Politik

Asylbewerber nach Putschversuch Immer mehr Türken fliehen vor Erdogan

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Vergangenes Jahr stellten insgesamt 8483 türkische Flüchtlinge Asylanträge.

(Foto: picture alliance / Daniel Karman)

Seit dem Putschversuch in der Türkei suchen tausende Türken in Deutschland Asyl. Unter den Erdogan-Flüchtlingen sind viele Top-Ausgebildete, die Ehrgeiz mitbringen und vorankommen wollen. Das Misstrauen bleibt aber auch in der neuen Heimat bestehen.

Die Zahl der Asylbewerber aus der Türkei wächst weiter. Im Jahr des Putschversuchs 2016 zählte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) 5742 Asylanträge - 2017 waren es bereits 8483 Anträge. Und in den ersten beiden Monaten 2018 stellten mit 1429 türkischen Staatsbürgern rund 300 mehr ein Asylgesuch, als das im Januar und Februar 2017 der Fall war. Wie das Bundesamt auf Anfrage weiter mitteilte, stieg auch die Schutzquote deutlich. In den ersten zwei Monaten 2018 seien 42,3 Prozent der Anträge positiv entschieden worden.

In vielen Städten Deutschlands haben sich inzwischen Netzwerke für einreisende Asylbewerber aus der Türkei etabliert. Kontakte werden vermittelt, Hilfe im Alltag geleistet, Begleitung bei Behördengängen organisiert. "Hilfe kommt von denen, die vor uns Ähnliches erleben mussten, die schon etwas integriert sind. Sie haben ein Netzwerk für die Neuankömmlinge gebildet", sagt der Jurist Murat T.. Er saß sechs Monate in einem türkischen Gefängnis und hielt sich nach seiner Freilassung lange versteckt, bevor er nach Deutschland flüchtete.

Das Misstrauen sei jedoch groß, sagt er. Laut Murat T. mieden die meisten Neuankömmlinge die türkische Gemeinschaft, die schon lange hier lebt. "Wir treten nur mit Menschen in Kontakt, die uns von Vertrauten vermittelt werden. Es wäre sonst wohl nicht zu verhindern, dass uns jemand an die Regierung verrät", glaubt er. Teile der türkischen Bevölkerung in Deutschland hält der Jurist für manipuliert durch die türkischen Medien. "Sie scheinen Erdogan jedes Wort zu glauben."

Der türkische Präsident Erdogan geht seit dem Putschversuch vor fast zwei Jahren rigoros gegen Kritiker vor. Rund 150.000 Staatsbedienstete wurden suspendiert oder entlassen, 50.000 Menschen sind inhaftiert. Nach Angaben von Sprachschulen und mehreren Geflüchteten sind vor allem Vertreter der türkischen Bildungselite unter den Asylbewerbern - Ärzte, Beamte, Diplomaten, Unternehmer. Die meisten von ihnen hätten große Ambitionen, heißt es, sich aktiv in die deutsche Gesellschaft und Wirtschaft einzubringen.

Quelle: ntv.de, hny/dpa