Politik

"Nicht zu kontrollieren" Hat Trump den Corona-Kampf aufgegeben?

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"Es wird vorbeigehen", sagt Trump selbst. Sein Stabschef deutet eine ähnlich passive Strategie an.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Eine Woche vor der Präsidentschaftswahl rollen einmal mehr Corona-Höchststände über die USA. Trumps Stabschef deutet zeitgleich an, die Regierung versuche gar nicht mehr, eine Ausbreitung zu verhindern. Seine Aussagen stiften Verwirrung - und liefern Widersacher Biden eine Steilvorlage.

US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat Amtsinhaber Donald Trump vorgeworfen, vor dem Coronavirus kapituliert zu haben. Auslöser waren Äußerungen von Trumps Stabschef Mark Meadows, aus denen hervorging, dass das Weiße Haus aktuell eher auf eine Behandlung von Erkrankten als auf Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Virus vertraut. Die Zahl der Neuinfektionen in den USA ist aktuell auf ihrem bisher höchsten Niveau.

"Wir werden die Pandemie nicht kontrollieren", sagte Meadows am Sonntag in einem Live-Interview des Nachrichtensenders CNN. Das sei so, weil man es mit einem hochansteckenden Virus wie der Grippe zu tun habe, argumentierte Meadows. Dabei blieb in dem abschnittsweise hitzigen Austausch mit CNN-Moderator Jake Tapper offen, ob Meadows damit sagen wollte, dass die Corona-Ausbreitung schwer unter Kontrolle zu bekommen sei - oder ob das Weiße Haus es gar nicht erst versuchen wolle. "Was wir unter Kontrolle haben werden, ist die Tatsache, dass wir Impfstoffe, Medikamente und andere Maßnahmen zur Linderung bekommen", sagte Trumps Stabschef.

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Biden bezeichnete Meadows' Äußerungen als Eingeständnis, dass Trumps Regierung "selbst den Versuch aufgegeben hat, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen". Trump behauptete unterdessen bei einem Wahlkampfauftritt am Sonntag erneut, die USA würden in der Corona-Krise bald über den Berg sein. "Wir biegen um die Kurve, wir haben die Impfstoffe, wir haben alles. Wir biegen um die Kurve. Selbst ohne die Impfstoffe biegen wir um die Kurve. Es wird vorbeigehen", sagte der Präsident im Bundesstaat New Hampshire.

Die Zahl der Corona-Toten überschritt am Sonntag die Marke von 225.000. Die Impfstoffe sind unterdessen noch in der Testphase. Der Top-Virologe der USA, Anthony Fauci, äußerte zwar die Prognose, ein Impfstoff könne grundsätzlich bis Ende November oder Anfang Dezember bereit sein. Experten der US-Regierung gehen jedoch davon aus, dass erst im Frühjahr ausreichend Impfdosen für alle Amerikaner zur Verfügung stehen werden.

Quelle: ntv.de, mra/dpa