Politik

Missbrauchstäter vor Gericht Giffey will Strafen "am oberen Ende"

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Höhere Strafen verhindern Missbrauchsfälle nach Ansicht von Experten nicht unbedingt.

(Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild)

In Deutschland sind bei schwerem Kindesmissbrauch Haftstrafen von bis zu 15 Jahren und Sicherungsverwahrung möglich. Trotzdem wird nach dem Missbrauchsfall in Münster der Ruf nach härteren Strafen laut. Familienministerin Giffey regt an, das bestehende Strafmaß auszunutzen.

Als Konsequenz aus dem in Münster aufgedeckten Missbrauchsfall hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey gefordert, die Täter in diesen Fällen härter zu bestrafen. Zwar könnten für diese "furchtbare Tat" bereits jetzt hohe Strafen verhängt werden, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Wichtig sei aber, "dass der Strafrahmen auch entsprechend am oberen Ende ausgeschöpft wird". Auch die Kapazitäten von Ermittlern müssten ausgebaut werden.

Ihr gehe es vor allem um die Kinder und mehr Prävention. "Das Leid, das betroffenen Kindern angetan wird, ist unermesslich und belastet diese oft ein Leben lang", sagte Giffey. Eine aufmerksame Gesellschaft sei nötig, die Anzeichen von Missbrauch früh wahrnehme und dann helfe. "Dafür braucht es ein Umfeld, das hinschaut sowie Behörden und Gerichte, die Fälle von Kindesmissbrauch konsequent verfolgen und bestrafen und eng zusammenarbeiten."

Justizministerin will keine höheren Strafen

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht verwies darauf, dass mögliche Haftstrafen von 15 Jahren Haft und Sicherungsverwahrung bei Kindesmissbrauch nicht nur auf dem Papier stünden. "Beispielsweise wurde im Fall Lügde dieser Strafrahmen fast ausgeschöpft", sagte die SPD-Politikerin der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Das ist eine der höchsten Strafen, die unsere Rechtsordnung überhaupt kennt." Forderungen nach schärferen Strafen erteilte die Justizministerin eine Absage. "Wichtiger ist es, konkret den Ermittlern mehr Möglichkeiten zu geben und sie gut auszustatten. Dass das wirkt, zeigt sich in NRW."

Am Wochenende war ein Fall des schweren sexuellen Missbrauchs mehrerer Kinder in Münster bekannt geworden. Der 27 Jahre alte Hauptverdächtige war wegen Kinderpornografiebesitzes zweifach vorbestraft.

Quelle: ntv.de, sba/dpa