Politik

"Metro" unter Gazastreifen Israel: 100 Kilometer Hamas-Tunnel zerstört

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Zerstörung im Gazastreifen: Das israelische Militär greift das Gebiet aus der Luft und vom Boden aus mit Artillerie an.

(Foto: dpa)

Seit einer Woche beschießen sich Israel und Palästinenser im Gazastreifen. Das israelische Militär geht bei seinen Luftangriffen zuletzt auch gegen ein Tunnelnetzwerk unter der Stadt Gaza vor - und kann nach eigenen Angaben große Teile davon zerstören. Der Raketenbeschuss der Hamas hingegen lässt weiter nach.

Das israelische Militär schätzt, dass bei seinen Angriffen im Gazastreifen bislang Tunnelanlagen in einer Länge von rund 100 Kilometern der dort herrschenden Hamas zerstört wurden. Dies sagte Armeesprecher Jonathan Conricus in einer Video-Konferenz mit Reportern. Das Militär hatte in der Nacht erneut das Tunnelsystem angegriffen. 54 Kampfflugzeuge hätten rund 35 Ziele im Laufe der Nacht beschossen, hatte es zuvor mitgeteilt.

Nach Angaben der Armee hatte die Hamas das Tunnelsystem über Jahre aufgebaut. Einem Armeevertreter zufolge hat es eine Länge von Hunderten Kilometern. Es werde unter anderem dafür benutzt, um innerhalb des Gazastreifens Kämpfer, Munition und Lebensmittel zu bewegen, teils auch mit Fahrzeugen. Zuletzt beschossen worden seien strategisch wichtige Orte des Netzes wie etwa Knotenpunkte. Die "Metro" liegt zu großen Teilen unter der Stadt Gaza im Norden des Gazastreifens. Conricus bezeichnete sie unlängst als "Stadt unter der Stadt".

Bei den Luftangriffen auf den Gazastreifen ist laut dem israelischen Militär zudem ein Anführer der militanten Extremistengruppe Islamischer Dschihad getötet worden. Neben dem Tunnelsystem seien neun Wohnhäuser von Anführern der Extremisten aus der Luft angegriffen worden. Die Palästinenser wiederum hätten rund 60 Raketen auf Israel abgefeuert. Das seien allerdings etwas weniger gewesen als in den beiden vorangegangenen Tagen, als es 120 beziehungsweise 200 Raketen gewesen seien.

Trotz internationaler Appelle zur Deeskalation ist kein Ende des neuen blutigen Konflikts zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas in Sicht. Innerhalb einer Woche wurden mehr als 200 Menschen getötet, vor allem Palästinenser.

US-Außenminister appelliert an beide Seiten

Die USA versuchen nach Angaben ihres Außenministers Antony Blinken hinter den Kulissen Israel und die palästinensische Hamas zu einem Ende der Kämpfe zu bewegen. Blinken rief die radikalislamische Hamas und andere Gruppen im Gazastreifen dazu auf, die Raketenangriffe auf Israel zu stoppen. An die Adresse der Regierung in Jerusalem gerichtet sagte er, Israel habe die besondere Verantwortung, alles zu tun, um zivile Opfer zu vermeiden. "Palästinenser und Israelis haben wie Menschen überall das Recht, in Sicherheit zu leben", so Blinken während eines Besuchs seines dänischen Kollegen in Kopenhagen. "Das ist kein israelisches Privileg oder palästinensisches Privileg - das ist ein Menschenrecht."

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warf unterdessen Israel vor, ein "Massaker" an den Palästinensern im Gazastreifen zu verüben. "Die Palästinenser bleiben einem Massaker ausgesetzt, solange die internationale Gemeinschaft Israel nicht mit Sanktionen bestraft", sagte Erdogan nach Angaben seines Büros in einem Telefonat mit Papst Franziskus. Er bat den Papst demnach, die Weltgemeinschaft von Sanktionen gegen Israel zu überzeugen.

Die Botschaften des Pontifex seien von "großer Wichtigkeit, um die christliche Welt und die internationale Gemeinschaft zu mobilisieren", erklärte die türkische Präsidentschaft. Der Papst hatte am Sonntag davor gewarnt, dass der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern "in eine Spirale aus Tod und Zerstörung" zu münden drohe. Die Türkei macht sich derzeit auf mehreren Ebenen für Sanktionen gegen Israel stark. Auch Außenminister Mevlut Cavosoglu forderte in einem Telefonat mit seinem britischen Kollegen Dominic Raab eine "starke Antwort der internationalen Gemeinschaft" auf Israels Angriffe auf den Gazastreifen.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/rts/AFP

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