Politik

Bericht zum BuchhandlungspreisInterne Dokumente wecken Zweifel an Weimer Darstellung

30.09.2026, 19:02 Uhr
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Weimer hatte im März drei Buchhandlungen in Berlin, Bremen und Göttingen von der Liste der Preisträger für 2026 gestrichen. Der mit Steuergeld finanzierte Preis dürfe nicht "an Feinde des Staates" gehen. (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

Im März tritt Kulturstaatsminister Weimer einen Skandal los, indem er drei Buchläden von einem Preis ausschließt. Eine Recherche enthüllt nun die Grundlage für seine Handlungen. Was dabei ans Licht kommt, lässt den Minister nicht gut dastehen.

Interne Dokumente widersprechen der Darstellung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Falle eines Skandals um drei linke Buchhandlungen, die das Kulturministerium vom Deutschen Buchhandlungspreis ausschloss. Das berichtet t-online. Laut dem Medium basierte die Entscheidung aus Weimers Ministerium, den Verfassungsschutz einzuschalten, auf wenigen vagen Sätzen, die teils Wort für Wort von den Websites der Buchhandlungen kopiert worden waren.

Auch Weimers Aussage, seine Fachabteilung habe in den drei Fällen Bedenken zur Preiswürdigkeit der Buchhandlungen gehabt, wird vom Bericht in Zweifel gezogen. Den Akten zufolge schlug die Fachabteilung im Oktober 2025 im Wortlaut vor, alle 118 von der Jury vorgeschlagenen Preisträger auszuzeichnen.

Weimer hatte im März je eine Buchhandlung in Berlin, Bremen und Göttingen von der Liste der Preisträger für 2026 gestrichen. Der mit Steuergeld finanzierte Preis dürfe nicht "an Feinde des Staates" gehen, hieß es damals. Das sorgte für scharfe Kritik aus den Reihen der Opposition und aus der Kulturbranche, die geplante Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse wurde abgesagt. Öffentlich wurde nie bekannt, was gegen die drei Geschäfte vorliegt. Der Fall beschäftigt inzwischen auch die Justiz. Die Läden streiten vor Gericht um Einblicke ins Vergabeverfahren.

"Offensichtlich politische Ausrichtung"

Nun sind die Akten, nach denen Weimer handelte, öffentlich geworden: Dem Bericht von t-online zufolge übernahmen die zuständigen Beamten in der Akte zum Buchhandel "Rote Straße" in Göttingen einfach einen Text, der bis heute auf der Website des Ladens zu lesen ist: "Es gibt Bücher zu Feminismus und Queerness, Linker Theorie und deren Diskussion, sozialen Bewegungen, Nationalsozialismus und dessen Rezeption, marxistischer Theorie, Kritischer Theorie, Antirassismus und Migration".

Zum "Golden Shop" in Bremen stehe geschrieben: "Laut der Webseite der Buchhandlung befinden sich im Sortiment u. a. 'Bücher zu linker Politik, Jugendsubkulturen, Musik'. Zudem befinden sich in der Rubrik 'Links' u. a. Verlinkungen zur Antifa in Bremen." Zum "Buchladen zur schwankenden Weltkugel" in Berlin heiße es lediglich, die Buchhandlung habe eine "offensichtliche politische Ausrichtung". Basierend auf diesen Informationen sollen "entscheidende Stellen des Hauses" dann offenbar den Verfassungsschutz eingeschaltet haben.

Weimer selbst behauptete im Nachgang in einem Interview mit der "Zeit", seine "Fachbeamten, die sich in der Buchhandlungsszene sehr gut auskennen, hatten in drei Fällen grundsätzliche Zweifel an der Preiswürdigkeit." Dem Bericht zufolge finden sich derlei Bedenken aber nicht in den Akten. Die Fachabteilung habe vorgesehen "alle 118 von der Jury vorgeschlagenen Preisträger auszuzeichnen". In der Vorlage für die Hausleitung heiße es: "Es wird empfohlen, dem Votum der Jury zu folgen. Alle empfohlenen Buchhandlungen erfüllen die Teilnahmebedingungen für eine Auszeichnung."

Quelle: ntv.de, toh/dpa

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