Politik

Asylverfahren werden ausgelagert Großbritannien schickt Migranten nach Ruanda

imago0066554215h.jpg

Flüchtlinge in Calais. Die britische Regierung will Migranten von der Überquerung des Ärmelkanals abhalten.

(Foto: imago/JOKER)

Die britische Regierung will den Asylprozess auslagern: Migranten sollen künftig in Ruanda auf ihr Verfahren warten. Angeblich, um ihnen die potenziell tödliche Reise über den Ärmelkanal zu ersparen. Allerdings sollen auch Flüchtlinge, die schon in Großbritannien sind, nach Ostafrika geflogen werden.

Wer in Großbritannien Asyl beantragen will, soll künftig in Ruanda auf die Zustimmung warten. Die britische Innenministerin Priti Patel will an diesem Donnerstag in dem ostafrikanischen Land ein entsprechendes Abkommen unterzeichnen, teilte die Regierung in London mit. Damit will Premierminister Boris Johnson nach eigenen Angaben Menschen von der gefährlichen Reise über den Ärmelkanal abhalten und illegale Migration stoppen.

Migranten, die unerlaubt nach Großbritannien einreisen, sollen also zunächst nach Ruanda geflogen werden. Flüchtlingsorganisationen reagierten empört. Johnson verteidigte sein Vorhaben. Zu oft würden Hoffnungen und Träume der Migranten von Kriminellen ausgenutzt. "Diese widerwärtigen Menschenschmuggler missbrauchen die Schutzbedürftigen und verwandeln den Ärmelkanal in einen wässrigen Friedhof, in dem Männer, Frauen und Kinder in seeuntüchtigen Booten ertrinken und in Tiefkühllastern erfrieren", wurde der Premier in der Mitteilung zitiert.

Im November 2021 starben 27 Flüchtlinge, als ihr Boot kenterte. Johnson und vor allem Innenministerin Patel stehen wegen der "small boat crisis", wie die illegale Migration in Großbritannien genannt wird, in ihrer Konservativen Partei erheblich unter Druck. Obwohl sie versprochen hatten, die Zuwanderung mit dem Brexit erheblich zu beschränken, erreichen nach wie vor Tausende Menschen mit kleinen Booten von Frankreich aus das Land. Patel versucht mit radikalen Vorschlägen immer wieder, die Hardliner zu besänftigen. So brachte sie ins Gespräch, dass die Küstenwache die Schlauchboote der Flüchtlinge auf offener Seite zurückdrängen könne. Auch über weit entfernte Auffanglager für Asylsuchende war immer wieder diskutiert worden. Mehrere Länder lehnten dies aber ab.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen