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Astrazeneca sagt doch nicht ab Irritation um EU-Krisensitzung: Treffen findet statt

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Auch in Myanmar kommt der Astrazeneca-Impfstoff bereits zum Einsatz.

(Foto: REUTERS)

Ein für den Abend geplantes Treffen zwischen Vertretern der EU und Astrazeneca sorgt für Irritationen. In den Mittagsstunden heißt es aus EU-Kreisen zunächst, dass das Treffen kurzfristig von Astrazeneca abgesagt worden sei. Wenige Minuten später rudert der Impfstoff-Hersteller zurück.

Der Impfstoffhersteller Astrazeneca hat nach EU-Angaben die Absage eines Krisentreffens zurückgezogen und will nun doch an dem für den Abend geplanten Gespräch teilnehmen. Dies habe die Presseabteilung des Konzerns der EU-Kommission bestätigt, hieß es in Brüssel. Zuvor habe das Management des Unternehmens per Mail abgesagt und erklärt, ein Treffen habe derzeit wegen der vielen offenen Fragen keinen Sinn. Man sei erfreut über die neue Entwicklung, hieß es aus Kommissionskreisen.

Ein Astrazeneca-Sprecher erklärte auf Anfrage: "Wir können bestätigen, dass wir uns nicht aus den Gesprächen mit der EU-Kommission zurückgezogen haben, die für heute geplant sind." Die Kommission und die 27 Staaten hatten das Treffen mit Astrazeneca auf Expertenebene für 18.30 Uhr einberufen. Hintergrund ist der Streit mit dem britisch-schwedischen Hersteller über Lieferkürzungen. Statt erwarteter 80 Millionen Impfdosen im ersten Quartal sollen nach EU-Angaben nur 31 Millionen ankommen. Den angegebenen Grund - Probleme in der Lieferkette - will die EU nicht gelten lassen.

In Brüssel gibt es den Verdacht, Engpässe bei der Belieferung der Europäischen Union mit dem Astrazeneca-Vakzin könnten darauf zurückzuführen sein, dass das Unternehmen Großbritannien und andere Nicht-EU-Länder mit ungekürzten Mengen des Impfstoffs beliefert. Bei zwei Treffen mit EU-Vertretern am Montag hatte das Unternehmen Brüssel zufolge nicht ausreichend erklären können, wie es zu den Lieferengpässen gekommen ist. Dem Unternehmen zufolge sind Probleme bei der Produktion in einem Werk in Belgien die Ursache.

Astrazeneca-Chef Pascal Soriot machte in einem Interview mit mehreren europäischen Zeitungen den im Vergleich mit Großbritannien späten Abschluss eines Liefervertrages der EU für die Verzögerungen verantwortlich. "Wir sind in Europa jetzt zwei Monate hinter unserem ursprünglichen Plan", sagte Soriot der "Welt". Man habe auch Anfangsprobleme in Großbritannien gehabt. "Aber der Vertrag mit den Briten wurde drei Monate vor dem mit Brüssel geschlossen. Wir hatten dort drei Monate mehr Zeit, um Pannen zu beheben."

"Wir bestreiten viele Dinge in diesem Interview"

In der EU habe es mit einem Werk in Belgien "einen Standort mit großer Kapazität gegeben, der Ertragsprobleme hatte", zitierte die italienische Zeitung "La Repubblica" den Firmenchef. "Wir glauben, dass wir diese Probleme in den Griff bekommen haben, aber wir liegen im Grunde zwei Monate hinter dem zurück, wo wir sein wollten."

Sein Unternehmen sei vertraglich nicht zur Lieferung bestimmter Mengen Impfstoff verpflichtet, stellte der Konzernchef weiter fest. Brüssel wollte nach seinen Worten mehr oder weniger zum selben Zeitpunkt beliefert werden wie die Briten - obwohl diese drei Monate früher unterzeichnet hätten. "Darum haben wir zugesagt, es zu versuchen, uns aber nicht vertraglich verpflichtet."

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In dem Interview stellte Soriot laut "La Repubblica" heraus, dass er ein großes Interesse daran habe, dass auch die EU-Staaten mit genügend Impfdosen versorgt werden. "Ich bin Europäer, ich trage Europa im Herzen", so der Franzose. Er betonte zugleich, dass sein Unternehmen mit dem Impfstoff keinen Profit mache. Das sei auf eine Vereinbarung mit dem Kooperationspartner, der Universität Oxford, zurückzuführen. Dass es in manchen Weltregionen unterschiedliche Preise für den Wirkstoff gebe, liege an den unterschiedlichen Güterkosten. Der Impfstoff sei "zum Wohl der Menschheit" entwickelt worden und nicht als Gewinnbringer.

Aus Brüssel wurden die Erklärungen Soriots zurückgewiesen. "Wir bestreiten viele Dinge in diesem Interview", sagte ein EU-Vertreter mit Blick auf die Äußerungen des Konzernchefs. "Zum Beispiel die Idee, dass Produktionsstätten in Großbritannien für Lieferungen in das Vereinigte Königreich reserviert seien." Die Vereinbarung, die die EU-Kommission im August mit dem schwedisch-britischen Unternehmen getroffen hatte, sehe Flexibilität bei den Produktionsstätten vor. "Wenn es also in einem Werk in Belgien ein Problem gibt, haben wir Kapazitäten auch in anderen Werken in Europa und Großbritannien."

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa