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29 Millionen Dosen gefunden Für wen ist das Astrazeneca-Vakzin in Italien?

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Der Impfstoff von Astrazeneca kommt nicht aus den Schlagzeilen.

(Foto: picture alliance / AA)

In Italien werden Millionen Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs überraschend in einer Firma aufgefunden. Die Regierung lässt wissen, es sei eine Lieferung für Belgien. Das Unternehmen stellt dies etwas anders dar. Berlin reagiert süffisant. Die EU allerdings sieht die Sache weitaus weniger amüsiert. Zudem erleichtert sie Exportverbote.

Nach dem Fund von Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca in Italien gehen die Angaben über deren Verwendungszweck auseinander. Die Regierung in Rom erklärte, die kontrollierten Impfstoff-Partien seien für Belgien bestimmt gewesen, wie die Inspektion ergeben habe. Aus dem Bundeskanzleramt in Berlin verlautete, dass man sich freue, dass in dem Werk 29 Millionen Impfdosen lagerten. Dies gebe Astrazeneca die Chance, den Liefer-Rückstand in der EU etwas zu vermindern. Der britisch-schwedische Impfstoffhersteller Astrazeneca widersprach derweil Berichten, es handele sich um eine Vorratslagerung.

"Es ist nicht korrekt, dies als einen Vorrat zu bezeichnen", sagte eine Unternehmenssprecherin. Es handele sich um verschiedene Kontingente des Impfstoffs, die auf die Freigabe durch die Qualitätskontrolle warteten. Davon seien 13 Millionen Dosen für arme Länder im Rahmen des Covax-Programms bestimmt. Sie seien außerhalb der EU hergestellt und in dem Agnani-Werk in Fläschen abgefüllt worden. Weitere 16 Millionen sollten nach der Freigabe nach Europa gehen, ein großer Teil davon noch im März. Derzeit seien keine Exporte außer in Covax-Länder geplant.

EU vermutet mehr Produktionskapazität als angegeben

In der Erklärung von Roms Regierungschef Mario Draghi hieß es derweil weiter, dass die EU-Kommission Rom am Samstag (20. März) gebeten habe, eine Reihe von Impfstoffpartien in einer Produktionsanlage in Anagni in der Region Latium zu untersuchen. Gesundheitsminister Roberto Speranza habe die Inspektion angeordnet. Bis Sonntag hätten die für Gesundheitsschutz zuständigen Carabinieri (NAS) geprüft. "Die Inspektion ergab, dass die Partien für Belgien bestimmt waren", hieß es. Alle ausgehenden Partien würden nun von den Behörden kontrolliert. Ein EU-Vertreter sagte, die Kommission habe um Inspektion des Werkes gebeten, weil sie Astrazeneca verdächtigte, "über mehr Produktionskapazität in Europa zu verfügen, als sie angegeben hatten".

Laut einem Bericht der italienischen Zeitung "La Stampa" sollen in der italienischen Abfüllfirma Catalent in Anagni 29 Millionen Dosen Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca lagern. Es hieß, sie seien für den Export nach Großbritannien bestimmt. Der Impfstoff soll - zumindest zum Teil - in der niederländischen Fabrik Halix in Leiden hergestellt und dann in Italien abgefüllt worden sein.

EU weitet Exportverbot aus

Unterdessen hat die EU-Kommission im Streit um Impfstofflieferungen die Möglichkeiten für Exportstopps deutlich ausgeweitet. Die Brüsseler Behörde machte den Weg für Ausfuhrsperren in dem Fall frei, dass ein Zielland selbst Impfstoff produziert aber nicht exportiert, oder wenn dessen Bevölkerung bereits weitgehend durchgeimpft ist. Dies sei nötig, "um unsere Impfziele gegen das Coronavirus zu erreichen", sagte Kommissionsvize Valdis Dombrovskis.

Brüssel wirft London zudem vor, die Ausfuhr von Astrazeneca-Impfstoff aus britischer Produktion mittels vertraglicher Vereinbarungen de facto zu unterbinden. Die Kommission stufte dies nun als Gefahr für die Impfstoffversorgung der EU ein. Sie nimmt ausdrücklich Bezug auf Länder mit eigenen Produktionskapazitäten, die "entweder per Gesetz oder durch vertragliche oder sonstige Vereinbarungen" Exporte verhindern.

"Die Mitgliedstaaten sollten Ausfuhrgenehmigungen dementsprechend verweigern", erklärte die Behörde. Dasselbe gelte für Länder, "in denen die Impfquote höher als in der Union oder die aktuelle Infektionslage weniger ernst ist". Laut Dombrovskis ist dabei allerdings "zwischen Unternehmen mit schlechter Leistung und solchen mit guter Leistung zu unterscheiden". Lieferungen anderer Hersteller als Astrazeneca dürften damit zunächst nicht betroffen sein.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/AFP

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