Politik

"Cyber-Dschihad" gegen TV5 IS-Hacker drohen französischen Soldaten

Die Internetseiten zeigen islamistische Forderungen, das Fernsehbild bleibt schwarz: Mutmaßliche IS-Anhänger stören über Nacht stundenlang den Sender TV5 Monde. Bei Facebook veröffentlichen die Hacker persönliche Daten von Soldatenfamilien.

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TV5 konnte rund drei Stunden lang nicht senden.

Eine Hacker-Attacke von mutmaßlichen Mitgliedern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat den Sendebetrieb der französischen Fernsehsendergruppe TV5 Monde stundenlang zum Erliegen gebracht und ihre Websites gekapert. "Wir sind nicht mehr imstande, irgendeinen unserer Kanäle auszustrahlen", sagte Senderchef Yves Bigot in der Nacht. Auf der Facebook-Seite des Senders prangerten die Hacker Frankreichs Militäreinsatz gegen den IS an.

"Die Website und die Antennen von TV5 Monde stehen im Moment unter einer Piratenattacke von großem Ausmaß", schrieb der Sender kurz vor Mitternacht bei Twitter, etwa zwei Stunden nach Beginn des Angriffs. Man arbeite daran, das gewohnte Programm wieder herzustellen, ergänzte Bigot in einer über Youtube verbreiteten Botschaft. Die Rückkehr zum Normalzustand könne aber Tage dauern, sagte er. Auch über ihre Website und ihre Konten in sozialen Netzwerken habe die Sendergruppe keine Kontrolle mehr.

Gegen ein Uhr nachts konnte TV5 Monde seinen Sendebetrieb wieder aufnehmen. Über ihre Facebook-Seite erlangte die Sendergruppe gegen Mitternacht die Kontrolle zurück, die Senderwebsite funktioniert jedoch nicht und wurde mit einem Wartungshinweis versehen.

"Haltet Euch vom IS fern!"

Auf der Facebook-Seite von TV5 Monde hatten die Hacker zuvor Dokumente veröffentlicht. Dabei handelte es sich nach ihren Angaben um Ausweise und Lebensläufe von Familienmitgliedern von französischen Militärangehörigen, die an Einsätzen gegen den IS beteiligt seien.

"Soldaten Frankreichs, haltet Euch vom Islamischen Staat fern!", warnten die Hacker auf Facebook. "Ihr habt die Chance, das Leben Eurer Familie zu retten, nutzt sie." Weiter hieß es: "Im Namen Allahs, des Allergütigsten, des sehr Barmherzigen, führt das Cyber-Kalifat weiter seinen Cyber-Dschihad gegen die Feinde des Islamischen Staates." Das Cyber-Kalifat suche derzeit nach den "Familien der Militärs, die sich an die Amerikaner verkauft haben".

Die Hacker warfen Frankreichs Staatschef François Hollande vor, mit der Beteiligung an dem Militäreinsatz der von den USA angeführten Koalition gegen den IS im Irak und in Syrien einen "unverzeihlichen Fehler" gemacht zu haben. "Darum haben die Franzosen die Geschenke bei 'Charlie Hebdo' und Hyper Cacher erhalten", hieß es.

Medien wie die "New York Post", der "Boston Globe" oder die britische Zeitung "The Independent" waren in den vergangenen Monaten häufiger Ziel von Hackerangriffen. Zu einigen der Attacken hatte sich allerdings die Gruppe "Syrian Electronic Army" bekannt, die der syrischen Regierung nahesteht.

Quelle: n-tv.de, nsc/AFP/dpa

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