Politik

Einwanderungsdebatte bei Lanz Güler: Meine Mutter hat Angst vor Maaßen

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Serap Güler ist Tochter türkischer Gastarbeiter. Die deutsche Staatsbürgerschaft hat sie seit 2010.

(Foto: imago images/teutopress)

Wenige Tage vor der Bundestagswahl befassen sich die Gäste bei Markus Lanz im ZDF mit einem Thema, über das im Wahlkampf kaum geredet wurde: Die Migrationspolitik. Dabei kommen nicht nur Fehler der letzten Jahre zur Sprache. Eine CDU-Politikerin erneuert ihre Kritik an einer Personalentscheidung ihrer Partei.

Irgendwie hat man manchmal das Gefühl, der aktuelle Wahlkampf konzentriere sich auf wenige Themen: Corona, Klima, Koalition. Markus Lanz hatte sich am Mittwochabend drei Politikerinnen und Politiker ins Studio geholt, von denen per se spannende Diskussionen zu erwarten waren: Jürgen Trittin von den Grünen, Linda Teuteberg von der FDP und Serap Güler von der CDU. Mehr durch Zufall kamen die Gäste auf die verschiedenen Ideen ihrer Parteien bei der Einwanderungspolitik zu sprechen.

Dabei sorgte Serap Güler für die Überraschung des Abends. Die Unionspolitikerin ist in Nordrhein-Westfalen Staatssekretärin für Integration und gehört zu den Hoffnungsträgern ihrer Partei. Richtig bekannt wurde sie, als sie vor einigen Monaten mit deutlichen Worten die Nominierung von Hans-Georg Maaßen als Bundestagskandidat ihrer Partei in Süd-Thüringen kritisierte. Der ehemalige Chef des Verfassungsschutzes fällt immer wieder mit Äußerungen auf, die eher zur AFD passen als zu den Christdemokraten.

"Wir haben in der Migrationspolitik viel falsch gemacht"

Bei Lanz setzte Güler nun noch einen drauf: "Ich kenne viele Menschen mit Migrationshintergrund - zum Beispiel meine Mutter -, die Angst haben vor Maaßen und vor dem, was er sagt", antwortete sie auf eine Frage des Moderators. Für sie ist klar: "Die CDU hätte überall meine Zustimmung, aber ich würde Herrn Maaßen nicht meine Erststimme geben." Und weiter: "Es gibt für mich Dinge, die sind wichtiger als ein Parteibuch: Eine gewisse Haltung zu haben, aber auch meine Biografie." Die im Ruhrgebiet geborene Güler ist Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund.

Güler und Trittin wiesen in der Sendung auf die Fehler hin, die in den letzten Jahren in der Einwanderungspolitik gemacht wurden. Noch kurz vor der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan habe Innenminister Horst Seehofer von der CSU die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber in das Land geplant. Güler berichtete von Menschen, die seit dreißig Jahren in Deutschland leben, aber noch immer nur geduldet werden. Man habe noch immer die Illusion, diese Menschen könnten irgendwann zurückgeführt werden. "Nach dreißig Jahren - das ist doch ein Witz."

"Auf den Stand der Zeit kommen"

Trittin sprach sich für menschlichere Einwanderungsregeln aus - und wies auf Unionspolitiker hin, die sich schon vor Jahren dafür eingesetzt hätten. Dazu habe Unionskanzlerkandidat Laschet gehört, der dafür von seinen Parteikollegen als "Türkenarmin" bezeichnet wurde. Trittins Forderung: Illegal eingewanderte Menschen aus Afrika oder Pakistan, die mittlerweile in Deutschland Arbeit gefunden hätten, sollten legal bei uns leben dürfen. Außerdem müsse es Kontingente für Menschen geben, die einwandern und auf dem deutschen Arbeitsmarkt beschäftigt werden wollten. "Wir müssen auf den Stand der Zeit kommen", sagte er.

Wichtig sei, dass man klar trenne zwischen Asylbewerbern und Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen einwanderten, verlangte Güler. Gerade Fachkräfte müssten sich möglichst schnell in Deutschland integrieren können.

Die ehemalige FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg stellte die Forderungen ihrer Partei in den Raum, die sehr umfangreich sind. Die FDP verlangt ein klares Einwanderungsrecht sowie ein Recht auf Asyl, aber auch ein Ausreisegesetz für Menschen, die weder aus humanitären Gründen noch als Facharbeiter nach Deutschland kämen.

Wichtig für alle drei Gäste des Abends bei Markus Lanz: Eine neue Willkommenskultur für Menschen, die nach Deutschland einreisen und die sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewähren wollen, und Respekt den Menschen gegenüber, die von Diktaturen oder Bürgerkrieg vertrieben zu uns kommen.

Quelle: ntv.de

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