Politik

Trotz Nato-Vermittlung Fronten im Streit um Erdgas verhärtet

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Das türkische Forschungsschiff Oruc Reis im Einsatz im Mittelmeer.

(Foto: AP)

Eine Beilegung des Seestreits zwischen Griechenland und der Türkei ist nicht in Sicht. Trotz Initiative der Nato werfen sich die Länder gegenseitig Lügen und Drohungen vor. Ein Land, das ebenfalls Anspruch auf die Seegebiete erhebt, steht dazwischen.

Der Streit zwischen Ankara und Athen um Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer bleibt trotz Vermittlungsversuchen der Nato hitzig. Griechenlands Regierungschef Kyriakos Mitsotakis forderte die Türkei auf, "Drohungen" gegen sein Land zu unterlassen, "damit die Kontakte beginnen können". Außerdem kündigte er an, dass der griechische Außenminister Nikos Dendias im Laufe des Tages die Vereinten Nationen über die "illegalen Aktivitäten" der Türkei im Mittelmeer informieren werde.

Ankara wiederum warf der griechischen Seite mit Blick auf eine Beilegung des Seestreits vor, Gespräche vermeiden zu wollen und zu "lügen". "Griechenland hat einmal mehr gezeigt, dass es nicht zum Dialog bereit ist", sagte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu vor Journalisten in Ankara.

Die Nato hatte am Donnerstag verkündet, dass die Türkei und Griechenland zur Aufnahme von "technischen Gesprächen" bereit seien. Diese sollten "Mechanismen für eine militärische Konfliktvermeidung" schaffen, erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Damit solle das "Risiko von Zwischenfällen und Unfällen im östlichen Mittelmeer" verringert werden. Die türkische Regierung betonte, sie unterstütze die Initiative Stoltenbergs. Die Türkei erwarte, dass auch Griechenland dies tue, erklärte das Außenministerium in Ankara.

Athen dementiert Nato-Ankündigung

Athen dementierte hingegen die Ankündigung der Nato wenig später. Griechenland wolle zwar an der Absicht festhalten, an der Einrichtung von Deeskalationsmechanismen zu arbeiten, hieß es beim griechischen Außenministerium. Eine Deeskalation werde es aber erst bei einem "sofortigen Abzug aller türkischen Schiffe vom griechischen Kontinentalschelf" geben.

Der zyprische Präsident Nicos Anastasiades sprach von einer "sehr volatilen und besorgniserregenden Situation". Er prangerte die "Aggressivität" der Türkei an und drängte auf Gespräche zur Beilegung des Streits. Ankara setze andernfalls "die Stabilität und Sicherheit der gesamten Region aufs Spiel", sagte er.

In den vergangenen Tage hatte sich auch der türkische Präsident zu der Lage geäußert. Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Regierungen in Griechenland und in Frankreich dabei als "gierig und inkompetent". Frankreich hatte sich zuletzt in dem Streit auf die Seite Griechenlands gestellt, beide hielten auch gemeinsame Militärübungen im Mittelmeer ab. "Wenn die Zeit zum Kämpfen kommt, werden wir nicht zögern, Opfer zu bringen", hatte Erdogan erklärt.

EU-Ratspräsident schaltet sich ein

Mit Blick auf die Möglichkeit von EU-Sanktionen gegen die Türkei sagte Anastasiades, dass Zypern solche Strafmaßnahmen nicht favorisiere. "Sanktionen sind nicht unser Ziel. Unser Ziel ist es, durch einen Dialog eine Lösung zu finden." Er forderte Ankara auf, den Streitfall entweder vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen oder einem internationalen Schiedsverfahren zuzustimmen. Auch EU-Ratspräsident Charles Michel schaltete sich ein. Er schlug vor, eine "multilaterale Konferenz" unter Beteiligung Ankaras zu organisieren.

Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Neben Griechenland und der Türkei erhebt auch Zypern Anspruch auf die betreffenden Seegebiete. Ankara und Athen untermauern ihren Anspruch durch die Entsendung von Kriegsschiffen. Die Beziehungen zwischen den beiden Nato-Mitgliedern sind deshalb extrem angespannt.

Quelle: ntv.de, chf/AFP