Politik

Reaktion auf getötete Führungsriege IS ertränkt Spione in Säure

3kn31014.jpg2490865436853950512.jpg

Angst vor Spionen: Allein, wer ein Mobiltelefon mit Internetzugang besitzt, macht sich verdächtig.

(Foto: dpa)

Nach dem Tod mehrerer führender Köpfe des Islamischen Staates geht im "Kalifat" die Angst vor Maulwürfen um: Mit barbarischen Methoden sollen die Kommandanten vermeintliche Verräter aus den eigenen Reihen bestrafen.

Nachdem im März der hochrangige IS-Kommandant Abu Hayjaa al-Tunsi von einer US-Drohne getötet worden ist, hat in den Reihen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) offenbar eine Jagd auf vermeintliche Spione begonnen. Wie die britische Zeitung "Independent" unter Berufung auf mehrere Quellen, darunter syrische Oppositionelle und Informanten der irakischen Regierung, berichtet, sollen in den vergangenen Monaten Dutzende Kämpfer auf teilweise bestialische Weise getötet worden sein, weil sie Informationen - etwa über Aufenthaltsorte von IS-Führungspersonen - an die Amerikaner verraten haben sollen.

64969376.jpg

Eine Luftaufnahme zeigt nach einem britischen Luftangriff einen Krater, wo zuvor ein Ölfeld des IS war.

(Foto: picture alliance / dpa)

Viele Hinrichtungen hätten öffentlich stattgefunden, um mögliche weitere Maulwürfe abzuschrecken. Besonders brutal sei das Vorgehen bei rund einem Dutzend IS-Mitgliedern und mehreren Zivilisten in Mossul gewesen. Sie seien in Fässern mit Säure ertränkt worden, wie ein irakischer Geheimdienstler dem Blatt berichtete. Dessen Aussagen decken sich mit Berichten lokaler Quellen, über die Ende Mai auch das Portal "IraqiNews.com" berichtete und die bisher nicht durch Video- oder Bildmaterial verifiziert werden konnten.

Demnach seien insgesamt 25 Menschen, die mit den irakischen Sicherheitskräften kooperiert haben sollen, mit Seilen gefesselt worden und danach so lange in Salpetersäure getaucht worden, bis ihre Organe versagten. Verdächtig machen könne sich jemand allein schon deshalb, weil er ein Mobiltelefon und eine funktionierende Internetverbindung besitze.

"Es herrscht Chaos"

"Daesh konzentriert sich jetzt darauf, wie sie die Maulwürfe finden können", erklärte der Geheimdienstler dem Blatt. "Sie haben einige Führungspersonen verloren, die schwer zu ersetzen sind." Mittlerweile hätten IS-Kommandanten das Recht, jeden zu erschießen, den sie für einen Spion halten. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte würden einige Kämpfer allein deshalb Informationen an die US-geführte Anti-Terror-Allianz weitergeben, weil ihr Sold drastisch gekürzt worden sei.

"Es herrscht Chaos", sagte auch Sherfan Darwish, ein Vertreter der syrischen Opposition, dem Blatt. "Einige Mitglieder, aber auch Kommandanten versuchen zu fliehen." Nach Angaben der US-Behörden sind bei gezielten Operationen in den vergangenen Monaten mehrere IS-Kommandanten getötet worden - darunter der "Kriegsminister" Omar al-Shishani, und IS-Finanzminister und -Vizechef Abdul Rahman Mustafa al-Kaduli.

Quelle: n-tv.de, jug

Mehr zum Thema