Politik

Kanzleramtschef im FrühstartFrei zu Attestpflicht ab erstem Tag: "Das ist nicht zu viel verlangt"

03.07.2026, 11:41 Uhr
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Die Bundesregierung plant, dass sich Arbeitnehmer künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag mit einem ärztlichen Attest krankmelden müssen. Die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung soll wegfallen. Kanzleramtschef Thorsten Frei verteidigt die Pläne - und weist den Vorwurf zurück, damit neue Bürokratie zu schaffen.

Kanzleramtsminister Thorsten Frei hat die geplante Rückkehr zur Pflicht, bereits am ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorzulegen, gegen Kritik verteidigt. Im Frühstart bei ntv verwies er auf deutlich gestiegene Fehlzeiten und sprach sich dafür aus, Krankmeldungen wieder konsequent ärztlich bescheinigen zu lassen. "Uns geht es darum, dass diejenigen, die krank sind, das vom Arzt auch testiert haben. Ich glaube, das ist nicht zu viel verlangt", sagte der CDU-Politiker.

Den Vorwurf, die Regelung stehe im Widerspruch zum Ziel des Bürokratieabbaus, wies der CDU-Politiker zurück. Man kehre lediglich zu den Verhältnissen vor der Corona-Pandemie zurück. Für die Umsetzung werde eine "unbürokratische Lösung" gefunden.

Warnungen von Hausärzten vor überfüllten Praxen ließ Frei nicht gelten. Mit einer solchen Situation seien die Arztpraxen in der Vergangenheit "sehr gut zurechtgekommen". Sollten sich dennoch Probleme ergeben, bestehe "immer auch die Chance zur Nachsteuerung".

"Ich unterstelle gar nichts"

Zugleich verwies Frei auf die Entwicklung der Krankmeldungen in Deutschland. Er gehe zwar grundsätzlich davon aus, "dass jeder, der nicht zur Arbeit kommt, auch krank ist". Allerdings sei die Zahl der Krankheitstage hierzulande etwa doppelt so hoch wie in Frankreich und in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Auf die Frage, wie viele Beschäftigte aus seiner Sicht unberechtigt fehlten, wollte sich Frei nicht festlegen. "Darüber will ich nicht spekulieren." Auffällig sei jedoch, dass es insbesondere zu Wochenbeginn und vor dem Wochenende besonders viele Krankmeldungen gebe. "Das kann man, meine ich, nicht medizinisch erklären", so der CDU-Politiker.

Den Vorwurf, er unterstelle den Beschäftigten Blaumachen, wies er zurück: "Ich unterstelle gar nichts, sondern ich schaue mir nur die Zahlen an, die da sind."

Wie die Regelung konkret aussehen soll, ließ Frei offen. SPD-Chef Lars Klingbeil hatte im Interview mit RTL/ntv gesagt, niemand, der krank sei, müsse wirklich zum Arzt gehen. Bundeskanzler Friedrich Merz verwies darauf, dass Regelungen in Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen und Arbeitsverträgen weiter Bestand hätten. Auch Frei kündigte eine "pragmatische Lösung" an. Man werde "den Tarifpartnern und damit eben auch den Unternehmen vor Ort viele Spielräume lassen".

Das übergeordnete Ziel der Krankmeldereform sei die Steigerung der Arbeitsleistung: "Tatsächlich ist es so, dass wir das Arbeitsvolumen auch erhöhen müssen. Das ist eines von vielen Mitteln, die wir dazu ergreifen", so Frei.

Quelle: ntv.de, cha

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