Politik

"Entschlossen, zuzuhören" Hongkongs Regierung will mit Bürgern reden

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Carrie Lam will "mit Menschen aus allen Lebensbereichen" reden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Hongkongs pekingtreue Regierungschefin verkündet nach den Massenprotesten vom Wochenende Gesprächsbereitschaft. Auch eine Untersuchung zu den Beschwerden gegen die Polizei soll eingeleitet werden - jedoch nicht von unabhängiger Seite.

Vor dem Hintergrund anhaltender Massenproteste der Demokratiebewegung in Hongkong hat die chinatreue Regierungschefin Carrie Lam Gesprächsbereitschaft signalisiert. Lam kündigte eine "Plattform zum Dialog an". Sie und ihre Regierung seien "entschlossen, zuzuhören, was die Leute uns zu sagen haben". Dabei machte die Regierungschefin allerdings kein konkretes Angebot an die Protestbewegung. Es gehe um einen Dialog "mit Menschen aus allen Lebensbereichen".

Lam sagte, dass es eine Untersuchung der seit dem 9. Juni andauernden Proteste und der damit verbundenen Beschwerden gegen die Polizei geben werde. Diese solle jedoch von der Aufsichtsbehörde der Polizei und nicht, wie von Demonstranten gefordert, von einer unabhängigen Stelle durchgeführt werden.

Währenddessen verkündete das britische Außenministerium, ein Mitarbeiter des britischen Konsulats in Hongkong sei in China festgenommen worden. Simon Cheng Man-Kit wird seit einer Geschäftsreise vermisst, wie lokale Medien berichteten. Er hatte demnach ein Wirtschaftstreffen in Shenzen im Südosten Chinas besucht. "Wir sind über Berichte besorgt, dass ein Mitarbeiter unseres Teams bei der Rückkehr von Shenzen nach Hongkong festgenommen worden ist", teilte das Außenministerium in London mit. Der 28-Jährige verschwand bereits am 8. August an der Grenze auf dem Weg zurück nach Hongkong, wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtete. "Ich überquere jetzt die Grenze ... Bete für mich", soll er zuletzt an seine Freundin geschrieben haben.

Mehrere Warnungen an Peking

Auslöser der bereits seit zweieinhalb Monaten andauernden Proteste für Freiheit und Demokratie in Hongkong war ein - inzwischen auf Eis gelegter - Gesetzentwurf der Regierung zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China. Peking warnte London mehrfach, sich nicht in diesen Konflikt einzumischen. Hongkong gehört seit dem Abzug der Briten 1997 wieder zu China. Als Sonderverwaltungszone hat es eigentlich noch bis 2047 umfangreiche Sonderrechte garantiert. Viele fürchten nun darum.

Am Wochenende waren in der früheren britischen Kronkolonie mit ihren 7,5 Millionen Einwohnern mehr als eine Million Menschen friedlich auf die Straßen gegangen. Forderungen der Demonstranten sind freie Wahlen und eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt bei früheren Demonstrationen. Aus der Menge wurden aber auch Rufe nach Unabhängigkeit laut.

Anders als in den Wochen zuvor kam es bei den Protesten am Wochenende nicht zu nennenswerten Ausschreitungen. Die Demonstranten bauten keine Barrikaden. Die Polizei verzichtete auf den Einsatz von Tränengas, was als Zeichen der Entspannung gewertet wurde. In dieser Woche soll es mit kleineren Protesten weitergehen. Für den 31. August riefen die Veranstalter zu einer neuen Großkundgebung auf.

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Quelle: n-tv.de, agr/dpa

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