Politik

"Büttel der USA" Israel-Tweet von ARD-Chefredakteur kritisiert

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Rainald Becker würde nun andere Worte wählen, sagt er.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das von Israel zeitweilig verhängte Einreiseverbot für zwei US-Demokratinnen löst international Kritik aus. Auch ARD-Chefredakteur Becker lässt sich auf Twitter zu einem Kommentar dazu hinreißen. Doch seine Wortwahl löst bei vielen Ärger und Unverständnis aus.

Mit einem israelkritischen Tweet hat ARD-Chefredakteur Rainald Becker eine lebhafte Diskussion ausgelöst. "Israel wird immer mehr zum Büttel der USA!", twitterte Becker am Donnerstagabend. In der Wortmeldung verlinkt war ein Artikel der "Süddeutschen Zeitung", in dem es um die Entscheidung Israels ging, zwei Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus zunächst die Einreise zu verweigern. Einige Twitter-Nutzer unterstellten Becker daraufhin Antisemitismus. Becker wies den Vorwurf der Judenfeindlichkeit zurück. "Kritik an Israel oder an israelischer Politik hat nichts, aber auch gar nichts, mit Antisemitismus zu tun", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

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Rashida Tlaib und Ilhan Omar sind die ersten Musliminnen im US-Kongress und gelten als Unterstützerinnen der anti-israelischen Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen). US-Präsident Donald Trump hatte vor Israels Entscheidung per Tweet indirekt an die israelische Regierung appelliert, die beiden Politikerinnen nicht ins Land zu lassen - er schrieb, sie würden "Israel hassen".

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begründete die Verweigerung der Einreise am Donnerstag damit, dass sich beide im US-Kongress für Gesetze zum Boykott Israels einsetzten. Mit ihrem Besuch wollten sie "Israel Schaden zufügen", sagte er. Am heutigen Freitag genehmigte der israelische Innenminister Arie Deri der US-Abgeordneten Tlaib dann doch einen "humanitären Besuch" ihrer Großmutter im besetzten Westjordanland.

Doch Tlaib sagte die Reise ihrerseits ab. Sie könne es dem israelischen Staat nicht erlauben, sie zu demütigen und ihre Liebe für ihre Großmutter auszunutzen, "damit ich mich seiner unterdrückenden und rassistischen Politik beuge", begründete die Demokratin auf Twitter ihre Entscheidung. Innenminister Arjeh Deri konterte, Tlaib habe offensichtlich nur provozieren und Israel beschämen wollen. "Ihr Hass für Israel bezwingt ihre Liebe für ihre Großmutter."

Gauland nennt Tweet "völlig unangebracht"

Twitter wurde auch in Deutschland vorrangig als Medium für die Debatte um den ARD-Journalisten genutzt. Der Grünen-Politiker Volker Beck fragte Becker, ob ihm das Umfeld der beiden Politikerinnen bekannt sei. "Wenn Boykottsympathisanten boykottiert werden, ist mein Mitleid begrenzt", twitterte er.

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Becker sagte zu den beiden Frauen: "Ich kenne den Hintergrund der Kongressabgeordneten und ihre Meinungen und Haltungen." Sie seien in den vergangenen Wochen von Trump auf das Übelste beschimpft worden. "Ich finde es grundsätzlich schwierig, wenn ein Land Menschen die Einreise verweigert, die eine nicht genehme Gesinnung haben", führte Becker aus. "Wenn wir damit anfangen, dann haben wir sehr schnell eine ganz andere Welt, in der wir leben."

AfD-Fraktionschef Alexander Gauland erklärte Beckers Tweet für "völlig unangebracht"; er könne "antisemitischen Vorurteilen Vorschub leisten". Der außenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Bijan Djir-Sarai, forderte: "Ein ARD-Chefredakteur sollte sich in politischen Beurteilungen etwas überlegter äußern und nicht mit billigem Populismus komplexe politische Sachverhalte vereinfachen und damit Stimmung machen."

"Twitter ist ein Kurznachrichtendienst, deshalb ist das mit der ausführlichen Argumentation immer schwierig", sagte Becker. "Ich würde es im Nachhinein vielleicht eher auf Trump zuspitzen und nicht von 'den USA' sprechen. Und ich würde wohl auch nicht das Wort Büttel benutzen, das heutzutage vielleicht nicht mehr jedem geläufig ist - man kann auch von 'Handlanger' oder 'Gehilfe' sprechen."

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/rts

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