Politik

"Nur die Spitze des Eisbergs" Hunderte Anklagen nach Kapitol-Sturm

8f888f5c8669674dde13040667ac25bb.jpg

Der stellvertretende FBI-chef D'Antuono und Staatsanwalt Sherwin (rechts) wollen Hunderte Randalierer zur Rechenschaft ziehen.

(Foto: AP)

Nach der Erstürmung des Kapitols leitet das US-Justizministerium Ermittlungen gegen mehr als 170 Personen ein. Bislang reichen die Vorwürfe von Hausfriedensbruch über Verschwörung und Aufruhr. Doch das ist laut Staatsanwaltschaft erst der Anfang.

Die Staatsanwaltschaft geht knapp eine Woche nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington davon aus, schon bald "Hunderte" mutmaßliche Täter anzuklagen. In einigen Fällen würden auch Anklagen nach Bundesrecht wegen Aufruhr und Verschwörung geprüft, worauf bis zu 20 Jahre Haft stehen könnten, sagte der zuständige Staatsanwalt Michael Sherwin. "Das Gelände des Kapitols außen und innen ist ein Tatort", so Sherwin. Bislang seien bereits zu 170 Verdächtigen Ermittlungsakten angelegt worden, in 70 Fällen wurde Anklage erhoben.

"Das ist nur die Spitze des Eisbergs", sagte der stellvertretende Chef des FBI-Büros in Washington, Steven D'Antuono. "Wir werden jeden Stein umdrehen", versprach er. Einige Fälle, die breite öffentliche Aufmerksamkeit erhalten hatten, wie der des Mannes, der an Nancy Pelosis Schreibtisch posierte, seien im Vergleich zu anderen kriminellen Verhaltensweisen fast noch harmlos, erklärte Sherwin sinngemäß. Es gebe "schockierende" Informationen, die noch nicht öffentlich seien.

Vorwürfe gegen das FBI

Anhänger des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump hatten vergangenen Mittwoch während einer Sitzung des Kongresses das Kapitol gestürmt. Die Sicherheitskräfte des Parlaments schienen unvorbereitet und waren dem Ansturm nicht gewachsen. Inzwischen steht unter anderem die Bundespolizei FBI in der Kritik, weil die Behörde vor dem angekündigten Protest nicht hinreichend Alarm geschlagen haben soll.

Ein Bericht der "Washington Post" warf am Dienstag die Frage auf, ob FBI-interne Warnungen vor Gewalt in Washington ohne Konsequenzen geblieben waren. Einen Tag vor der Erstürmung des Kapitols habe ein FBI-Büro im Bundesstaat Virginia gewarnt, dass Extremisten für Gewalt und "Krieg" nach Washington reisen wollten, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das interne Dokument.

Darin sei ein Online-Beitrag zitiert worden, in dem es unter anderem geheißen habe, dass der Kongress hören müsse, wie Glas zerbreche, Türen eingetreten würden und Blut vergossen werde. D'Antuono erklärte auf Nachfrage, das FBI habe die Information "mit allen Partnern der Sicherheitskräfte" geteilt, nannte aber keine weiteren Einzelheiten.

Quelle: ntv.de, ino/dpa