Politik

Islamisten-Gruppe bekennt sich Geiselnahme in Bamako beendet - 22 Tote

b834bbf0402b5c6fb39bf2e88cb9c813.jpg

Eine Sicherheitskraft bringt eine freigekommene, verletzte Geisel in Sicherheit.

(Foto: dpa)

Bewaffnete Angreifer besetzen ein Luxushotel in Malis Hauptstadt Bamako und nehmen 170 Geiseln. Darunter sind auch Deutsche. Spezialkräfte stürmen das Gebäude, Dutzende Menschen werden befreit. Doch es gibt auch Tote.

0842618260c032ed20d633bae271e693.jpg

Einer der Verletzten vor dem Hotel Radission Blu.

(Foto: dpa)

Die Geiselnahme in einem Hotel in der malischen Hauptstadt Bamako ist beendet. Die Regierung des westafrikanischen Landes teilte mit, die Geiselnehmer hätten keine Menschen mehr in ihrer Gewalt. Mindestens 22 Menschen seien getötet worden, wie malische Sicherheitskräfte nach dem neunstündigen Einsatz zur Rettung der rund 170 Geiseln mitteilten. Nach Angaben des malischen Militärs wurden zwei Angreifer getötet.

In ausländischen Sicherheitskreisen war zuvor von mindestens 18 Todesopfern die Rede gewesen. Um wen es sich bei den Opfern handelt ist noch unklar. Allerdings scheint es keine Opfer aus Deutschland zu geben.

Bundesaußenminister Steinmeier sagte: "Nach allem, was wir wissen, sind unter den Toten keine Deutsche." Nach seinen Angaben hielten sich zu Beginn der Geiselnahme insgesamt vier Bundesbürger in dem Hotel auf. Alle vier hätten das Gebäude unversehrt verlassen können. Zunächst war nur von zwei deutschen Hotelgästen die Rede gewesen.

Spezialeinheiten hatten zuvor die Geiselnahme beendet und waren zu den im siebten Stock des Gebäudes verschanzten Terroristen vorgerückt. Neben den lokalen Sicherheitsbehörden hatten sich an der Befreiung der Geiseln auch französische Spezialkräfte und US-Spezialeinheiten beteiligt.

Dschihadisten bekennen sich

Inzwischen haben sich zwei mit Al-Kaida verbündete afrikanische Dschihadisten-Gruppen zu dem Angriff bekannt. Die in Nordmali aktive Islamisten-Gruppe Al-Mourabitoun erklärte über Twitter, sie stehe hinter dem Überfall und der Geiselnahme. In der Gruppe haben sich Araber und Angehörige der Tuareg zusammengeschlossen. Auch der arabische TV-Kanal Al-Dschasira meldete, er habe eine entsprechende Erklärung erhalten. Als zweite Gruppe nannte die mauretanische Nachrichtenseite Al-Akhbar Al-Kaida im Islamischen Maghreb. Demnach wollten die Gruppen Dschihadisten aus Gefängnissen in Bamako freipressen.

9b0361308a778900e1d02afea43eda9a.jpg

Vor dem Hotel in Bamako fuhren gepanzerte UN-Fahrzeuge auf.

(Foto: dpa)

Die Geiselnahme in dem Hotel Radisson Blu begann am Freitagmorgen. Augenzeugen sprachen von "rund einem Dutzend" bewaffneten Angreifern, malische Sicherheitskräfte von drei "dschihadistischen" Geiselnehmern. Die Angreifer brachten rund 170 Hotelgäste und 30 Angestellte in ihre Gewalt. Dabei sollen sie "Allahu Akbar" gerufen haben.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen gelangten die Angreifer in einem Auto mit Diplomatenkennzeichen auf das Hotelgelände und eröffneten anschließend in der siebten Etage des Hotelgebäudes das Feuer.  Ein Polizeibeamter erklärte, die Angreifer seien vor allem an westlichen Geiseln interessiert gewesen. In dem bei Geschäftsleuten und Diplomaten beliebten Hotel befanden sich auch französische, belgische, türkische und chinesische Staatsbürger. Die Männer hätten jene freigelassen, die das arabische Glaubensbekenntnis aufsagen konnten. 

Steinmeier: Deutschland wird Engagement in Mali verstärken

In Mali hatten Islamisten und separatistische Tuareg große Gebiete vor allem im Norden des Landes erobert, bevor sie mit Hilfe französischer Truppen wieder zurückgedrängt worden waren. Derzeit läuft ein internationaler Einsatz zur Ausbildung der malischen Streitkräfte, an dem auch die Bundeswehr beteiligt ist. In Bamako sind aktuell mehr als 50 deutsche Soldaten als Teil der European Training Mission in Mali stationiert. Das Mandat erlaubt den Einsatz von bis zu 350 Soldaten.

Die Bundesregierung erwägt derzeit auch, den Einsatz der Bundeswehr auf den unruhigen Norden auszuweiten. Außenminister Steinmeier sagte dazu, "der terroristische Angriff macht noch einmal allen bewusst, dass bis zu einer Stabilisierung Malis noch ein längerer Weg zu gehen ist." Der islamistische Terror in der Region sei noch nicht besiegt. Mali sei weiterhin auf Hilfe durch die internationale Gemeinschaft angewiesen. Deutschland sei bereit, sein Engagement an der Seite Frankreichs auszuweiten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die bewaffnete Geiselnahme scharf verurteilt. Ban sprach in New York von einem "abscheulichen Terrorangriff" und zeigte sich "besorgt", weil der Angriff zu einem Zeitpunkt komme, an dem Mali "große Fortschritte" im Friedensprozess zwischen der Regierung und den Tuareg-Rebellen im Norden des Landes mache.

Quelle: ntv.de, wne/kpi/hul/AFP/dpa/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen