Politik

"Wir werden durchhalten" Führende "Cumhuriyet"-Köpfe bleiben in Haft

b7bd10d26e07c963d069796c7b7a52d7.jpg

Ein Aktivist hält vor dem Gericht in Istanbul ein Schild mit dem Appell "Gerechtigkeit für "Cumhuriyet" in die Höhe.

(Foto: AP)

Nach einer mehrstündigen Anhörung verfügt ein Istanbuler Gericht, dass vier Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" im Gefängnis bleiben müssen - darunter auch der Chefredakteur Murat Sabuncu. Sieben weitere Angeklagte dürfen fürs Erste nach Hause.

Ein Istanbuler Gericht hat die Freilassung von sieben Mitarbeitern der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" angeordnet. Die Richter entschieden jedoch am Ende einer mehrstündigen Anhörung, dass der Herausgeber Akin Atalay, Chefredakteur Murat Sabuncu, Investigativjournalist Ahmet Sik und Kolumnist Kadri Gürsel weiter in Haft bleiben müssen. Bisher saßen elf der 17 angeklagten Mitarbeiter im Gefängnis.

Unter den Freigelassenen ist auch der Karikaturist Musa Kart. Die nächste Anhörung wurde für den 11. September angesetzt. "Macht euch keine Sorgen um uns, wir bleiben aufrecht!", rief Atalay den Zuschauern zu, die mit Applaus reagierten. "Bleib standhaft, Ahmet, wir werden widerstehen und durchhalten", rief Siks Ehefrau Yonca vor der Verkündung der Gerichtsentscheidung.

Im Fall von Sik hatte Staatsanwalt Haci Hasan Bölükbasi nach Angaben von "Cumhuriyet" eine zusätzliche Anklage wegen "Verunglimpfung des Türkentums" gefordert - und zwar ausgerechnet auf der Basis der Ansprache, die Sik vor Gericht zu seiner Verteidigung gehalten hat. Sik hatte darin mit Blick auf die Terrorvorwürfe gegen die Angeklagten unter anderem gesagt: "Die Organisation, die sie bei der Zeitung 'Cumhuriyet' suchen, regiert unter dem Deckmantel einer politischen Partei das Land."

Den Journalisten, Herausgebern und anderen Mitarbeitern des traditionsreichen Blatts wird Unterstützung der Gülen-Bewegung und anderer "Terrororganisationen" vorgeworfen. Die Zeitung weist die Vorwürfe entschieden zurück und beschuldigt die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan, mit dem Prozess eine der letzten unabhängigen Pressestimmen zum Schweigen bringen zu wollen.

Quelle: n-tv.de, jug/AFP/dpa