Eine Million in Kiew ohne WärmeIm Schatten der Trump-Show terrorisiert Putin die Ukraine
Ein Kommentar von Volker Petersen
In seinem Krieg gegen die Ukraine verfolgt Russland eine Strategie der Zermürbung. Es bombardiert Kraftwerke, die Wärmeversorgung und Wohnhäuser, damit die Menschen ihren Widerstand gegen die Eroberung aufgeben. Das ist Terrorismus.
Was US-Präsident Donald Trump gerade in Sachen Grönland veranstaltet, könnte man als "Getöse" bezeichnen, außenpolitisches Getöse. Die Schlagzeilen dominiert er, flankierend dazu unterbietet er immer wieder aufs Neue die Erwartungen an seinen Charakter - jüngstes Beispiel die kindisch-beleidigte Nachricht an den norwegischen Ministerpräsidenten, in der er sich darüber beklagt, nicht den Friedensnobelpreis bekommen zu haben.
Das ist alles nur noch zum Kopfschütteln, lächerlich. Aber immerhin gibt es - noch - kaum reale Konsequenzen. In Kiew ist das anders. Dort gibt es echtes Getöse, nicht nur metaphorisches. Dann, wenn die russischen Raketen, Bomben und Drohnen einschlagen. Echte Explosionen von Wohnhäusern, von Wärme- und Strom-Kraftwerken, von Umspannwerken, Transformatoren und Leitungen, die sehr reale Folgen haben. In Kiew sind eine Million Menschen ohne Wärme.
Für Putin sind das Sandkastenspiele
Es ist eine Nachricht, die im medialen Getöse rund um Trump untergehen könnte. Doch sie zeigt: So skrupellos, so egomanisch, so niederträchtig Trump mit seinen Worten agiert, Putin ist ihm weit voraus. Natürlich bleibt auch Trumps Politik nicht ohne Folgen. Zum Beispiel für das Rechtssystem: Nach drei frontalen Schüssen eines ICE-Agenten auf eine Frau in Minneapolis wird nicht gegen den Schützen ermittelt, sondern gegen die Ehefrau des Opfers. An der Grönlandfrage könnte sich das Schicksal der Nato entscheiden.
Aber im Vergleich zu Putin sind das bislang Sandkastenspiele. Im Krieg gegen die Ukraine ist ihm jedes Mittel recht. Möglicherweise glaubt er, einem Schachspieler gleich, kühl und rational zu handeln. Wenn er die Menschen in der Ukraine terrorisiert, im Winter ihre Energieversorgung zerstört, dann verschafft ihm das einen Vorteil. Vielleicht löst es sogar eine neue Flüchtlingswelle nach Westeuropa aus und verschafft dort Politikern wie Tino Chrupalla neue Argumente, die Ukraine fallen zu lassen.
Aber es ist nichts als Zynismus, Rücksichtslosigkeit und Boshaftigkeit, die aus dem Handeln des Kremls spricht. In Putins Innerem ist schon lange Winter und daran wird sich auch nichts ändern. Nun hilft ihm der US-Präsident wieder einmal, ob gewollt oder nicht: Im medialen Windschatten der Trump-Show kann er seinen Terrorismus weiterführen, ohne großen weltweiten Aufschrei.