Politik

"Unzufriedene weiße Männer" Halle-Attentäter gesteht und nennt Motiv

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Stephan B. soll gestanden haben, in Halle einen rechtsterroristischen Anschlag verübt zu haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem Anschlag in Halle mit zwei Toten gesteht der mutmaßliche Rechtsterrorist die Tat und nennt Judenhass als sein Motiv. Der 28-Jährige "bedauert" den Angriff - allerdings nur, weil er nicht genügend und die falschen Menschen getötet habe.

Der mutmaßliche Attentäter von Halle, der im Oktober 2019 zwei Menschen tötete und zwei weitere verletzte, hat nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" ein umfassendes Geständnis abgelegt und über sein Motiv gesprochen. Demnach bereut Stephan B. seine Tat - allerdings nur, weil er zu wenig Menschen getötet habe und zudem die falschen.

Der Rechtsextremist hatte es laut "Süddeutscher Zeitung" auf Juden abgesehen. Der 28-Jährige hatte zunächst versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Als das nicht gelang, hatte er Menschen in einem Dönerladen angegriffen, die B. abwertend "Nahöstler" nannte. In dem Imbiss erschoss B. einen Mann, zudem tötete er vor der Synagoge eine Passantin. Die SZ berichtet unter Berufung auf einen BKA-Bericht, dass der Attentäter zusammenzuckte, als er die Namen seiner Opfer hörte: Jana L. und Kevin S. Sie waren weder Juden noch Migranten. Er "bedauere" es, Deutsche getötet zu haben, gab er zu Protokoll.

In der Vernehmung sagte der Attentäter demnach auch aus, wer ihm als Vorbild für seine Tat diente: der Christchurch-Attentäter, der im März 2019 in Neuseeland zwei Moscheen gestürmt und dabei 51 Menschen getötet hatte. Helfer oder Mitwisser hatte Stephan B. offenbar zwar nicht, wohl aber geistige Unterstützer. Im Internet tauschte er sich demnach mit Gleichgesinnten aus, die er "unzufriedene weiße Männer" nannte und zu denen er sich auch selbst zählte. Verbunden habe diese ihr Juden- und Frauenhass. Dass Stephan B. zurückgezogen in einem kleinen Zimmer in der Wohnung seiner Mutter in einem Dorf bei Eisleben lebte und nach einer schweren Operation nicht zurück ins Leben fand, warf er Juden vor: Sie hätten ihn aus seinem Leben gedrängt. Seiner Familie zufolge hatte er keine Freunde und keine Partnerin und war auch in keinem Verein aktiv.

B. war laut SZ insgesamt vier Mal vernommen worden - drei Mal durch Beamte des BKA und einmal durch einen Haftrichter. In den kommenden Tagen will die Bundesanwaltschaft Anklage gegen ihn erheben. Ihm werden zwei Morde und neun Mordversuche aus niedrigen Beweggründen - Judenhass - vorgeworfen. Die Bundesanwaltschaft sieht darin Taten, die das Ansehen der Bundesrepublik in der Staatengemeinschaft schädigen.

Quelle: ntv.de, ftü