Politik

Spahn zu GB und Portugal Impfung soll bei Rückkehr Unterschied machen

Wer aus Portugal oder Großbritannien nach Deutschland zurückkommt, muss in Quarantäne - selbst bei doppelter Impfung. Das könnte sich demnächst ändern, wie Gesundheitsminister Spahn bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Innenminister Seehofer sagt. Der spricht sich gegen Grenzkontrollen aus.

Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus werden Portugal und das Vereinigte Königreich womöglich bald nicht mehr als Virusvariantengebiete eingestuft - mit Auswirkungen für Heimkehrer. Wenn die Delta-Variante in Deutschland vorherrschend werde und mit dem Wissen, dass die zweifache Impfung auch bei dieser Virusvariante schütze, "werden wir uns in den nächsten Tagen die Situation anschauen", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Innenminister Horst Seehofer in Berlin. "Wenn sich das beides so bestätigt, wird man Portugal und das Vereinigte Königreich dann auch wie Hochinzidenzgebiete behandeln können."

Portugal war kürzlich ebenso wie Russland und zuvor Großbritannien wegen der Ausbreitung der Delta-Variante als Virusvariantengebiet eingestuft worden. Damit gelten für Heimkehrer strenge Beschränkungen. Die Rückkehrer müssen auf jeden Fall für 14 Tage in Quarantäne, auch wenn sie geimpft oder genesen sind. Sie können sich auch nicht freitesten.

"Mit dem Wissen, dass sich jetzt in den letzten Tagen bestätigt hat, dass bei dieser Variante die doppelte Impfung schützt, haben wir die Möglichkeit, dann zu einer anderen Einstufung zu kommen", sagte Spahn. Auch hier mache dann die doppelte Impfung "einen Unterschied". Spahn wies noch einmal darauf hin, dass jeder, der sich in ein Flugzeug nach Deutschland setze, ein negatives Testergebnis oder einen gültigen Impf- oder Genesenennachweis vorlegen muss - und zwar vor Betreten des Fliegers.

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Nimmt die Delta-Variante in Deutschland zu, werden Portugal und Großbritannien wieder heruntergestuft.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Die besonders ansteckende Delta-Variante ist auch in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Der Anteil der Ansteckungen mit der zuerst in Indien festgestellten Variante an allen Corona-Neuinfektionen verdoppelte sich laut Robert-Koch-Institut (RKI) in der dritten Juniwoche erneut auf nun 37 Prozent. Die Experten gehen davon aus, dass Delta spätestens in dieser Woche zum dominierenden Virusstamm in Deutschland wird. "Delta wird auch bald in Deutschland die dominierende Variante sein", sagte Spahn. Er gehe davon aus, dass "wir noch im Juli sehen werden, dass Delta auch bei uns über 70, 80 Prozent der Infektionen ausmacht".

Seehofer gegen Grenzkontrollen

Seehofer sagte, es werde in den Sommermonaten keine stationären Grenzkontrollen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geben. Die Kontrollen an Flughäfen durch die Bundespolizei und die Überwachung von Quarantäne-Verpflichtungen durch die Gesundheitsämter sollen seinen Angaben zufolge jedoch verstärkt werden. Wer mit dem Auto einreist, sollte sich laut Seehofer auf Stichproben-Kontrollen im Grenzraum einstellen. "Wer einreist, muss damit rechnen, kontrolliert zu werden", betonte der CSU-Politiker in Berlin.

Spahn wies darauf hin, dass die Gesundheitsämter nun aufgrund gesunkener Infektionszahlen mehr Kapazitäten hätten, um die Einhaltung der Quarantäne von Reiserückkehrern engmaschiger zu kontrollieren. Seehofer sagte, die Behörden in Bund, Ländern und Kommunen müssten sicherstellen, dass die Corona-Regeln überall beachtet werden. Es gehe darum, den bislang erreichten Erfolg bei der Bekämpfung der Pandemie nicht zu gefährden.

Aktuell ist kein Nachbarland Deutschlands als Risikogebiet eingestuft. Bei den Stichprobenkontrollen von Autofahrern in der Nähe der Grenze gehe es beispielsweise um Reisende, die mit dem Auto aus der Türkei oder aus Großbritannien kommen. Reisende, die sich in den zurückliegenden zehn Tagen in einem Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet oder Virusvariantengebiet aufgehalten haben, müssen vor ihrer Ankunft in Deutschland eine elektronische Einreiseanmeldung ausfüllen.

Er werde sich von einzelnen Ministerpräsidenten nicht zu stationären Grenzkontrollen drängen lassen, sagte Seehofer. Lange Staus an den Grenzübergängen gelte es zu vermeiden. Außerdem hätten gerade Landesregierungen, die solche Kontrollen forderten, während der Grenzkontrollen im vergangenen Jahr auf mehr Ausnahmen gedrungen. "Dieses Spiel legen wir nicht ein zweites Mal auf", sagte Seehofer.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa/AFP

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