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Trump startet Wahlkampf Greatest Hits, sonst nichts

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US-Präsident Trump will seinen Wahlerfolg von 2016 wiederholen, indem er den damaligen Wahlkampf einfach noch einmal führt. Nicht einmal der neue Slogan gefällt Trump so richtig.

Selbst der Song am Ende der Show ist derselbe wie 2016. Eine Stunde und zwanzig Minuten nach Beginn seines Auftritts in Orlando beendet Donald Trump die Rede, in der er seine Bewerbung um die republikanische Präsidentschaftskandidatur offiziell verkündet hat. "Wir werden Amerika wieder wohlhabend machen", ruft er. "Wir werden Amerika wieder stark machen. Wir werden Amerika wieder sicher machen. Und wir werden Amerika wieder groß machen." Dann wird, wie immer, "You Can't Always Get What You Want" von den Rolling Stones abgespielt.

Praktisch jeder Wahlkampfauftritt von Donald Trump hört so auf. Schon sein Auftritt im Sommer 2015 im Trump Tower in New York, als er seine erste Präsidentschaftskandidatur verkündete, endete mit dem "Make America Great Again"-Refrain. Die Motive stark, sicher und wohlhabend kamen später dazu.

Wirklich Neues hat Trump seinen 20.000 Anhängern in Orlando nicht zu bieten. Eigentlich ist nicht einmal der Wahlkampfstart eine echte Nachricht: Dass Trump sich für eine zweite Amtszeit bewerben will, ist schon lange klar. Bereits am Tag seiner Amtseinführung im Januar 2017 meldete er seine Kandidatur bei der zuständigen Behörde an.

Den Slogan für die Wiederwahlkampagne, "Keep America Great", hatte er da bereits patentieren lassen (das scheint ihm während eines Interviews mit der "Washington Post" eingefallen zu sein). Seine erste Wahlkampfkundgebung fand am 18. Februar 2017 statt - da war Trump noch keinen Monat im Amt. Auch damals entschied er sich für Florida. Der Bundesstaat gehört zu den wichtigsten "swing states" in Präsidentschaftswahlkämpfen. Hier gibt es die Stimmen von 29 Wahlmännern und -frauen zu gewinnen. Seither hat Trump zahlreiche weitere Wahlkampfveranstaltungen durchgeführt. Sein Auftritt am Dienstagabend war die Nummer 56. Er vergaß auch nicht zu erwähnen, dass Florida sein "zweites Zuhause" sei. Dort befindet sich sein Golfclub Mar-a-Lago.

"Wir vollbringen mehr als jeder andere Präsident"

Natürlich verweist Trump darauf, was er als Präsident alles erreicht habe. "Wir vollbringen mehr als jeder andere Präsident in den ersten zweieinhalb Jahren einer Präsidentschaft vollbracht hat, und das unter Umständen, mit denen sich kein Präsident auseinandersetzen musste." Die Russland-Ermittlungen bezeichnet er als Hexenjagd, als seine Leistungen nennt er die Berufung konservativer Bundesrichter, den Handelskonflikt mit China sowie Sanktionen gegen Russland, die er eigentlich verhindern wollte. Den Austritt der USA aus dem Iran-Abkommen erwähnt er nur am Rande. Über die Konfrontation im Golf von Oman sagt Trump nichts. Der Zeitschrift "Time" hatte er zuvor erklärt, die Vorfälle dort seien "sehr unbedeutend".

Aber die zentrale Botschaft ist immer noch dieselbe wie 2016: Das System ist kaputt und "sie" wollen "euch" betrügen. Auch die Feindbilder sind gleich geblieben: Einwanderer und Demokraten. Seinen Vorgänger Barack Obama und seine 2016 unterlegene Gegenkandidatin Hillary Clinton erwähnt Trump mehrfach. Selbst über Clintons E-Mails-Affäre spricht er. "Vergesst nicht, das einzige, was diese korrupten Politiker verstehen, ist ein Erdbeben an der Wahlurne." Auch nach zweieinhalb Jahren im Amt führt Trump seinen Wahlkampf, als gehöre er selbst nicht dazu.

Von seinem neuen Wahlkampfslogan, "Keep America Great", scheint Trump nicht überzeugt zu sein. Das dürfte vor allem daran liegen, dass eine positive Botschaft zu diesem Präsidenten nicht passt. Die meisten Anhänger, die hinter ihm sitzen, tragen denn auch die üblichen "Make America Great Again"-Kappen. Mitten in seiner Rede lässt Trump das Publikum per Beifall darüber abstimmen, welcher der beiden Sprüche ihnen besser gefällt - mit unklarem Ergebnis.

"Sie geben mir nie irgendwelche Ideen"

Nach Angaben der "New York Times" hat Trump zu Mitarbeitern gesagt, er wünsche sich den Demokraten Joe Biden als Gegenkandidaten. Er sehe den früheren Vizepräsidenten "als männliche Version von Mrs. Clinton", schreibt die Zeitung - nämlich als Kandidaten der Mitte, der es ihm erlaube, seine alte Rolle als Außenseiter zu spielen. Gegen die eher linke Senatorin Elizabeth Warren oder den früheren demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders dagegen würde es vor allem um ideologische Differenzen gehen. Zweifellos wird Trump jedem Demokraten vorwerfen, "Sozialismus" anzustreben. Aber die Auseinandersetzung mit Sanders oder Warren wäre - das scheint Trump zu vermuten - stärker von Inhalten geprägt und ließe sich weniger gut als Kampf gegen das Establishment inszenieren. Eine andere Theorie besagt allerdings, dass Biden der gefährlichere Gegner wäre, weil er unentschiedene Wähler und vielleicht sogar gemäßigte Republikaner gewinnen könnte.

Die große Frage ist, ob Trump seinen Erfolg von 2016 wiederholen kann, indem er einfach den Wahlkampf wiederholt. Bislang ist das ganz offensichtlich seine Strategie.

Er habe "brillante Talente" in seinem Wahlkampfteam, sagt Trump, bevor er das Publikum nach dem besseren Slogan fragt. "Sie kosten ein Vermögen und geben mir nie irgendwelche Ideen." Er mache nur Spaß, fügt er gleich hinzu. Doch die Beschwerde könnte durchaus ernst gemeint sein. Am vergangenen Wochenende trennte Trump sich von drei Meinungsforschern, die bisher für ihn gearbeitet hatten. Der Rauswurf erfolgte, nachdem durchgesickert war, dass er in seinen eigenen Umfragen hinter Biden liegt. Nur die "Fake-Umfragen" sähen ihn hinten, twitterte Trump am Montag. Aber er schrieb auch "Viel Arbeit zu machen!" Gewählt wird am 3. November 2020.

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Quelle: n-tv.de

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