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Schulen sollen selbst erwägen Handyverbot bleibt in Deutschland wohl aus

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Ob ein Handyverbot in Schulen nützt? "Digitalisierung und die Verwendung mobiler Endgeräte wird nicht vor den Schultoren Halt machen", sagt der saarländische SPD-Bildungsminister Commerçon.

(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)

Viele Erstklässler besitzen heutzutage schon ein Smartphone. Tabu sind diese aber meist nur im Klassenzimmer. Frankreich will Handys nun sogar komplett von der Schule verbannen. In Deutschland ist ein bundesweites Verbot aber wohl eher nicht denkbar.

Die meisten deutschen Schüler dürfen ihr Smartphone wohl auch in Zukunft mit zur Schule bringen. Ein flächendeckendes, strenges Handyverbot wie in Frankreich stößt bei den Bildungsministern der Bundesländer weitgehend auf Ablehnung. "Ich bin der Überzeugung, dass die Schulen selbst entscheiden sollten, ob es ein partielles oder ein generelles Verbot im eigenen Haus geben soll", sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Thüringens Linke-Ressortchef Helmut Holter, in Erfurt.

Die meisten seiner Amtskollegen sehen das ähnlich - unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Hamburgs SPD-Bildungssenator Ties Rabe hält das Vorgehen der Franzosen für "Quatsch", und Schleswig-Holsteins CDU-Bildungsministerin Karin Prien betont: "So eine zentralstaatliche Vorgabe ist uns fremd." Auch Lehrer und Eltern wollen das Mobiltelefon nicht komplett aus den deutschen Schulen verbannen - zumindest nicht, solange die technische Ausstattung vielerorts von gestern ist.

Das französische Parlament hatte am Montag ein sehr weitgehendes Handyverbot für Schulen beschlossen. Das neue Gesetz verbietet grundsätzlich die Nutzung von Mobiltelefonen in allen Vor- und Grundschulen sowie in der Sekundarstufe I. In Deutschland ist es meist nur untersagt, das Smartphone während des Unterrichts zu verwenden. Eine einheitliche Regelung gibt es allerdings nicht, denn die Schulen fallen - anders als im zentralistisch organisierten Frankreich - in die Zuständigkeit der 16 Bundesländer. Und selbst die Länder regeln solche Fragen nicht immer zentral per Gesetz, sondern überlassen das den einzelnen Schulen und den dort gültigen Hausordnungen.

"Digitalisierung wird nicht vor Schultoren Halt machen"

Sachsen-Anhalts CDU-Bildungsminister Marco Tullner spricht sich dafür aus, dass das auch so bleibt: "Die Schulleitungen entscheiden das ganz individuell, was erlaubt und was verboten wird." Schulen, die Handys etwa für Recherchezwecke gezielt im Unterricht einbauen wollten, sollten auch die Möglichkeit dazu haben. Die rheinland-pfälzische SPD-Bildungsministerin Stefanie Hubig sieht das genauso: "Die Schulleiterinnen und Schulleiter wissen am besten, wie sie vor Ort an ihrer Schule mit dieser Frage umgehen." Einig sind sich die meisten Bildungspolitiker, der Bundeselternrat und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) darin, dass Handys keine Störungen im Unterricht verursachen dürften und die Schüler auch nicht vom Lehrstoff ablenken sollten.

Doch ganz von den Schulen verbannt werden sollen die Mobiltelefone demnach eben auch nicht. Die Schulen seien technisch noch nicht gut genug ausgerüstet, um ganz auf Mobiltelefone zu verzichten, sagt Elternrats-Chef Stephan Wassmuth. Der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann bemängelt ebenfalls die größtenteils "steinzeitliche Ausstattung". Daher müssten Lehrer auf die Mittel zurückgreifen, die Schüler mitbrächten. An Bayerns Schulen sind Mobiltelefone derzeit ohnehin nur zu Unterrichtszwecken erlaubt.

Ob das so bleibt, wird das kommende Schuljahr zeigen. Dann lässt der bayerische CSU-Kultusminister Bernd Sibler an den Schulen des Freistaats nämlich mögliche Neuregelungen für eine private Handynutzung testen. Angesichts der rasanten technischen Entwicklung werden sich die Uhren aber auch in Bayern kaum zurückdrehen lassen. Der saarländische SPD-Bildungsminister Ulrich Commerçon hält übertrieben strenge Vorschriften deshalb für unrealistisch. "Digitalisierung und die Verwendung mobiler Endgeräte wird nicht vor den Schultoren Halt machen", sagt er.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa

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