt. Der Fernunterricht von Kindern, die zu Hause bleiben, solle vom kommenden Sommer an strikt eingegrenzt werden, kündigte Macron Anfang Oktober an. Ausnahmen solle es nur noch aus Gesundheitsgründen geben. Unterricht sei vom Alter von drei Jahren an verpflichtend.

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Erst vor wenigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris eine Messerattacke gegeben. Dabei wurden zwei Menschen verletzt - auch hier hat der Täter veröffentlichte Mohammed-Karikaturen als Motiv für die Tat angegeben. Auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" hatte es im Januar 2015 einen verheerenden Mordanschlag gegeben, bei dem die wichtigsten Zeichner des Blattes getötet wurden. Aktuell läuft in Paris der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der islamistischen Terrorserie im Januar 2015, bei der insgesamt 17 Menschen getötet wurden.

Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert - dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Frankreichs Regierung hat den Kampf gegen den Terror zu einer Priorität gemacht und warnt immer wieder, dass die Gefahr von Terrorangriffen sehr hoch sei.

Quelle: ntv.de, chf/dpa