Politik

Zwölf Bürgermeister für GroKo "Ich fürchte, es ist die letzte Chance der SPD"

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Charlotte Britz ist Oberbürgermeisterin von Saarbrücken und eine von zwölf Unterzeichnern des offenen Briefes.

(Foto: imago/Becker&Bredel)

Die SPD-Bürgermeister zwölf deutscher Großstädte machen Stimmung für die Aufnahme von Koalitionsgesprächen. Eine davon ist die Saarbrückener Oberbürgermeisterin Charlotte Britz. Im Interview mit n-tv.de erklärt sie, warum es die letzte Chance für die SPD sein könnte und ob Martin Schulz ihrer Ansicht nach noch der richtige Mann an der Spitze ist.

n-tv.de: Warum möchten Sie eine Große Koalition?

Charlotte Britz: Eigentlich bin ich keine Befürworterin einer Großen Koalition. Aber in der derzeitigen Situation der SPD finde ich, dass man pragmatisch an die Sache rangehen muss. Ich kann die Gegner zwar sehr gut verstehen. Wir müssen ganz intensiv über uns reden. Jeder hat seine Argumente. Aber ich bin schon der Meinung, dass wir die Verantwortung jetzt wahrnehmen müssen. Tun wir es nicht, wird es für die SPD noch schlimmer.

Wäre der vielbeschworene Erneuerungsprozess leichter, wenn die SPD nicht in der Regierungsverantwortung wäre?

Das sehe ich nicht so. Es gilt jetzt, eine ehrliche Debatte zu führen in der SPD. Wenn wir das nicht tun, glaube ich, war es das. Wenn wir jetzt nicht reingehen, beschädigen wir uns mehr als wenn wir mit Verantwortung übernehmen.

Und das Sondierungspapier?

Es wäre schon besser gewesen, wenn nicht behauptet worden wäre, dass das ein "ganz hervorragendes" Papier ist. Es ist ein Minimalkonsens. Es zeigt in Teilen, wohin die Sozialdemokratie will, was den Soli angeht zum Beispiel.

Zahlreiche führende SPD-Politiker haben direkt nach der Wahl der Groko eine Absage erteilt. Wie sehr hat diese 180-Grad-Wende der SPD geschadet?

Das war kein gutes Signal. Da darf man die Augen nicht vor verschließen. Wir geben im Moment kein gutes Bild ab. Und nach meiner Sicht ist jetzt absolute Führungsstärke gefragt. Diese Schäden zu beheben, kann besser gelingen, wenn wir in einer Regierung sind.

Bei einer möglichen Neuwahl wäre der Schaden für die SPD also noch größer?

Genau das ist meine Befürchtung. Deshalb sage ich auch, ich akzeptiere die Argumente der Gegner. Aber ich finde einfach, dass wir dann zu viel zerstören würden. Der Wiederaufbau wäre dann noch schwerer. Ich gebe der SPD jetzt noch diese Chance. Das ist auch die letzte, die sie hat, fürchte ich.

Ist es auch die letzte Chance, die sie Martin Schulz geben?

Ja, absolut.

Glauben Sie also nicht, dass er unter allen Umständen der richtige Kandidat an der Spitze ist?

Nein.

Glauben Sie denn, dass er es schafft, die Partei zu überzeugen?

Ich denke, es steht und fällt mit der Entscheidung in NRW. Es könnte gelingen. Aber dann muss klar sein, dass in den Koalitionsverhandlungen noch was rausgeholt werden muss. Wenn das nicht passiert, wird es in der Mitgliederbefragung eher schwierig.

Was passiert, wenn ein aus Sicht der SPD-Führung anständiger Koalitionsvertrag ausgearbeitet wird und die Mitgliederbefragung die Koalition anschließend dennoch ablehnt?

Das wäre schon, ich will nicht sagen ein Super-Gau, aber das wäre wirklich nicht gut. Wir haben den Weg jetzt eingeschlagen, und wenn am Sonntag der Parteitag beschließt, Koalitionsverhandlungen aufzunehmen, dann haben die führenden Genossen die Aufgabe, in den Koalitionsverhandlungen nochmal ein deutliches Signal der Sozialdemokratie zu senden.

Mit Charlotte Britz sprach Benjamin Konietzny

Quelle: ntv.de

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