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Kriegsschiff greift ein Iranische Boote bedrängen britischen Tanker

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Das britische Kriegsschiff "HMS Montrose" schützte den Tanker vor den Booten.

(Foto: REUTERS)

Erneut kommt es zu einem Zwischenfall mit einem Tanker im Persischen Golf. Iranische Boote versuchen einen britischen Tanker davon abzuhalten, die Straße von Hormus zu durchqueren, teilt London mit. Aus Teheran kommt ein Dementi.

Iranische Kräfte haben im Persischen Golf einen britischen Tanker bedrängt. "Entgegen internationalem Recht versuchten drei iranische Schiffe, die Durchfahrt eines Handelsschiffes, der 'British Heritage', in der Straße von Hormus zu behindern", teilte ein Sprecher der britischen Regierung mit.

Der Iran dementierte die Berichte. "Das Ziel solcher wertlosen Unterstellungen ist lediglich, Spannungen zu provozieren", sagte Außenminister Mohamed Dschawad Sarif der Nachrichtenagentur Fars. Auch die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) bestritten den Vorfall. "In den vergangenen 24 Stunden hatten wir in der Straße von Hormus keinen Zwischenfall mit ausländischen Schiffen, auch nicht mit einem britischen", erklärten die Revolutionsgarden auf ihrer Webseite.

Zuvor hatten US-Medien unter Berufung auf US-Regierungsquellen berichtet, dass sich fünf bewaffnete Boote der iranischen Revolutionsgarden einem britischen Tanker am Mittwoch genähert und diesen aufgefordert hätten, seinen Kurs in Richtung iranische Gewässer zu ändern. Ein britisches Kriegsschiff sei eingeschritten und habe die Boote zurückgedrängt, berichtete CNN. Es gebe US-Luftaufnahmen des Zwischenfalls, hieß es weiter in dem Bericht.

In der Erklärung des britischen Verteidigungsministeriums hieß es dazu: "Die 'HMS Montrose' war gezwungen, sich zwischen die iranischen Boote und die 'British Heritage' zu positionieren und verbale Warnungen an die Boote abzugeben." Die iranischen Schiffe hätten daraufhin abgedreht. "Wir sind über diese Aktion beunruhigt und fordern die iranischen Behörden weiterhin dringend auf, die Situation in der Region zu deeskalieren" hieß es weiter.

Ein Sprecher des US Central Command, das die US-Truppen im Nahen Osten führt, erklärte auf Anfrage, man kenne die Berichte über den Versuch der iranischen Revolutionsgarden, den britischen Tanker zu drangsalieren. Er betonte, Bedrohungen für die internationale Schifffahrt bedürften einer internationalen Lösung. Die Weltwirtschaft sei abhängig von freien Handelswegen und es sei an allen Nationen, diese zu sichern.

"Bösartige Aktivitäten"

Aus US-Regierungskreisen hieß es ebenfalls: "Uns sind Berichte bekannt, wonach iranische Boote versucht haben, einen britischen Öltanker zu beschlagnahmen." Die USA arbeiteten weiter mit Verbündeten und Partnern zusammen, um gegen die "bösartigen Aktivitäten" der iranischen Führung anzugehen und den globalen Handel zu schützen.

Das US-Verteidigungsministerium hatte zuvor angekündigt, Pläne für eine internationale Koalition zum Schutz von Handelsschiffen vorantreiben zu wollen. Das Pentagon habe dazu einen konkreten Plan entworfen. In ein paar Wochen werde feststehen, welche Länder sich dem Bündnis anschließen wollten.

Die betroffene Meerenge, die Straße von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hatte Großbritannien zuvor wegen des Stopps eines iranischen Öltankers an anderer Stelle - vor Gibraltar an der Südspitze Spaniens - mit Konsequenzen gedroht. "Der Stopp des Supertankers durch die Briten war ein Fehler und dumm (...). Wir müssen uns alle dafür einsetzen, dass die internationale Schifffahrt sicher bleibt und sie nicht mit solchen Aktionen unsicher machen", sagte Ruhani. Großbritannien solle dies beherzigen, "um später nicht die Konsequenzen zu tragen".

Der iranische Supertanker "Grace 1" war in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen für Syrien gestoppt worden. Auch die britische Marine war an der Aktion beteiligt. Der Iran protestierte, bestellte dreimal den britischen Botschafter in Teheran ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Der Oberste Gerichtshof des britischen Überseegebietes hat inzwischen angeordnet, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf.

Erste Vorfälle im Juni

Im Juni hatte es im Golf von Oman bereits mysteriöse Zwischenfälle mit zwei Tankern gegeben. Die US-Regierung machte dafür den Iran verantwortlich, die Führung in Teheran bestritt die Vorwürfe. Die Vorfälle schürten international Ängste vor einer militärischen Eskalation zwischen beiden Staaten.

Eine Entspannung in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist derzeit nicht in Sicht. US-Präsident Donald Trump hatte der Führung in Teheran mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen gedroht und ihr vorgeworfen, sie reichere seit Langem heimlich Uran an.

Das internationale Atomabkommen von 2015 sollte den Iran am Bau einer Atombombe hindern und zugleich dessen politische und wirtschaftliche Isolation beenden. Aus Sicht der Trump-Regierung wurde der Iran aber durch den Deal nicht dauerhaft an der Entwicklung von Nuklearwaffen gehindert. Die USA scherten im Mai 2018 einseitig aus dem Abkommen aus und setzten scharfe Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft. Teheran hatte zuletzt höhere Uranvorräte als erlaubt. Auch die zulässige Obergrenze bei der Anreicherung des Urans wurde jüngst überschritten. Der Iran bestreitet allerdings, Atomwaffen bauen zu wollen.

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Quelle: n-tv.de, kst/bad/rts/dpa

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