Politik

Assad bestritt AtomprogrammIAEA findet tonnenweise Nuklearmaterial in Syrien

18.08.2026, 19:31 Uhr
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Rafael-Grossi-l-Generaldirektor-der-Internationalen-Atomenergie-Organisation-IAEA-und-der-syrische-Aussenminister-Asaad-al-Schaibani-nehmen-an-einer-Pressekonferenz-teil-Die-syrische-Regierung-laesst-das-geheime-Atomprogramm-unter-dem-frueheren-Praesidenten-al-Assad-durch-UN-Atomwaechter-aufarbeiten
Der Chef der Atomenergie-Organisation, Rafael Grossi (l), und der syrische Außenminister Asaad al-Schaibani geben den Fund bekannt. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

In Syrien lagert nukleares Material. Die syrische Regierung ruft deswegen die internationalen Kontrolleure ins Land. Es soll sich um Reste eines geheimen Atomprogramms des Assad-Regimes handeln. Dieses hatte stets bestritten, einen Kernreaktor zu bauen.

Mitarbeiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) haben bei einem Inspektionsbesuch in Syrien "einige Tonnen Nuklearmaterial" an einem Ort gefunden, den die Organisation bislang nicht auf dem Schirm hatte. Die Übergangsregierung in Damaskus habe die "mutige Entscheidung" getroffen, die IAEA auf den Fundort aufmerksam zu machen, woraufhin "wir den Ort aufsuchen konnten", erklärte IAEA-Chef Rafael Grossi in Damaskus. Das Nuklearmaterial "könnte missbräuchlich verwendet werden", fügte er hinzu. 

Der syrische Interims-Außenminister Assad al-Schaibani bestätigte, dass IAEA-Mitarbeiter Proben an dem nicht näher genannten Ort entnommen hätten. Ihm zufolge hatte die syrische Regierung die IAEA am 17. Juli "aus freien Stücken" kontaktiert. Das Nuklearmaterial sei ein "Erbe des früheren Regimes", fügte al-Schaibani mit Blick auf den langjährigen Machthaber Baschar al-Assad hinzu. Assad hatte Syrien von 2000 an mit harter Hand regiert. 2024 wurde er von Kämpfern unter der Führung der islamistischen HTS-Miliz gestürzt und floh nach Russland.

Das Material werde "in syrischer Verwahrung bleiben und dem Überwachungssystem der IAEA unterstellt", erklärte der Minister weiter. Grossi bestätigte, dass die Stoffe "in internationale Kontrollsysteme integriert" würden. IAEA-Mitarbeiter sollten demnach zusammen mit syrischen Experten an einer sicheren Lagerung arbeiten.

Kontrolleure sehen Vermutung durch Fund bestätigt

Ein offizielles Atomprogramm gab es in Syrien nie. 2007 zerstörte Israel nach eigenen Angaben aber einen im Bau befindlichen Atomreaktor in Al-Kibar in der ostsyrischen Region Deir Essor mit Luftangriffen. Während die Assad-Regierung bestritt, dass es sich um eine Atomanlage gehandelt hatte, erklärte die IAEA, dass dort "sehr wahrscheinlich" doch ein Reaktor gebaut werden sollte - möglicherweise mit der Hilfe Nordkoreas. Die IAEA war 2011 in einem Untersuchungsbericht zum Schluss gekommen, dass es sich um einen geheimen Reaktor gehandelt habe, der Ähnlichkeiten mit einem Reaktor im Atomwaffen-Staat Nordkorea aufweise. Laut Medienberichten könnte der Reaktor im nordkoreanischen Nyongbyon die Vorlage für den Bau geliefert haben.

Wegen des Widerstands der Assad-Regierung und wegen des Bürgerkriegs hatte die IAEA den geheimen Aktivitäten jedoch nicht vor Ort auf den Grund gehen können. Nach dem Sturz von Assad Ende 2024 kam wieder Bewegung in die Untersuchung.

Grossi erklärte nun, der Fund bestätige die Vermutung, dass Syrien wohl einen Atomreaktor errichten wollte. In Deir Essor würden "umfangreiche Ausgrabungs- und Erkundungsarbeiten" stattfinden. Schon bei einer Inspektion im vergangenen Jahr hatte die IAEA dort Uranpartikel entdeckt. Während seines Syrien-Aufenthalts besuchte Grossi das Reaktorgelände und einen weiteren Ort, der mit dem Nuklearmaterial in Verbindung steht, wie es in der Mitteilung hieß. Syrien und die IAEA hätten sich auf konkrete Schritte geeinigt, um offene Fragen zu klären, teilten al-Schaibani und Grossi mit.

Bereits vergangene Woche hatte das Nachrichtenportal "Axios" unter Berufung auf israelische und US-Vertreter von einer Vereinbarung berichtet, nach der die IAEA in Syrien gelagertes Nuklearmaterial beseitigen soll. Demnach überwacht Israel einen Ort namens "Site 99" in Syrien sehr genau.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/dpa

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