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"Plan B" für Corona-Winter Großbritannien hält sich Maßnahmen offen

Die britische Flagge hängt zur Ehren des verstorbenen Prinz Philip auf Halbmast. Foto: Scott Heppell/Pool AP/dpa/Archivbild

In Großbritannien sollen Menschen über 50 sowie besonders gefährdete Gruppen ab der kommenden Woche eine Auffrischungsimpfung erhalten.

(Foto: Scott Heppell/Pool AP/dpa/Archivbild)

Die britische Regierung schließt nicht aus, bei steigenden Infektionszahlen wieder eine Maskenpflicht anzuordnen und Impfpässe für Discos oder Stadien einzuführen - dafür erarbeitet die Politik einen "Plan B". Zudem wird eine Impfpflicht für medizinisches Personal und Sozialarbeiter immer wahrscheinlicher.

Falls die Zahl der Corona-Fälle in Großbritannien im Winter erneut deutlich steigt, will die Regierung wieder eine Maskenpflicht anordnen und hält sich die Einführung von Impfpässen für Discos oder Stadien offen. Die Maßnahmen seien Teil eines "Plan B", wenn die Pandemie mit Auffrischungsimpfungen nicht unter Kontrolle gehalten werden kann, so Premierminister Boris Johnson bei einer Pressekonferenz in London. Der konservative Politiker fügte hinzu: "Es wäre einfach nicht vernünftig, solche Maßnahmen auszuschließen, wenn sie entscheidend dafür sein könnten, Geschäfte offen zu halten."

Gesundheitsminister Sajid Javid hatte zuvor betont, die Notfallpläne würden nur bei "unhaltbarem" Druck auf den Gesundheitsdienst NHS in England in Kraft gesetzt. Zudem erwäge England eine Impfpflicht für medizinisches Personal und Sozialarbeiter. Das sei sehr wahrscheinlich nötig, um andere Menschen zu schützen, sagte Javid weiter. Die britische Regierung hatte im Juni fast alle Corona-Beschränkungen aufgehoben. Sie kann aber nur Regeln für England erlassen, die anderen Landesteile - also Schottland, Wales und Nordirland - sind in ihrer Gesundheitspolitik unabhängig.

"Plan A" stützt sich laut Javid auf Auffrischungsimpfungen für etwa 30 Millionen Menschen, die kommende Woche beginnen sollen. Ansonsten setzt die Regierung auf Freiwilligkeit und Selbstverantwortung. So werden die Menschen "ermutigt", sich möglichst im Freien zu treffen, viel zu lüften, an überfüllten Orten und in geschlossenen Räumen Masken zu tragen sowie ihre Hände häufig zu waschen. Unternehmen wird geraten, Impfpässe zu kontrollieren. "Dieser Plan zeigt, wie wir dieser Nation die bestmögliche Chance geben, mit Corona zu leben, ohne dass strenge soziale und wirtschaftliche Einschränkungen erforderlich sind", sagte Javid.

Er betonte allerdings: "Wir haben erlebt, wie schnell das Virus sich anpassen und sich verändern kann, deshalb haben wir einen Plan B mit Notfallplänen vorbereitet." In der Konservativen Partei von Premierminister Boris Johnson hatte sich starker Unmut gegen die Einführung von Impfpässen geregt, sodass die Pläne wieder gestrichen wurden.

Auffrischungsimpfung wird zusammen mit Grippeimpfung verabreicht

In Großbritannien sollen Menschen über 50 Jahren sowie besonders gefährdete Menschen wie Vorerkrankte und Pflegekräfte ab der kommenden Woche eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Wie Javid sagte, folgt die Regierung damit einer Empfehlung der zuständigen Expertenkommission, dem Gemeinsamen Ausschuss für Impfungen und Immunisierung (JCVI). Beschlossen wurde zudem die umstrittene Empfehlung, künftig auch Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 15 Jahren zu impfen.

Der JCVI-Vorsitzende Wei Shen Lim sagte, Impfdaten deuteten auf einen "leichten Rückgang" der Schutzwirkung der Corona-Impfstoffe nach der zweiten Impfdosis von "etwas über 90 Prozent auf etwas unter 90 Prozent" hin. Der größte Rückgang werde bei Menschen über 50 Jahren beobachtet. Darum sei es vernünftig, ihnen und anderen Risikogruppen eine Auffrischungsimpfung anzubieten. Wie die Chefin der britischen Arzneimittelbehörde MHRA, June Raine, bekanntgab, können für die Auffrischungsimpfungen die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca genutzt werden. Besonders empfohlen werden demnach Biontech/Pfizer und Moderna. Von letzterem Impfstoff soll nur eine halbe Dosis verabreicht werden.

Die Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus sollen den Angaben zufolge zusammen mit der Grippeimpfung erfolgen. Großbritannien hatte im Dezember mit seiner Corona-Impfkampagne begonnen. Inzwischen wurden rund 81 Prozent aller Erwachsenen zwei Mal geimpft. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden wurden durch die Impfungen rund 24 Millionen Infektionsfälle und 112.000 Todesfälle verhindert. Trotz der erfolgreichen Impfkampagne sind die Infektionszahlen aber weiterhin hoch.

Quelle: ntv.de, hek/dpa/rts/AFP

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