Politik

Pandemie und Wirtschaft im Fokus G7 kehrt zum Multilateralismus zurück

Nach der Ära Trump wollen die G7-Staaten wieder stärker zusammenrücken. Eine Milliardenspende an Impfstoffdosen dient als Aufbruchssignal und weitere Konjunkturhilfen sollen die Weltwirtschaft ankurbeln. Von Prinz Charles kommt großes Lob - von Klimaaktivisten und der UN scharfe Kritik.

Mit einem Bekenntnis zur verbesserten Zusammenarbeit hat in Cornwall der G7-Gipfel begonnen. Nach Jahren der protektionistischen Politik ziehen die USA und ihr neuer Präsident Joe Biden mit den anderen führenden westlichen Demokratien wieder an einem Strang. Kanzlerin Angela Merkel sagte bei ihrem Eintreffen im südwestenglischen Cornwall, Biden "repräsentiert das Bekenntnis zum Multilateralismus, das uns in den letzten Jahren gefehlt hat".

Die Kanzlerin sprach zum Auftakt des Gipfels von "wichtigen Beratungen in einem wunderschönen Umfeld". Sie hoffe auf "sehr gute Ergebnisse", vor allem in der Pandemie- und Impfpolitik. Die G7-Staaten könnten zeigen: "Wir denken nicht nur an uns, sondern wir denken auch an diejenigen, die noch keine Chance haben, geimpft zu werden."

Zuletzt war der Druck auf die reichen Staaten gestiegen, ihre Corona-Vakzine mit ärmeren Ländern zu teilen. US-Präsident Joe Biden hat bereits eine Spende von 500 Millionen Corona-Impfdosen angekündigt. Die US-Spende soll bis spätestens Juni nächsten Jahres geliefert und mit Hilfe der internationalen Impfstoffinitiative Covax verteilt werden. Die vom Gastgeber Großbritannien angekündigte Spende der G7-Teilnehmer von insgesamt einer Milliarde Impfstoffdosen für ärmere Länder kritisierten Hilfsorganisationen wie Oxfam jedoch als zu gering. Merkel hatte sich im Vorfeld mit konkreten Zahlen zum Beitrag Deutschlands beim Erreichen des Milliarden-Ziels zurückgehalten. Sie verwies auf den Beitrag der Europäischen Union für die globale Versorgung mit der Ausfuhr von schon mehr als 200 Millionen Dosen.

"Riesige Chance" für globalen Wiederaufbau

Der WHO-Experte David Nabarro nannte das Vorgehen der G7 bei der globalen Impfstoffverteilung "zu langsam". Die Industrienationen müssten "die Ärmel hochkrempeln" und sich fragen: "Wo werden die Impfstoffe jetzt am dringendsten benötigt?", sagte er dem "Times Radio". UN-Generalsekretär António Guterres betonte: "Es ist im Interesse aller, dass jeder geimpft wird, besser früher als später." Corona-Impfstoffe müssten als "globales öffentliches Gut" betrachtet werden und "verfügbar und bezahlbar für alle" sein.

Biden, der sich seit seinem Amtsantritt um eine deutliche Abgrenzung zu seinem Vorgänger Donald Trump bemüht, versicherte, "unser Engagement für den Multilateralismus zu verstärken und mit unseren Verbündeten und Partnern zusammenzuarbeiten, um eine gerechtere und integrativere Weltwirtschaft aufzubauen". Johnson sprach bei der Eröffnung des Gipfels von einer "riesigen Chance" für einen globalen Wiederaufbau nach der Corona-Pandemie.

Neben Zusagen für Impfstoffspenden an arme Länder wird erwartet, dass die G7 mehr Infrastrukturhilfen für Entwicklungsländer bereitstellen, um sich dem wachsenden Einfluss Chinas in Afrika, Asien und Lateinamerika entgegenzustellen. Geplant sei eine Initiative mit "hohen Standards, transparenten, klimafreundlichen und nicht-korrupten Mechanismen", sagte ein US-Vertreter.

Prinz Charles lobt Einsatz für Klimaschutz

Die wirtschaftliche Erholung von der Corona-Pandemie bildete den Schwerpunkt der Gespräche der Staats- und Regierungschefs am Freitag. Einem Insider zufolge haben sich die Regierungschefs weitgehend einig gezeigt über die Notwendigkeit weiterer Konjunkturhilfen. Auch Kanzlerin Angela Merkel habe dies unterstützt, sagte eine mit der Diskussion vertraute Person. Zudem hätten die Teilnehmer die Auffassung vertreten, dass der Anstieg der Inflation in vielen Staaten nach dem Ende der Lockdowns vorübergehender Natur sein werde. Insbesondere die USA haben ihre Verbündeten aufgerufen, zunächst die Konjunkturhilfen beizubehalten, die wegen der Pandemie eingeführt worden waren.

Am Abend wurden die Gipfelteilnehmer von Queen Elizabeth II. und anderen Mitgliedern der britischen Königsfamilie im botanischen Garten "Eden Project" empfangen. Prinz Charles hat den Einsatz der G7-Staats- und Regierungschefs für den Klimaschutz gewürdigt. Er spende ihrer Überzeugung Beifall, im Zuge der Corona-Pandemie eine grünere Zukunft aufzubauen, sagte der britische Thronfolger. Der globale Gesundheitsnotstand habe gezeigt, wie eine tatsächlich grenzenlose Krise aussehe. Der Kampf gegen die Corona-Krise biete ein deutliches Beispiel, wie erfolgreich die Welt sei, wenn sie gemeinsam handele, politischen Willen und unternehmerischen Einfallsreichtum vereine.

Aktivisten warfen den G7 vor, ihrer Verantwortung für den Planeten nicht nachzukommen. In Falmouth und St. Ives gingen Aktivisten der Klimaschutzbewegung Fridays for Future und der Organisation Extinction Rebellion auf die Straße. Greenpeace forderte die G7 auf, mehr für den Artenschutz zu unternehmen. Es brauche "Handeln und nicht nur wohlige Worte, um die Klima- und Naturkatastrophe zu bewältigen", sagte die Greenpeace-Vertreterin Rebecca Newsom.

Am Samstag dominieren dann die Themen Wirtschaft und Außenpolitik den Gipfel. An den Gesprächen nehmen zeitweise auch Australien, Südkorea, Südafrika und Indien teil. Am Sonntag liegt ein Schwerpunkt auf dem Klimawandel.

Quelle: ntv.de, spl/AFP/dpa/rts

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