Politik

UN-Klimakonferenz in Madrid Guterres warnt vor einer "Erde in Flammen"

Vertreter aus 200 Ländern kommen in Spaniens Hauptstadt zusammen, um über nicht weniger als das Überleben des Planeten zu verhandeln. Als UN-Generalsekretär Guterres ans Podium tritt, hat er eine unmissverständliche Botschaft - auch an die EU.

In Madrid hat die 25. UN-Klimakonferenz begonnen. Zum Auftakt wählte UN-Generalsekretär Antonio Guterres eindringliche Worte, um das Ausmaß der Klimakrise deutlich zu machen und ein rasches Umsteuern einzufordern. Die Menschheit müsse wählen zwischen dem Weg der "Hoffnung" und dem der "Kapitulation" beim Klimaschutz. "Wollen wir wirklich als die Generation in Erinnerung bleiben, die den Kopf in den Sand steckte, die herumbummelte, während die Erde in Flammen stand?", fragte er.  Guterres sprach von einem "Krieg gegen die Natur", der beendet werden müsse. "Wenn wir nicht schnell unseren Lebensstil ändern, gefährden wir das Leben an sich." 

Vor den Vertretern aus fast 200 Ländern, zu denen auch rund 40 Staats- und Regierungschefs zählten, machte Guterres keinen Hehl aus seiner "Frustration" über die unzureichenden Klimaschutzmaßnahmen. Die Welt stehe an einem "Wendepunkt" und könne nun den "Weg der Hoffnung" einschlagen: "Einen Weg der Entschlossenheit und der dauerhaften Lösungen. Einen Weg, bei dem die fossilen Energien bleiben, wo sie sind - im Boden und bei dem wir bis 2050 CO2-Neutralität erreichen." Dazu müsse die "Abhängigkeit von der Kohle" aufgegeben werden, mahnte Guterres.

Maas will Vorreiterrolle für EU

Vor Beginn der Klimakonferenz hatten bereits eine Reihe von Hilfsorganisationen erneut Alarm geschlagen und unter anderem vor Millionen Flüchtlingen durch klimabedingte Katastrophen gewarnt. Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze rief zu ehrgeizigen Beschlüssen in Madrid auf. "Je länger wir warten, desto schwieriger und teurer wird es", erklärte sie in Berlin. Bundesaußenminister Heiko Maas sprach sich zum Auftakt der UN-Klimakonferenz für eine Vorreiterrolle der Europäischen Union im Kampf gegen die Erderwärmung aus.

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Guterres fordert CO2-Neutralität bis 2050

(Foto: dpa)

Deutschland will seinen Treibhausgasausstoß bis 2030 um 55 Prozent verringern. Außerdem hat es als eines von rund 65 Ländern weltweit zugesagt, bis zum Jahr 2050 CO2-Neutralität zu erreichen. Ihr Klimaziel für 2020 wird die Bundesregierung aber verfehlen: Statt einer Emissionsminderung um 40 Prozent werden voraussichtlich nur 32 Prozent erreicht. Umweltorganisationen kritisieren zudem das neue Klimapaket der Bundesregierung auch wegen des erst 2038 vorgesehenen Kohleausstiegs als enttäuschend.

Guterres unterstützt Klimaproteste

Bei der auf zwölf Tage angesetzten Weltklimakonferenz hat Chile mit seiner Umweltministerin Carolina Schmidt den Vorsitz. Wegen der Unruhen in Chile sprang aber Spanien kurzfristig als Gastgeberland ein. Erwartet werden rund 29.000 Teilnehmer aus fast 200 Ländern, darunter auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Mit Blick auf die von der jungen Schwedin initiierten weltweiten Klimaschutzbewegung Fridays for Future sagte Guterres in Madrid, die Regierungen sollten "den Menschenmassen, die den Wandel fordern", zuhören und wissenschaftliche Erkenntnisse über die Gefahren des Klimawandels nicht ignorieren. "Weniger zu tun, hieße die Menschheitsfamilie in ihrer Gesamtheit und alle künftigen Generationen zu verraten", warnte der UN-Generalsekretär.

Bisherige Maßnahmen reichen nicht

Zu den Knackpunkten der Verhandlungen gehören Hilfen für die Entwicklungsländer bei der Bewältigung klimabedingter Schäden sowie konkrete Regeln zur Einbeziehung von Marktmechanismen bei der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. Umweltorganisationen dringen darauf, dass in Madrid zumindest ein paar große Emittenten wie die EU eine Anhebung ihrer Klimaschutzziele fest zusagen.

Die bisherigen Klimaschutzpläne der Staaten reichen bei Weitem nicht, um die Erderhitzung, wie 2015 in Paris vereinbart, auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen. Geht es weiter wie bisher, könnten es bis Ende des Jahrhunderts stattdessen im Mittel knapp 4 Grad mehr sein.

Der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, der koreanische Klimaökonom Hoesung Lee, sagte, die fatalen Folgen der Erderwärmung kämen schneller und massiver als angenommen, etwa beim Anstieg der Meeresspiegel und der Erwärmung der Ozeane. Es seien Veränderungen der Lebens- und Wirtschaftsweise ungekannten Ausmaßes nötig. "Wir sind nicht einmal ansatzweise dabei, den Klimawandel zu bekämpfen."

Quelle: n-tv.de, shu/AFP/dpa