Politik

"Sinnvolles Ergebnis" gefordertGespräche zwischen USA und Iran enden mit Vertagung

06.02.2026, 17:05 Uhr
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Omans Außenminister Badr al-Bussaidi empfängt den US-Sondergesandten Witkoff. (Foto: Oman Foreign Ministry via AP)

Der Iran will sein Atomprogramm nicht aufgeben, die USA wollen aber zumindest deutliche Beschränkungen durchsetzen. Unter Vermittlung des Oman soll der Konflikt beigelegt werden. "Ein guter Anfang" sei gemacht, doch Fortschritte scheint es nicht zu geben.

Der Iran und die USA haben ihre Atomgespräche im Oman abgeschlossen. Der Iran kündigte eine Fortsetzung der Verhandlungen an. Zunächst kehren die Delegationen beider Staaten nach den indirekten Verhandlungen unter Vermittlung des Gastgebers Oman nun für Konsultationen in ihre Hauptstädte zurück, wie iranische Staatsmedien berichteten.

"Es war ein guter Anfang", sagte Irans Außenminister Abbas Araghtschi dem Staatsfernsehen. "Wir sind dabei, Misstrauen abzubauen." Auf eine Frage des Moderators, ob - und wenn ja, wann die Gespräche fortgesetzt werden, legte sich Araghtschi nicht fest. Außenamtssprecher Ismail Baghai schrieb auf der Plattform X, die Entscheidung über weitere Verhandlungsrunden werde "in Abstimmung mit den jeweiligen Hauptstädten" getroffen.

Omans Außenminister Badr al-Bussaidi bezeichnete die Gespräche auf X als "sehr ernst". Ziel der Vermittlung sei es gewesen, die Positionen beider Seiten zu klären und mögliche Ansatzpunkte für Fortschritte zu identifizieren. Die Gespräche seien hilfreich gewesen, hieß es. Eine Fortsetzung sei zu gegebener Zeit geplant. Die Ergebnisse sollen nun in Teheran und Washington sorgfältig geprüft werden. Aus den USA gibt es bisher keine Reaktion nach dem Treffen.

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Al-Bussaidi vermittelt zwischen beiden Seiten getrennt. Hier spricht er mit Araghtschi, dem iranischen Außenminister. (Foto: Iranian Foreign Ministry via AP)

Bei den Gesprächen ging es aus iranischer Sicht um das umstrittene Atomprogramm und eine mögliche Lockerung von Sanktionen. Die USA drängen hingegen darauf, dass auch Irans Raketenprogramm sowie die Unterstützung von Irans Verbündeten wie der Hamas, der Hisbollah-Miliz im Libanon und der Huthi im Jemen Themen sein müssen.

Das Außenministerium in Maskat teilte mit, al-Bussaidi habe sich jeweils separat mit Araghtschi sowie der US-Delegation um den US-Sondergesandten Steve Witkoff und dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, getroffen. "Die Beratungen waren darauf fokussiert, angemessene Bedingungen für die Wiederaufnahme diplomatischer und technischer Verhandlungen zu schaffen", hieß es in der Mitteilung.

Auch der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in der Region, Admiral Brad Cooper, war Teil der US-amerikanischen Delegation. Der Iran sah in seiner Teilnahme den Versuch einer "Machtdemonstration", wie das Onlineportal Nur-News berichtete. "Das Einbringen der militärischen Komponente erhöht das Risiko und die Kosten der Verhandlungen - die Verantwortung dafür liegt bei den USA", hieß es in einem Bericht.

Türkei, Saudi-Arabien und Katar wollen Krieg abwenden

Die Sorgen vor einem neuen Krieg waren zuletzt gewachsen. Trump hatte der Staatsführung in Teheran mehrfach gedroht, auch wegen des brutalen Vorgehens staatlicher Repressionskräfte gegen Demonstranten bei den jüngsten Massenprotesten. Dabei sollen Tausende Menschen getötet worden sein. Das US-Militär hat seine Präsenz in der Region seit Anfang Januar deutlich ausgebaut, etwa mit dem Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" und dessen Begleitschiffen.

Regionale Mächte wie die Türkei, Saudi-Arabien und Katar hatten in den vergangenen Tagen intensiv vermittelt. Ihre Regierungen unterhalten pragmatische Beziehungen zum Iran und haben kein Interesse an einem regionalen Krieg, dessen Folgen auch sie treffen würden.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Washington und Teheran über Irans umstrittenes Atomprogramm verhandelt, die Gespräche waren jedoch bei zentralen Fragen ins Stocken geraten. So fordern die USA etwa, dass Irans Führung ihre Urananreicherung vollständig einstellt. Der Oman war damals bereits Gastgeber von Gesprächen.

Nur einen Tag vor Beginn der geplanten sechsten Verhandlungsrunde im Juni 2025 griff Israel den Iran an. Die Streitkräfte der Islamischen Republik reagierten mit Raketenbeschuss. Knapp eine Woche später schloss sich das US-Militär dem Krieg an und bombardierte zentrale Atomanlagen. Trump sagte damals, Irans Nukleareinrichtungen seien komplett vernichtet worden.

Rubio fordert "sinnvolles Ergebnis"

US-Außenminister Marco Rubio forderte zuletzt Zugeständnisse aus Teheran. Damit Verhandlungen tatsächlich zu einem "sinnvollen Ergebnis" führten, müssten etwa die Reichweite der ballistischen Raketen, die Unterstützung terroristischer Organisationen, das Atomprogramm und der Umgang mit dem eigenen Volk beachtet werden, sagte er.

Teheran ist zur Begrenzung seines Atomprogramms bereit, betrachtet eine vollständige Aufgabe seines Atomprogramms jedoch als rote Linie. Auch Verhandlungen über das heimische Raketenprogramm schloss Irans Regierung vor dem Termin kategorisch aus.

Irans Regierung erhofft sich von Verhandlungen auch eine Aufhebung der harten Sanktionen und damit verbunden einen wirtschaftlichen Aufschwung. Ausgelöst wurden die jüngsten Demonstrationen Ende Dezember durch die schwere Wirtschaftskrise, ehe sich die Proteste zu einem politischen Aufstand ausweiteten.

Trump hatte den Demonstranten auf dem Höhepunkt der Proteste seine Unterstützung zugesagt. Mitte Januar sprach sich der Republikaner für einen Machtwechsel in der Islamischen Republik aus.

Viele Iranerinnen und Iraner, die Anfang Januar noch gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik demonstriert hatten, sehen neue Verhandlungen kritisch. Sie fordern einen Machtwechsel und fürchten, dass neue Gespräche der Regierung in Teheran nun den Rücken stärken. Tausende Demonstranten sollen in den Nächten des 8. und 9. Januar getötet worden sein.

Quelle: ntv.de, mpa/dpa

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