Bleiben die größten Probleme?Fratzscher fehlen bei Rentenvorschlägen "Mut und Konsequenz"

Mit Spannung werden die Vorschläge der Rentenkommission erwartet, die kommende Woche präsentiert werden. Erste Details enttäuschen jedoch den Ökonomen Marcel Fratzscher. Der DIW-Chef sieht zwar "kluge Elemente", ihm fehlt aber die Konsequenz.
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält die Vorschläge der Rentenkommission für unzureichend. "Die Reformvorschläge der Rentenkommission gehen in die richtige Richtung, bleiben jedoch insgesamt zu vorsichtig", sagte der Ökonom der "Rheinischen Post". "Den Reformvorschlägen fehlen Mut und Konsequenz, denn sie ändern auf absehbare Zeit nichts Grundlegendes an den drei größten Problemen: der hohen Altersarmut, der zu starken Belastung der jungen Generation und der Schieflage bei der Gerechtigkeit."
Fratzscher sieht "viele kluge und richtige Elemente", etwa die Erhöhung des Renteneintrittsalters, die Einführung einer kapitalgedeckten Rente und eine Reduzierung von Frühverrentungen. Es fehle der Kommission dabei aber der Mut, notwendige Veränderungen konsequent und zügig umzusetzen. Zudem würden die Vorschläge "nichts Grundlegendes an der hohen und wohl weiter steigenden Altersarmut ändern".
Die zentralen Vorschläge der Rentenkommission waren am Samstagabend bekanntgeworden, offiziell vorgestellt werden sollen sie am Dienstag. Das Rentenalter soll nach Informationen aus der Kommission künftig mit der Lebenserwartung steigen. Ein Teil der Rentenbeiträge soll künftig am Aktienmarkt angelegt werden. Wegfallen sollen den Empfehlungen zufolge der frühere Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren, bekannt als "Rente mit 63".
Fratzscher setzt nun auf die Politik. "Die Rentenkommission macht lediglich Vorschläge, die Politik muss die Entscheidungen treffen. Die Vorschläge sollten nachgebessert werden, um vor allem die Grundrente zu stärken und armutsfester zu machen, große Einkommen und Vermögen im Alter stärker zu berücksichtigen und die Finanzierung auf nachhaltigere Füße zu stellen", forderte der DIW-Chef.
Scharfe Kritik von der Linken
Scharfe Kritik kam von der Linken. Die rentenpolitische Sprecherin der Partei, Sarah Vollath, sagte der "Rheinischen Post", die Vorschläge seien "nichts anderes als massive Rentenkürzungen, bei denen die Union laut in die Hände klatscht". Diese Kürzungen würden vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen hart treffen, die Tag für Tag unseren Wohlstand erarbeiten. "Schon heute schaffen es viele Menschen nicht, bis 67 zu arbeiten. Jetzt will die Rentenkommission das Arbeitsleben noch weiter verlängern." Das sei ein absolutes Unding und völlig realitätsfern.
Positiv nahm der CDU-Arbeitnehmerflügel (CDA) die Vorschläge der Rentenkommission auf. Dessen Vorsitzender Dennis Radtke sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Das wichtigste Signal ist: Es ist ein einstimmiges Votum." Damit habe man "eine starke Grundlage für die notwendige Reform." Zu Einzelheiten der Reform wollte sich Radtke noch nicht äußern: "Ich bin sehr auf die Details am Dienstag gespannt."